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Zweifel an der Bonität
Hahn-Haupteigner HNA unter Druck

Die am Flughafen Hahn umgeschlagene Menge an Luftfracht hat 2017 zugenommen.
Die am Flughafen Hahn umgeschlagene Menge an Luftfracht hat 2017 zugenommen. FOTO: dpa / Thomas Frey
Peking. Der chinesische Großinvestor am Hunsrück-Airport und bei der Deutschen Bank ächzt unter seiner milliardenschweren Schuldenlast. Von Robert Finn Mayer-Kuckuk

Die Zweifel an der Kreditwürdigkeit der HNA-Gruppe wachsen. Der weltweit aktivste Investor aus China, dem auch mehrheitlich der Flughafen Hahn gehört, kämpft an mehreren Fronten mit schlechten Nachrichten. Mitte Januar hat ein Finanzpartner sogar für mehrere Tage einige Konten des Unternehmens eingefroren, wie die HNA-Gruppe nun zugab. Die Probleme seien jedoch bereits wieder gelöst. Analysten warnen unterdessen vor weiterem Ungemach im Laufe dieses Jahres: Es stehen hohe Rückzahlungen an.


HNA hat in den vergangenen drei Jahren regelmäßig Aufsehen erregt. Die Übernahmen waren spektakulär und teuer. HNA erwarb hohe Anteile an der Hilton-Hotelkette, an den Flugdienstleistern Swissport und Gategroup und an Dutzenden anderen hochkarätigen Unternehmen. HNA kaufte dem Land Rheinland-Pfalz auch dessen 82,5 Prozent Anteile am Airport Frankfurt-Hahn ab. Die chinesische Gruppe übernahm zudem die Finanzfirma des New Yorker Unternehmers Anthony Scaramucci, damit dieser als Sprecher von US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus einziehen konnte.

Im Februar vergangenen Jahres fügte HNA mit der Deutschen Bank dieser Sammlung ein weiteres Juwel hinzu. Nach mehreren Aufstockungen gehören HNA nun knapp unter zehn Prozent an dem deutschen Geldhaus.



Finanzstarke Großinvestoren sind den meisten Aktiengesellschaften eigentlich willkommen. Gerade die Chinesen bleiben meist langfristig engagiert und sorgen damit für Stabilität.

Doch inzwischen stellt sich die Frage, ob die HNA-Gruppe an Zins und Tilgung für seine Verbindlichkeiten nicht doch allzu schwer hebt. Die meisten Übernahmen hat es durchgezogen, indem es Kredite aufgenommen und dafür Sicherheiten gestellt hat. Nun sieht es so aus, als seien die vorhandenen Sicherheiten bei Übernahmen im Wert von mehr als 40 Milliarden Euro arg strapaziert.

Dieser Ansicht waren auch die Manager der Ningbo Commerce Bank aus der gleichnamigen ostchinesischen Stadt. Sie waren misstrauisch geworden, als sie merkten, dass HNA die gleichen Wertpapiere als Sicherheiten für zwei unterschiedliche Kredite eingereicht hatte. Am 12. Januar froren sie die Kontobewegungen der HNA ein. Nachdem das Unternehmen versichert hatte „an einem wichtigen Restrukturierungsplan zu arbeiten“, gaben sie die Konten am 15. Januar wieder frei. Konkret ging es um Aktien des Unternehmens Tianjin Tianhai, die HNA gegenüber der Ningbo Commerce Bank als Sicherheit hinterlegen wollte. Die Aktien von sechs börsennotierten HNA-Töchtern, darunter Tianjin Tianhai, sind derzeit vom Handel ausgesetzt. Die Gruppe befindet sich kurz vor einer groß angelegten Neuordnung ihrer Finanzarchitektur. Sie wolle jedoch keine wichtigen Beteiligungen abstoßen, war zu hören.

In der zweiten Jahreshälfte wird der Druck auf HNA jedoch deutlich zunehmen, wie der Finanzdienst Bloomberg ausgerechnet hat. Dann sind Anleihen im Wert von 1,5 Milliarden Euro fällig – eine „Wand von Schulden“, wie die Experten es ausdrücken. Diese Summe kommt zur regulären Zinslast von über zwei Milliarden Euro pro Jahr noch dazu.

Die zunehmenden Zweifel an der Bonität des Unternehmens haben auch den Effekt, dass die Kreditgeber misstrauischer werden und höhere Zinsen verlangen. Die Kosten für die Verschuldung haben sich daher für HNA in den vergangenen Jahren verdoppelt. Um die Schulden umzuwälzen, muss das Unternehmen also heute mehr Geld bieten.

Die chinesische Regierung hat die Aktivitäten von HNA in den vergangenen Monaten gebremst und geplanten Übernahmen die Genehmigung verweigert. Den Verantwortlichen in Peking wurde die weltweite Shopping-Tour anscheinend ebenfalls unheimlich. Offen ist damit auch, ob HNA in de Lage ist, den flügellahmen Hunsrück-Flughafen Hahn zu sanieren und aus den roten Zahlen zu führen.