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Gelungenes Beispiel von Berufsorientierung
Früh lernen, wie es im  Berufsleben läuft

Engagiert in Sachen Berufsorientierung: Yvonne Meiser-Franz, Monika Schwarz, Gudrun Schneider-Nissen und Schülerin Nika Moili (hinten, v.l.), Schulleiterin Jutta Bost und die Schülerinnen Ainoa Castillo und Marie-Lou Röll-Carrère (vorne v.l.).
Engagiert in Sachen Berufsorientierung: Yvonne Meiser-Franz, Monika Schwarz, Gudrun Schneider-Nissen und Schülerin Nika Moili (hinten, v.l.), Schulleiterin Jutta Bost und die Schülerinnen Ainoa Castillo und Marie-Lou Röll-Carrère (vorne v.l.). FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Das Saarbrücker Gymnasium am Rotenbühl setzt auf eine Berufsorientierung ihrer Schüler. Offenbar mit einigem Erfolg. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

In Gymnasien war die Frage, was die jungen Leute nach dem Abitur machen wollen, eher zweitrangig. Die meisten studieren und wählen danach einen Beruf, der zu ihrer akademischen Ausbildung passt und gut ist – so die landläufige Meinung. „Diese Zeiten sind längst vorbei“, sagt Jutta Bost, Schulleiterin des Saarbrücker Gymnasiums am Rotenbühl. Also hat sich die Schule schon vor zehn Jahren aufgemacht, ihre Schülerinnen und Schüler systematisch an das Berufsleben heranzuführen. Belohnt wurden diese Bemühungen jetzt mit der Auszeichnung Berufswahl-Siegel 2018, das Schulen für herausragende Berufs- und Studienorientierung auszeichnet (siehe Info).


Das Gymnasium ist traditionell international ausgerichtet. So verfügt es über einen zweisprachigen  Zweig mit Englisch als Schwerpunkt. Ab der siebten Klasse erfolgt der Unterricht in Fächern wie Erdkunde ebenfalls in Englisch. „Daher lag es nahe, dass wir auch bei der Berufsorientierung ein internationales Angebot ausgearbeitet haben“, sagt Lehrerin Gudrun Schneider-Nissen. Möglich sei dies auch, weil das Rotenbühl-Gymnasium im Rahmen des EU-Hochschulprogramms Erasmus eine enge Verbindung zu Partnerschulen in Europa hat.

Einige Schülerinnen nutzten diese Gelegenheit, um mit einem mehrwöchigen Auslandsaufenthalts ihren Horizont zu erweitern. Nika Moili entschied sich für Frankreich, Marie-Lou Röll-Carrère für Spanien und Aiona Castillo für England. In einem Workshop lernten sie dort unter anderem, wie in dem jeweiligen Land eine Bewerbung auszusehen hat, damit sie erfolgreich ist. Außerdem konnten die drei 16-Jährigen Universitäten in ihren Wahlregionen besuchen und sich nach den Studienbedingungen erkundigen. Darüber hinaus gab es die Möglichkeit, Betriebe zu besichtigen. Alle drei sind davon überzeugt, „dass uns das viel gebracht hat“. Ihr frisch erworbenes Wissen wollen sie jetzt an andere junge Leute weitergeben. Sie sind dabei, unter der Anleitung von Lehrerin Anja Barbian eine Ratgeber-Website zu entwickeln, auf der zahlreiche Fragen rund um ein Studium im In- und Ausland beantwortet werden sollen. Die Seite soll im Frühjahr ans Netz gehen.



Ein weiteres Projekt zur Berufsorientierung ist eine Schülerfirma. „Im vergangenen Schuljahr haben die Firmeninhaber T-Shirts bedruckt und verkauft. Diesmal wollen sie es mit Seife probieren“, erzählt Lehrerin Yvonne Meiser-Franz. „Sie beziehen die Seife aus einer kleinen Manufaktur im Bliesgau, entwerfen die Verpackung und vermarkten sie.“

„Wichtig ist aber auch die Zusammenarbeit mit den Eltern“, betont Schulleiterin Bost. So würden Mütter und Väter in den Unterricht kommen, ihren jeweiligen Beruf vorstellen und erzählen, „wie sie am Ende ihren Weg gefunden haben“, sagt Lehrerin Monika Schwarz. Damit diese Vorträge bei den jungen Leuten nicht verpuffen, „müssen sie im Vorfeld eine Liste mit Fragen rund um den Beruf des Eltern-Referenten zusammenstellen“, erläutert sie.

Darüber hinaus arbeitet das Gymnasium am Rotenbühl  mit den Hochschulen der Region und mit Firmen zusammen – mit dem Ziel, „dass die jungen Leute einen realistischen Einblick in ein Studium und eine künftige Beschäftigung erhalten“, sagt Bost. Ein wichtiger Kooperationspartner sei die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), „die unsere Schüler intensiv über die Studienmöglichkeiten an der HTW berät“. Die Universität biete Labortage an. Das Software-Haus Data One helfe beim Bewerbertraining. Zum Pflichtprogramm gehören auch Praktika, Betriebsbesichtigungen „und in der Klasse 12 eine intensive Berufsberatung“, erläutert die Schulleiterin.