| 20:19 Uhr

Start-up aus dem Saarland
Fotos und Filme in der dritten Dimension

Matthias Schmitz (2.v.l.) mit einem 3D-Druck der K-Lens. Mit diesem Spezialobjektiv können Bilder dreidimensional aufgenommen werden. Zum Team gehören noch Klaus Illgner, Pascal Bies und Tobias Ellinghaus (v.l.).
Matthias Schmitz (2.v.l.) mit einem 3D-Druck der K-Lens. Mit diesem Spezialobjektiv können Bilder dreidimensional aufgenommen werden. Zum Team gehören noch Klaus Illgner, Pascal Bies und Tobias Ellinghaus (v.l.). FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Mit nur einer Linse Fotos und Filme in 3-D aufnehmen. Das will die junge Saarbrücker Firma K-Lens erreichen. Noch wird kräftig geforscht. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Einen 3-D-Film zu drehen, ist eine aufwändige Sache. „Bisher geschieht das üblicherweise mit mehreren Kameras, die genau aufeinander ausgerichtet werden“, sagt Matthias Schmitz, Gründer und Geschäftsführer des Saarbrücker Startups K-Lens. „Wenn dann jemand aus Versehen gegen eine Kamera stößt und sie nur leicht verschiebt, sind die Aufnahmen nicht mehr zu verwenden“, sagt er.


K-Lens, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts in Saarbrücken, will dafür Abhilfe schaffen. Das junge Unternehmen entwickelt eine neuartige Linse, mit der Bilder gleichzeitig aus mehreren Perspektiven aufgenommen werden. Mit diesem Objektiv können dann nicht nur Bilder in 3-D-Technik aufgenommen werden, auch für die Nachbearbeitung der Bilder eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten: „Heute entscheidet sich ein Fotograf vor der Aufnahme, welcher Bereich des Fotos scharf und welcher unscharf sein soll“, sagt Schmitz. Mit der K-Lens-Linse und der dazugehörigen Software lässt sich dieser Bereich auch nachträglich festlegen. Der Grund: Das Objektiv nimmt mit dem Bild auch Informationen über die Position der Objekte im Raum auf. Dadurch können auch Unschärfe-Informationen nachträglich abhängig vom Abstand zum Fotograf exakt eingefügt werden.

K-Lens ist entstanden aus einer Forschungskooperation des Max-Planck-Instituts und der Universität des Saarlandes, das 2013 abgeschlossen und veröffentlicht wurde. „Das war damals reine Grundlagenforschung“, sagt Schmitz. Doch seit 2014 versuchen Landesregierung, Uni und Max-Planck-Gesellschaft im Saarland auch Grundlagenforschung mit Hilfe der IT-Inkubator GmbH vermehrt in Firmengründungen zu überführen. „Damit ist auch die K-Lens-Technik in den Fokus geraten“, sagt Schmitz.



Grundlagenforschung zu einem Produkt zu machen, ist allerdings eine aufwändige Aufgabe. Bei K-Lens stellte sich vor allem die Frage, wie das Produkt aussehen soll. Denn letztlich hatten die Forscher eine Technik entwickelt, mit der über ein Spiegelsystem über ein Objektiv gleichzeitig neun Bilder aus unterschiedlichen Perspektiven entstehen. „Die Frage war beispielsweise, ob wir nun einen Adapter oder ein Komplett-Objektiv entwickeln“, sagt Schmitz. Und obwohl die Technik grundsätzlich in der Lage ist, 3-D-Filme aufzunehmen, konzentriert sich das Startup erst einmal auf die Entwicklung von Objektiven für Profi-Fotografen, die dadurch neue Möglichkeiten in der Bildbearbeitung haben.

Für diese Entscheidung gebe es mehrere Gründe, sagt Schmitz. Der Hauptgrund: Bildsoftware braucht eine hohe Rechenleistung. Da bei K-Lens mehrere Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln zusammengeführt werden, ist die Rechenleistung entsprechend höher. Und bei 3-D-Videosequenzen wäre das System aktuell schlicht zu langsam. „Deshalb konzentrieren wir uns derzeit darauf, das System für stehende Bilder zu perfektionieren und uns später um die Beschleunigung zu kümmern“, sagt Schmitz.

Später, das heißt bis 2020. Denn bis dahin läuft ein Projekt des Bundesforschungsministeriums, bei dem K-Lens die Leitung hat. Dieses Projekt, das mit 2,7 Millionen Euro Fördergeldern ausgestattet ist, gibt dem Unternehmen, das im Oktober 2016 offiziell an den Start gegangen ist, ebenso Planungssicherheit wie ein Kredit der Saarländischen Wagnisfinanzierungsgesellschaft SWG.

Bis 2020 allerdings wollen die Jung-Forscher nicht mit ihrem ersten Produkt warten. Schon im Herbst soll der erste Prototyp fertig sein. Während K-Lens vor allem an der Software arbeitet, entsteht das Objektiv beim Kooperationspartner Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena. „Das Objektiv werden wir dann ausgiebig gemeinsam mit Fotografen testen“,sagt Schmitz. Überhaupt ist ihm wichtig, dass – in Kooperation mit dem K8-Institut für strategische Ästhetik der Hochschule für Bildende Kunst in Saarbrücken – die Technik in enger Zusammenarbeit mit Fotografen entwickelt wird. Mitte kommenden Jahres könnte das Objektiv, das sich preislich im höheren Profi-Segment bewegen wird, dann für die Fotografie weitgehend ausgereift sein. Für die Anwendung im Film sind dann noch weitere Hürden zu nehmen, unter anderem die Bildauflösung. „Da wir den Sensor in neun Bilder teilen, haben wir entsprechend auch eine geringere Auflösung“, sagt der K-Lens-Chef. Hier gelte es nun, durch Zusammenrechnen der Bilder eine noch höhere Auflösung zu ermöglichen.

Aktuell seien 30 Prozent der Sensor-Kapazität möglich, „wir sind aber optimistisch, dass da noch mehr geht“, sagt Schmitz. Das allerdings seien Zukunftsthemen. Und doch: Die patentierte Technik von K-Lens hat das Potenzial, den 3-D-Film einen entscheidenden Schritt weiterzubringen.