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Banken-Fusion
Zusammenschluss der Geld-Riesen?

Die Commerzbank hinter dem Deutsche-Bank-Logo. Seit Wochen wird über eine Fusion beider Häuser spekuliert.
Die Commerzbank hinter dem Deutsche-Bank-Logo. Seit Wochen wird über eine Fusion beider Häuser spekuliert. FOTO: dpa / Arne Dedert
Frankfurt. Vieles spricht für eine Fusion von Deutscher und Commerzbank – vieles dagegen. dpa

(dpa) Deutschlands Traum von einer erfolgreichen Großbank dauert an. Regelmäßig beflügeln Fusionsfantasien die Aktienkurse von Deutscher Bank und Commerzbank. Doch dass ein solcher Zusammenschluss ein Erfolgsmodell wäre, ist keineswegs ausgemacht – auch wenn mancher Politiker eine Hochzeit der beiden verbliebenen großen deutschen Privatbanken charmant fände.


Neue Nahrung könnte die Idee einer Bündelung der Kräfte durch die jüngsten Rückschläge für Deutsche Bank und Commerzbank an der Börse bekommen: Heute fliegt die Deutsche Bank aus dem europäischen Leitindex Euro-Stoxx 50, die Commerzbank wiederum muss ihren Platz im deutschen Leitindex Dax räumen. 

Was aber spricht für einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank? Vor allem Kosteneffekte würden sich für beide Institute positiv auswirken. Das Analysehaus RBC beziffert mögliche Einsparungen auf 2,1 Milliarden Euro. Zwar haben beide Konzerne in den vergangenen Jahren kräftig Personal abgebaut. Aber eine Fusion würde noch viel Sparpotenzial bei Filialen und Zentralen eröffnen. Auch das Megathema Digitalisierung, bei dem es nach Aussagen des früheren Deutsche-Bank-Chefs John Cryan immer wieder hakte, könnten die Institute mit vereinten Kräften vorantreiben.



Nicht nur in Deutschland hätten die Ins­titute mit mehr als 30 Millionen Privatkunden mehr Schlagkraft, auch international könnten Deutsche Bank und Commerzbank Boden gutmachen. Und gemeinsam hätten sie auch die Chance, auf dem Bankenmarkt wieder zu einem Global Player zu werden.

Doch es gibt auch Argumente gegen ein Miteinander der beiden Ins­titute. Zuvorderst die Frage der Regulierung. Angesichts der schieren Größe dürfte Aufsehern der Schweiß auf die Stirn treten. De facto bestünde der deutsche Bankensektor dann im Kern aus drei riesigen Organisationen, die allesamt „too big to fail“ wären: Sparkassen/Landesbanken, Genossenschaftsbanken sowie Deutsche Bank/Commerzbank. Auch sind beide Institute zehn Jahre nach der Finanzkrise noch immer vor allem mit sich selbst beschäftigt. Beiden fehlt eine brauchbare Zukunftsstrategie.

Eine Fusion in dieser Größenordnung wäre außerdem ein gewaltiger Kraftakt, der die Unruhe in den Instituten noch weiter erhöhen würde. Angesichts der vielen Umstrukturierungen müssen sie jetzt schon fürchten, dass Top-Kräfte eine bessere Zukunft suchen. Das ist nicht hilfreich in einer Zeit, in der aufstrebende Finanz-Start-ups sowie Tech-Konzerne wie Apple, Google und Co. den Geldhäusern zunehmend Konkurrenz machen.