Damit es mit dem Einstieg ins Berufsleben klappt

Wenn der „Opa“ bei der Bewerbung hilft

Die Senior-Experten Heinz Jürgen Burgard, Herbert Smetan, Dietrich Garlichs, Birgit Steiner und Gert Heil (v.l.) bei der Zeitungsleser-Statue im Innenhof der Saarbrücker Zeitung. FOTO: Iris Maria Maurer

Saarbrücken. Gestandene Senior-Experten gehen an saarländische Schulen, damit junge Leute ihren Weg in den Beruf finden.

Anfangs konnten die jungen Leute, die in der Dillinger Gemeinschaftschaftsschule am Römerkastell für ihren Abschluss büffeln, mit dem „Opa“ nichts anfangen, der dort vor der Klasse stand. „Doch mittlerweile bin ich akzeptiert“, erzählt Herbert Smetan. Der 69-Jährige verbringt seit Beginn des Schuljahres viel Zeit damit, junge Männer und Frauen auf das Berufsleben vorzubereiten. Smetan und 13 andere Mitstreiter tun das im Rahmen eines Projekts der Senior Experten Service (SES, siehe Info). Gestandene Leute, die ihr Berufsleben bereits hinter sich haben und im (Un)ruhestand noch etwas Sinnvolles tun wollen, gehen seit Beginn des Schuljahres in insgesamt sieben Berufsbildungszentren und Gemeinschaftsschulen im Land, um den Schülerinnen und Schülern die Berufswelt näherzubringen. Das jedoch ist ein weites Feld. „Einen Leitfaden, wie so etwas abzulaufen hat, gibt es nicht“, sagt Dietrich Garlichs, der in der SES-Zentrale in Bonn das Schulprogramm in den einzelnen Bundesländern koordiniert.

Da ist zum Beispiel Heinz Jürgen Burgard, der einem jungen Palästinenser Nachhilfe in Mathematik gibt. „Das Rechnen mit Brüchen und Gleichungen klappt prima“, erzählt er. „Nur mit Textaufgaben tut er sich als Ausländer schwer. Doch das wird schon“, bilanziert er nach fünf Monaten. Er ist davon überzeugt, dass sein Schützling, der im Berufsbildungszentrum Völklingen zur Schule geht, eine Lehrstelle findet Auch dabei will er ihm helfen. Der 71-Jährige bringt als ehemaliger Mitarbeiter des Saarstahl-Ausbildungszentrums pädagogisches Fingerspitzengefühl mit. „Bedingung ist das jedoch nicht, um im Schulprogramm eingesetzt zu werden“, sagt Garlichs. „Wichtig ist eine große Berufs- und Lebenserfahrung.“

Smetan, der in etlichen Firmen als Berater oder Geschäftsführer tätig war, fiel relativ schnell auf, dass es schon an der Bewerbung hapert. Beim ersten Durchsehen der Unterlagen sagte er, „dass diese bei mir alle in den Papierkorb geflogen wären“. Nach der Kritik ging es ans Eingemachte. Er brachte den Neunt- und Zehntklässlern bei, wie eine gute Bewerbungsmappe auszusehen hat – dass zum Beispiel fürs Foto kein Selfie vom Handy reicht, sondern ein anständiges Porträtbild beigelegt werden muss. „Mit Eurer Bewerbung müsst Ihr in die Pole Position kommen“, machte er deren Bedeutung deutlich. Inzwischen hat Smetan einen Raum in der Schule, wo er für Ratsuchende zu bestimmten Zeiten zu finden ist. Er hilft nicht nur bei Bewerbungen, sondern setzt sich auch dafür ein, dass seine Schützlinge Praktikums- oder Ausbildungsplätze finden.

Ähnliches leistet Birgit Steiner an der Gemeinschaftsschule in Saarbrücken-Güdingen. Sie hatte sich schnell Respekt verschafft, indem sie einen Platz im Lehrerzimmer für sich reklamierte. Die Betriebswirtin, die während ihres Berufslebens viel im Ausland tätig war, ist es gewohnt, dass man auf sie hört. „Ich musste den einen oder anderen Berufsträumer auf den Boden der Realität holen“, erzählt sie. So sei es zwar möglich, auch mit einem Hauptschul-Abschluss Ärztin zu werden. „Aber der Weg dorthin ist doch sehr lang.“ Dennoch konnte sie der jungen Frau, die diesen innigen Berufswunsch hatte, ein Praktikum in einer Arztpraxis vermitteln. Auch ihren anderen Schützlingen hat sie am Ende Praktika vermittelt und die 68-Jährige will auch dafür sorgen, dass es es bei ihnen mit einem Ausbildungsplatz klappt.

Das hat auch Gert Heil (66) vor, der Ansprechpartner an der Gemeinschaftsschule Bruchwiese in Saarbrücken ist. Der frühere Verkehrsreferent im Saar-Wirtschaftsministerium will seine Kontakte, die er zu den Bus- und Bahnbetrieben, aber auch zu den Speditionen im Land immer noch hat, nutzen, um ebenfalls Praktikums- und Ausbildungsstellen zu vermitteln. „Gute Fahrer werden derzeit überall händeringend gesucht“, erinnert er.

Fast alle Schulen, an denen die Senior-Experten tätig sind, haben einen hohen Ausländer-Anteil. „Die meisten von ihnen sind sehr ehrgeizig und wollen ihren Platz in unserer Gesellschaft finden“, sagen die SES-Leute. Doch der Betreuungsbedarf sei höher, da die Defizite – vor allem bei der Sprache – größer seien.

Das SES-Schulprogramm ist im Saarland zunächst für zwei Jahre gesichert. Einen großen Anteil daran hat die Globus-Stiftung. „Ohne deren Geld wäre das alles nicht möglich“, sagt Garlichs.