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Zustellung
Frust bei der Post vor der großen Paketflut

Noch ist es in den Paketzentren der Post relativ ruhig. Doch in der Vorweihnachtszeit geht es richtig rund.
Noch ist es in den Paketzentren der Post relativ ruhig. Doch in der Vorweihnachtszeit geht es richtig rund. FOTO: Hendrik Schmidt / dpa
Saarbrücken/Neunkirchen. Die Post-Zusteller sind heute wesentlich länger auf den Beinen als früher, sagt die Gewerkschaft Verdi. Am Montag machen sie ihrem Ärger Luft. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Für die Post-Zusteller im Land naht mit der bevorstehenden Weihnachtszeit die heißeste Phase ihres Arbeitsjahres. Vor allem die Anzahl der Pakete, die täglich auszutragen sind, wird spürbar wachsen. Die Arbeitsbelastung der Zusteller „ist in diesen Wochen wesentlich höher als während der anderen elf Monate“, sagt Tanja Lauer. Sie ist  im Bezirk Region Saar Trier als Gewerkschaftssekretärin für die Postboten zuständig.



Am Montag können die Post-Beschäftigten aus dem Saarland und und den Nachbarregionen in einer Betriebsversammlung in der Neunkircher Gebläsehalle ihrem Ärger Luft machen. Einlass ist ab 8 Uhr.

Dann wird vermutlich auch die Arbeitsverdichtung der Paket- und Briefboten eine Rolle spielen. „Ruhige Zeiten gibt es kaum mehr“, sagt Lauer, die selbst einmal den Beruf der Zustellerin gelernt hat. Vor allem in ländlichen Regionen, wo die Post- und Paketverteilung oft in einer Hand liegen, „sind die Anforderungen hoch“. Das Internet bewirke zwar, dass die Zahl der Briefe zurückgehe – bundesweit um zwei bis drei Prozent jährlich. Auf der anderen Seite würden mehr Werbesendungen verschickt als in den Vorjahren. Außerdem habe der wachsende Online-Handel zur Folge, dass die Zahl der Päckchen und Pakete spürbar zunehme. Seit 2008 hat sich das Volumen der verschickten Pakete mehr als verdoppelt – von täglich zwei Millionen auf heute 4,3 Millionen. In der Vorweihnachtszeit steigt ihre Zahl auf acht Millionen pro Tag.

Die Briefzusteller sind während ihrer Arbeitszeit zudem „spürbar länger mit der reinen Zustellung beschäftigt als dies früher der Fall war“, beobachtet Lauer. Dies sei eine Folge der vollautomatischen Vorsortierung der Briefe zu Zustellbündeln. Diese Bündelung hätten die Briefboten früher selbst erledigt und dabei auch Irrläufer aussortieren können. Da die Briefbündel jetzt fertig angeliefert werden, „ist der anstrengendere Teil der Arbeit – nämlich die Zustellung – bei gleicher Arbeitszeit wesentlich mehr geworden“.

Zudem beklagt Lauer, dass auch bei der Post die Tendenz bestehe, die Verteilung der Pakete auf Subunternehmer zu übertragen. So beschäftigt die Post selbst nach Angaben der „Wirtschaftswoche“ inzwischen rund 9000 Mitarbeiter in in ihrer Tochtergesellschaft DHL Delivery. Diese würden nicht nach dem Haustarif der Post bezahlt, sondern nach dem Flächentarifvertrag für das Speditions- und Logistikgewerbe, so Lauer. Dies bedeute den Verzicht auf Weihnachtsgeld und eine Wochenarbeitszeit von 40 statt 38,5 Stunden.



Hierbei tröste wenig, dass andere Dienste wie DPD ihre Pakete ausschließlich über Subunternehmer verteilen, was DPD auf Anfrage auch bestätigte. Sie werden dort Systempartner genannt. Diese rund 1000 selbstständigen Transportunternehmen würden rund 10 000 Mitarbeiter beschäftigen, so ein DPD-Sprecher auf Anfrage.

Ein Dorn im Auge ist der Gewerkschaftssekretärin auch, dass die Post ihre Ausbildung für den Beruf des Zustellers spürbar zurückfahre und stattdessen auf zertifizierte Zusteller setze. Diese Schmalspur-Ausbildung würde neben der Arbeit erledigt und ende mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Mitarbeiter wurden damit geködert, dass sie sofort eine unbefristete Anstellung erhalten würden, wohingegen die Post bei anderen Stellenbesetzungen häufig mit Befristungen arbeite.

Verdi-Gewerkschaftssekretärin Tanja Lauer.
Verdi-Gewerkschaftssekretärin Tanja Lauer. FOTO: Lothar Warscheid