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Ford will Produktion des C-Max in Saarlouis schnell einstellen
Ford-Europa-Chef kündigt heftige Einschnitte an

 Was kommt nach der Produktion der neuen Focus-Generation im Werk Saarlouis? Darüber soll bis 2021 eine Entscheidung fallen. Bis 204 ist das Werk derzeit noch gesichert.
Was kommt nach der Produktion der neuen Focus-Generation im Werk Saarlouis? Darüber soll bis 2021 eine Entscheidung fallen. Bis 204 ist das Werk derzeit noch gesichert. FOTO: Foto © Rich Serra - www.rich-se / Rich Serra
Saarlouis. Steven Armstrong will das Unternehmen neu aufstellen und erwartet auch vom Werk Saarlouis Beiträge zur Senkung der Kosten. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

Die Ford-Führung macht Ernst mit der Ankündigung, das Unternehmen durch massive Kostensenkungen möglichst schnell in die Gewinnzone zurückzuführen und fit zu machen für die Zukunft. Ford-Europa-Chef Steven Armstrong kündigte gestern in einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz an, man werde das Unternehmen neu aufstellen. Damit verbunden seien Einschnitte in nahezu allen Bereichen.


Die Neuaufstellung bedeutet gleichzeitig einen umfangreichen Abbau von Arbeitsplätzen, voraussichtlich in einer Größenordnung von mehreren tausend Beschäftigten. Nähere Einzelheiten wollte Armstrong gestern noch nicht nennen. Er erwarte jedoch Beiträge zum Zukunftskonzept aus allen Standorten.

Zudem solle diese Kostensenkung „so weit wie möglich durch freiwillige Auflösung von Arbeitsverhältnissen erreicht werden“, so Armstrong. Hierzu wolle man eng mit den Sozialpartnern zusammenarbeiten. Betroffen seien alle Bereiche: gewerblich wie kaufmännisch.



Auch an das Werk Saarlouis hat Armstrong konkrete Ansprüche formuliert. So wolle man möglichst schnell die Produktion des Fahrzeugtyps C-Max und Grand C-Max beenden. Dieses Auto habe in der jüngsten Vergangenheit immer weniger Kunden gefunden. Nach Angaben von Ford-Deutschland-Chef Gunnar Herrmann in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung vom 22. Dezember 2018 wurden zuletzt nur noch 53 000 Autos dieses Typs zugelassen. Für das laufende Jahr lag die bisherige Prognose bei nur noch 30 000. Schon Herrmann warnte: „Wir müssen jetzt reagieren, sonst gefährden wir den Fortbestand des Werkes Saarlouis.“ Zudem soll eine komplette Schicht gestrichen werden. Alleine das kostet voraussichtlich 1600 der insgesamt 6300 Arbeitsplätze. Die Streichung des C-Max betrifft nach Angaben des „Handelsblatt“ rund 700 Mitarbeiter.

Steven Armstrong will die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern an den Ford-Standorten nach eigenen Worten „so schnell wie möglich“ zu einem Erfolg führen. Sein Ziel bestehe darin, ein „wettbewerbsfähiges Geschäftsmodell für die Zukunft zu etablieren“. Alle Maßnahmen dienten dazu, das Europa-Geschäft neu aufzustellen. Man werde weniger profitable Modellreihen entweder optimieren oder diese aufgeben. Jeder Absatzmarkt werde daraufhin geprüft. Im Gegenzug sollen profitable und gefragte Autos weiterentwickelt und verstärkt verkauft werden. Dabei spielt nach den Worten von Armstrong auch die Elektromobilität eine große Rolle. Ford wolle zu einem der größten Anbieter in diesem Wachstumsmarkt werden. „Beginnend mit dem neuen Ford Focus wird künftig jede Ford-Modellreihe eine elektrifizierte Antriebsoption erhalten“, kündigte Armstrong an. Dies betreffe komplett neue Modelle sowie neue Varianten bestehender Modelle. „Vom Fiesta bis zum Transit wird Ford dann jede Modellreihe entweder mit einem Mild-Hybrid, Voll-Hybrid, Plug-In-Hybrid oder einer batterie-elektrischen Option anbieten. Damit stellt Ford eines der umfassendsten Elektrofahrzeug-Portfolios für Kunden in Europa bereit“, so Armstrong.

Die Neustrukturierung schließt auch die Aufgabe kompletter Werke nicht mehr aus. Jetzt schon gibt es den Beschluss, die Produktion im Werk Aquitaine Industries in Bordeaux im August 2019 einzustellen. Dort wurden kleine Automatikgetriebe gefertigt. Auch die Organisationsstruktur des Unternehmens soll den neuen Marktverhältnissen angepasst werden. Führungsebenen werden gestrafft.

Der Brexit mache Ford gewaltig zu schaffen. Speziell auch der Standort Saarlouis ist hiervon massiv betroffen. Großbritannien ist der wichtigste Auslandsmarkt für den Absatz von Fahrzeugen aus dem saarländischen Werk.