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Bezirkskonferenz in Homburg
IG Metall fordert für die digitale Arbeitswelt mehr Bildung ein

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall.
Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Homburg. Die Wende zu mehr Elektromobilität und die weiter fortschreitende Digitalisierung werden nach Ansicht von IG-Metall-Chef Jörg Hofmann in den nächsten zehn Jahren Hundertausende Arbeitsplätze in der deutschen Metall- und Elektroindustrie verändern oder gefährden.

Betroffen seien unter den gut vier Millionen Beschäftigten der Branche vor allem etwa 300 000 Menschen, die standardisierte Angestelltentätigkeiten ausübten, mehr als 200 000 Beschäftigte in der Automobillogistik und 110 000 Arbeitsplätze beim Umstieg auf Elektroantrieb, sagte der Chef der Gewerkschaft IG Metall gestern bei einer Bezirkskonferenz seiner Organisation in Homburg. „Natürlich werden nicht alle wegrationalisiert, aber klar ist, dass die Arbeit von Menschen mit einfacheren standardisierten Tätigkeiten in hohem Maße gefährdet ist“, ergänze Hofmann im SZ-Gespräch.


„Es fallen Arbeitsplätze weg, aber es entstehen auch neue. Nur, wenn neue Arbeitsplätze entstehen, sind es meist komplett andere Tätigkeiten. Offen ist, wo sie entstehen – in Deutschland, in Osteuropa oder in Südostasien“, sagte der IG-Metaller-Chef. Für die mit knapp 2,3 Millionen Mitgliedern größte Einzelgewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) forderte er „eine „Arbeitswelt 4.0, die gerecht, sicher sowie selbst- und mitbestimmt ist“. Dazu gehörten für die von der Transformation betroffenen Arbeitnehmer eine bessere Qualifizierung schon während der Arbeit, nicht erst wenn Arbeitslosigkeit entstehe. Für eine berufsbegleitende Weiterbildung sollten zudem Berufsschulen zu regionalen Zentren ausgebaut und auch Hochschulen mit einbezogen werden, was viel mehr Investitionen in Bildung und Infrastruktur verlange.

Da sich ein Arbeitnehmer nicht in zwölf Monaten zu einem Spezialisten auf einem anderen Gebiet weiterbilden könne, müsse die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes – wie früher – auf 24 Monate verlängert und mit einem klaren Vorrang der Qualifizierung vor schneller Vermittlung verbunden werden, betonte der IG-Metall-Chef. „Die Transformation gelingt nur mit bestem ausgebildeten Personal, das auch flexibel einsetzbar ist“, fügte er hinzu. Zum Strukturwandel durch Industrie 4.0-Wandel, der immer mehr in den Betrieben ankomme, will die IG Metall Ende Oktober einen großen Transformationskongress in Bonn veranstalten, zu dem mehr als 600 Teilnehmer erwartet werden.