| 19:39 Uhr

Wirtschaft
Folienhersteller Treofan ist jetzt italienisch

Die Plastikfolien aus Polypropylen werden – wie hier in Neunkirchen – in langen Bahnen gewalzt und dann aufgerollt. Fotos: Treofan
Die Plastikfolien aus Polypropylen werden – wie hier in Neunkirchen – in langen Bahnen gewalzt und dann aufgerollt. Fotos: Treofan
Frankfurt/Neunkirchen. Der Mailänder Fonds M&C hält seit kurzem knapp 99 Prozent. Im Neunkircher Werk sind rund 500 Mitarbeiter beschäftigt. Lothar Warscheid

Beim Kunstofffolien-Spezialist Treofan haben sich die Eigentums-Verhältnisse geklärt. Der italienische Fonds Management & Capitali (M&C, Mailand), der vorher schon mit 43 Prozent an Treofan beteiligt war, hat Anfang des Jahres die Anteile der beiden anderen Fonds gekauft, so dass M&C jetzt 98,75 Prozent besitzt. Zuvor waren noch der Fonds EBF und die US-Bank Goldman Sachs mit jeweils knapp 23 Prozent mit dabei. Die Drei hatten vereinbart, ihre Anteile bis Ende 2016 zu verkaufen. "Doch die Angebote, die wir erhielten, waren viel zu niedrig", sagte gestern M&C-Vorstandschef Emanuele Bosio bei der Treofan-Bilanzpressekonferenz. M&C nutzte den niedrigen Preis und trat statt als Verkäufer als Käufer auf.


Fonds-Manager Bosio ist davon überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. "In Treofan steckt ein riesiges Potenzial", meint er. "Unser Ziel ist, bei Rentabilität und Innovation die Nummer eins weltweit zu werden." Daher sei M&C auch bereit, weiter in Treofan zu investieren. Das aktuell geplante Investitionspaket der Gruppe, die ihren Firmensitz in Raunheim (nahe Frankfurt) und ihr Hauptwerk in Neunkirchen hat, "umfasst 50 Millionen Euro", erläuterte Treofan-Vorstandschef Walter Bickel. Das Geld fließt unter anderem in eine neue Produktionslinie im Werk in Mexiko und in eine Maschine für Spezialfolien mit unterschiedlichen Beschichtungen, die in einem der beiden italienischen Werke, in Battipaglia, aufgestellt wird. In Neunkirchen wurde die Fertigung erst 2015 modernisiert.

Treofan produziert Kunststoff-Folien für alle möglichen Anwendungen. Zum Produktprogramm gehören neben hauchdünnen Klarsicht-Hüllen für Zigarettenschachteln auch Verpackungen für Schokoladen-Tafeln, Müsli-Riegel, Kekse oder Chips - außerdem bedruckte Folien, die um feste Behälter - wie beispielsweise Margarine-Becher - geklebt werden können. "Zu unseren Kunden gehören alle namhaften Unternehmen der Lebensmittel-Industrie", sagt Technik-Chef Guido Bisch. "Zusammen mit ihnen entwickeln wir die Verpackungen der Zukunft."



Treofan-Folien werden auch in der Elektrotechnik verwendet - unter anderem für Kondensatoren und Lithium-Ionen-Batterien. Bei letzteren scheint der Durchbruch gelungen zu sein. Von einem chinesischen Batterie-Hersteller erhielt Treofan kürzlich einen Großauftrag. "Sollte sich die Elektromobilität durchsetzen, wäre das ein riesiger Markt für uns", sagt Bickel.

Doch die Folien-Forschung geht weiter. "Wir haben unsere Entwicklungs-Kapazitäten in einer neuen Innovationseinheit, dem Tech Powerhouse, gebündelt", erläutert Yvonne Dupre, die für die den Bereich Forschung und Entwicklung zuständig ist. "Dieses Netzwerk besteht aus 40 Spezialisten, die weltweit zusammenarbeiten." Die neueste Entwicklung ist eine Verbundfolie, die aus Kunststoff und Papier besteht. Erster Kunde für diese neue Verpackungsart ist die Schweizer Firma Trinity Haircare, die Haarpflege-Produkte für Friseursalons herstellt. "Wir setzten auf solche Spezialfolien, die der Wettbewerb nicht so leicht nachmachen kann", so Bickel. "Außerdem wollen wir zu einem globalen Anbieter werden." Weiße Flächen auf dem Erdball - wie zum Beispiel Asien - würden verschwinden.

Treofan hat 2016 wie im Vorjahr einen Umsatz von 450 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Folien-Fertigung lag bei 157 000 Tonnen (Vorjahr 155 000 Tonnen). Das operative Ergebnis (Ebitda) erreichte 38 Millionen Euro (Vorjahr 32 Millionen Euro). Derzeit läuft ein weiteres Effizienz-Programm, mit dem bis 2020 weltweit Einsparungen von 22 Millionen Euro erzielt werden sollen. Personal soll jedoch nicht abgebaut werden. Die Gruppe beschäftigt mehr als 1100 Mitarbeiter, davon 500 in Neunkirchen.