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Zahlreiche Probleme bei Thyssenkrupp
Der Thyssen-Krupp-Chef räumt auf

Guido Kerkhoff, Vorstandsvorsitzender von Thyssen-Krupp, muss mehrere Großbaustellen im Konzern in den Griff bekommen.
Guido Kerkhoff, Vorstandsvorsitzender von Thyssen-Krupp, muss mehrere Großbaustellen im Konzern in den Griff bekommen. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Essen. Die Aufteilung in zwei Unternehmensbereiche verursacht hohe Kosten. dpa

Aus dem Ruder gelaufene Kosten beim Anlagenbau durch einige Großprojekte, millionenschwere Kartellrisiken beim Stahl, ein zerstrittener Aufsichtsrat und ein bis kurz vor die Nulllinie geschrumpfter Jahresüberschuss: Knapp zwei Monate nach seinem Amtsantritt steht der neue Thyssen-Krupp-Chef Guido Kerkhoff vor einer Großbaustelle im eigenen Konzern. Er will jedoch beim Stahl- und Industriekonzern aufräumen. Die von ihm favorisierte Aufteilung in zwei Unternehmensteile, einen für die Industriebereiche und einen für Werkstoffgeschäfte, verursacht allerdings erst einmal erhebliche Kosten.


So werden im neuen Geschäftsjahr 2018/19 (Ende September) sowohl der Jahresüberschuss als auch der freie Mittelzufluss nach vorläufigen Berechnungen mit einem höheren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag belastet, hieß es gestern in der Bilanz-Pressekonferenz. Über die Spaltung des Konzerns wird die Hauptversammlung im Januar 2020 abstimmen. Trotz der hohen finanziellen Belastungen erwartet Thyssen-Krupp für das Jahr einen deutlich höheren Jahresüberschuss im Vergleich zum Vorjahr. Ergebnis­steigerungen der fortgeführten Geschäfte sowie positive Effekte aus dem erwarteten Abschluss des Stahl-Gemeinschaftsunternehmen mit Tata Steel sollen die Belastungen mehr als ausgleichen.

Hinzu kommt jedoch ein hohes Risiko von nach Einschätzung des Unternehmens „über 50 Prozent“, dass das Bundeskartellamt mögliche Preisabsprachen beim Stahl mit einem Bußgeld ahnden könnte. Damit droht dem Unternehmen, von einem möglichen Fehlverhalten aus der Vergangenheit eingeholt zu werden, klagt Kerkhoff. Erst vor wenigen Tagen hatte sich Thyssen-Krupp deshalb mit millionenschweren Rückstellungen gegen mögliche Kartellrisiken abgesichert. Die Lage auf dem Stahlmarkt werde zudem weiter durch große Überkapazitäten auf den Weltmärkten belastet. Im vergangenen Geschäftsjahr sank der Jahresüberschuss von Thyssen-Krupp bereinigt um die verkauften Stahlaktivitäten in Amerika von insgesamt 271 Millionen auf 60 Millionen Euro.