| 21:11 Uhr

Tarifstreit
Gewerkschaft verschärft den Ton

Rund 2000 Metaller haben gestern vor dem Homburger Werk des Autozulieferers Bosch gestreikt.
Rund 2000 Metaller haben gestern vor dem Homburger Werk des Autozulieferers Bosch gestreikt. FOTO: BeckerBredel
Homburg/Saarlouis/Frankfurt. Die Metall-Arbeitgeber kritisieren die Warnstreiks als „mutwillige Eskalation“.

Im Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall die Warnstreiks im Bezirk Mitte mit den Ländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen ausgeweitet. Die Gewerkschaftsspitze drohte den Arbeitgebern mit einer härteren Gangart, wenn sie nicht nachgeben.


Gestern traten an verschiedenen Orten bis zum Nachmittag mehr als 12 000 Beschäftigte in einen Warnstreik, wie der Sprecher des IG-Metall-Bezirks Mitte, Michael Ebenau, sagte. Weitere Kundgebungen waren am Abend geplant. Die größte Warnstreik-Aktion ging im Industriepark von Ford in Saarlouis über die Bühne. Am Vormittag gab es eine Kundgebung, eine weitere Protestaktion war für Mitternacht geplant. Insgesamt rechnete die IG Metall alleine dort mit insgesamt 4000 bis 6000 Teilnehmern.

2000 Arbeitnehmer trafen sich in Homburg vor Tor 1 der Bosch-Werke zum Warnstreik, und es waren nicht nur „Boschianer“. Auch Mitarbeiter von Schaeffler, Hager und weiteren Firmen aus der Region beteiligten sich an dem Ausstand. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann war angereist und machte den Arbeitgebern Dampf. Er drohte, die Warnstreiks nochmals auszuweiten, sollten die Arbeitgeber bis Ende Januar nicht einlenken. Hofmann erwägt auch eine Urabstimmung über Flächenstreiks.



Der Verband der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes warf der Gewerkschaft eine „mutwillige Eskalation“ vor. „Die Lösung finden wir nicht auf der Straße, sondern nur am Verhandlungstisch“, betonte Hauptgeschäftsführer Joachim Malter.

Hofmann begründete die Forderungen der Gewerkschaft nach sechs Prozent Lohnsteigerung mit den außerordentlichen Gewinnen der Branche und der herausragenden Konjunktur. „Es ist leicht für die Arbeitgeber, bei diesen Rahmenbedingungen unsere Forderungen zu erfüllen. Die Gesamtbelastung durch die Löhne unterschreitet bei weitem die Summe der ausgeschütteten Dividenden.“

Auch Arbeitszeitmodelle müssten flexibler werden, so seine zweite Kernforderung. Wer für Kinder oder Pflege seine Stunden reduzieren wolle, müsse dies können, sagte Hofmann in Homburg. „Es geht um selbstbestimmtes statt ausuferndes Arbeiten.“  Die IG Metall verlangt die Möglichkeit einer befristeten Senkung der Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden. Schichtarbeiter, Eltern junger Kinder sowie pflegende Familienangehörige sollen bei der Senkung der Arbeitszeit zusätzlich einen Teillohnausgleich erhalten.

Die Arbeitgeber lehnen diese Forderung weiterhin kategorisch ab. „Wir halten das für ungerecht und rechtswidrig“, sagte Malter. Die „neuen Teilzeiter“ verdienten dann mehr, als die bisherigen Teilzeitkräfte. Auch dürfe es nicht nur eine Arbeitszeitflexibilität nach unten geben.. „Die Betriebe müssen auch die Möglichkeit erhalten, die entstehenden Lücken durch eine freiwillige Ausweitung der Arbeitszeit an anderer Stelle zu schließen.“

Derweil kündigte die IG Metall für heute weitere Warnstreiks an. Im Saarland und der Westpfalz ruft die Gewerkschaft Beschäftigte von Hydac, Magna und John Deere zu Arbeitsniederlegungen auf.

(bub)