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Automobilindustrie
Gießereigruppe Halberg an Ex-VW-Rebell verkauft

Die Saarbrücker Gießereigruppe Neue Halberg Guss (NHG), die unter anderem Motorblöcke fertigt, ist an das bosnische Familienkonglomerat Hastor verkauft worden, zu dem in Deutschland die Automobilzuliefergruppe Prevent gehört.
Die Saarbrücker Gießereigruppe Neue Halberg Guss (NHG), die unter anderem Motorblöcke fertigt, ist an das bosnische Familienkonglomerat Hastor verkauft worden, zu dem in Deutschland die Automobilzuliefergruppe Prevent gehört. FOTO: Presseagentur Becker&Bredel / Industrie- und Handelskammer Saa
Saarbrücken/Frankfurt. Das bosnische Familienkonglomerat Hastor hat über seine Prevent-Gruppe die Saarbrücker Gießerei-Gruppe Neue Halberg Guss (NHG) übernommen. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS)“. Aus einer Veröffentlichung des Bundeskartellamts vom Freitag geht hervor, dass die NHG-Gruppe an die Investmentgesellschaft Castanea Rubra Assets mit Sitz in Berlin verkauft wurde (Az.: B9-191/17). Castanea Rubra gehört zu Prevent.
Lothar Warscheid

Das Hauptwerk der Gießerei-Gruppe befindet sich in Saarbrücken-Brebach. Neben der Saarbrücker Fabrik betreibt NHG noch eine Gießerei in Leipzig und im Südafrika. Das  Unternehmen Atlantis Foundries (AF)  auf dem afrikanischen Kontinent hatte NHG vor knapp drei Jahren von Daimler gekauft. An den drei Standorten werden insgesamt 3000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 1400 in Saarbrücken, 950 in Südafrika und 650 in Leipzig. Die gesamte NHG-Gruppe erlöst rund 480 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Das Unternehmen gießt unter anderem Motorblöcke, Kurbelwellen, Zylinderköpfe und Zylinderkurbelgehäuse. Die größten Auftraggeber sind VW, Daimler und der US-Autokonzern General Motors (GM).



Erst im Sommer vergangenen Jahres ist NHG von der SDL Süddeutsche Beteiligungs GmbH mit Sitz in Elchingen an der Donau gekauft worden. SDL übernahm es von dem niederländischen Fonds HTP, der nach der Insolvenz von Halberg Guss im Jahr 2011 eingestiegen war.

„Volkswagen dürfte die Übernahme nicht gefallen“, schreibt die FAS. Volkswagen hatte im Sommer 2016 Aufträge im Wert von 500 Millionen Euro bei Prevent storniert, worauf die Firma ihre Lieferungen einstellte und Schadenersatz forderte. Bei VW standen die Bänder länger still, bis sich die Parteien nach zähen Verhandlungen stillschweigend einigten. Zu Prevent gehören Autozulieferer wie Car Trim in Plauen (Sitze, Sitzbezüge) und ES Automobilguss in Schönheide im Erzgebirge (Differenzialgehäuse).