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Saar-Autoindustrie
HTW: Diesel-Technik hat weiter Zukunft

Sauberer als sein Ruf: Der Diesel ist keine Dreckschleuder, zeigt ein aktueller Test.
Sauberer als sein Ruf: Der Diesel ist keine Dreckschleuder, zeigt ein aktueller Test. FOTO: Julian Stratenschulte / dpa
Saarbrücken. Ein Test der Hochschule für Technik und Wirtschaft zeigt: Moderne Diesel-Motoren liegen bereits jetzt unter den geforderten Grenzwerten. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Mit einer gemeinsamen Veranstaltung haben die saarländische Forschung, die Politik und die Industrie gestern in der Saar-IHK ein Zeichen für den Dieselmotor gesetzt, der durch den VW-Skandal in Misskredit geraten ist. „Moderne Diesel-Motoren liegen deutlich unter den geforderten Grenzwerten“, sagt Professor Thomas Heinze von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW).



Heinze hat mit seinem Team in der HTW einen BMW-Diesel mit umfangreichen Messeinrichtungen getestet. Dabei habe der Motor, der mit Abgasreinigungssystemen und einer Abgasrückführung ausgestattet war, die Grenzwerte deutlich unterschritten. Statt des für Straßenmessungen vorgeschriebenen Grenzwerts von 168 Milligramm Stickoxiden pro Kilometer erreichte der Test-BMW einen Mittelwert von 67,5 Milligramm. Und lag damit noch unter dem für Prüfstände geltenden Grenzwert von 80 Milligramm. Dabei hatte die HTW das Fahrzeug nicht unter Idealbedingungen getestet, sondern im Fahrbetrieb bei winterlichen fünf Grad, wie Heinze betont.

Der Test betrifft moderne Diesel-Fahrzeuge. „Alte Euro-5-Diesel bleiben da außen vor. Bei ihnen steht die Frage der Nachrüstung im Raum“, sagt Heinze. Der getestete BMW gehört mit einer umfangreichen Ausstattung bei einem Marktpreis von rund 75 000 Euro eher zur gehobenen Klasse, bei dem die Abgasreinigung, für die Hersteller mit rund 1500 Euro kalkulieren müssten, nicht so sehr zu Buche schlägt. „Abgasreinigungen sind aber auch für preiswertere Autos bezahlbar“, sagt Heinze. Dort sei die Technik weniger aufwendig, sagt er.

Joachim Malter, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung Saarländischer Unternehmensverbände (VSU), ist noch immer verärgert, wie der VW-Skandal die gesamte Technik in Mitleidenschaft gezogen hat: „Damit wird ein insgesamt sehr umweltfreundliches Produkt insgesamt in Zweifel gezogen.“ Das sei irrational, denn um die Klimaziele zu erreichen, sei der Diesel, der beim CO2-Aussstoß deutlich besser abschneidet als der Benzinmotor, zwingend erforderlich.

Für Alexander Heintzel, Chefredakteur technischer Auto-Fachzeitschriften im Springer-Verlag, ist die Fokussierung auf E-Mobilität aktuell ein Irrweg: „Der Strom, den wir aktuell für die E-Autos nutzen, kommt vornehmlich aus der Braunkohle“, sagt er. Er sieht die Blaupause für die Automobilität der Zukunft in China: Das Land setzt in Städten vor allem auf E-Mobilität, für Langstreckenfahrten dagegen auf Hybrid- und Wasserstofffahrzeuge. Es müsse dieses Nebeneinander von Technologien geben, sagt Heintzel.



Auch der Diesel habe eine Zukunft. Dafür fordert Heintzel, die Erzeugung synthetischer Kraftstoffe deutlich auszubauen. Denn Erdöl sei nicht nötig, um Autos anzutreiben. „Synthetischer Kraftstoff lässt sich schlicht mit Strom, Luft und Wasser erzeugen.“ Das geschehe bereits jetzt zu Forschungszwecken. „Der zusätzliche Vorteil: Ich nutze das CO2 der Luft. Damit ist der Kraftstoff klimaneutral.“ Heintzel fordert, dass die Mineralölindustrie verpflichtet wird, Treibstoffe mit synthetischen Kraftstoffen anzureichern.

Pascal Strobel, Leiter des Auto-Netzwerks Automotive.saarland, sieht in den Studienergebnissen ein gutes Zeichen für das Autoland Saarland, das auch stark auf Diesel-Technik setzt. Strobel würde sich aber auch wünschen, dass das Saarland nun bei E-Fuels, also synthetischen Kraftstoffen, Vorreiter in der Entwicklung würde. „Mit dem Überschussstrom, der auch bei uns durch erneuerbare Energien immer wieder anfällt, könnte auch Kraftstoff erzeugt werden“, sagt er. Die Automobilstudie Saar habe bereits empfohlen, neue Potenziale zu heben.