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Landwirtschaft
Fleisch von Schweinen mit und ohne Ringelschwanz?

Die Flut von Kennzeichnungen und Labels für landwirtschaftliche Produkte wie Milch oder Fleisch ärgert die Saar-Bauern.
Die Flut von Kennzeichnungen und Labels für landwirtschaftliche Produkte wie Milch oder Fleisch ärgert die Saar-Bauern. FOTO: dpa / Marijan Murat
Dirmingen. Der Saar-Bauernverbandspräsident Peter Hoffmann kritisiert die Flut der Kennzeichnungen und Labels für landwirtschaftliche Produkte scharf.

Die Bauern im Saarland laufen Sturm dagegen, dass unter dem Druck des Einzelhandels auch für landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Milch und Fleisch besondere Kennzeichnungen und Labels eingeführt werden sollen. „Wir kennzeichnen bereits die Hühnereier vom Bio-Ei bis zur Käfighaltung und kennzeichnen künftig die Schweine vom Platzangebot eins bis vier. Wenn das so weitergeht, werden wir in naher Zukunft auch die Rinderhaltung kennzeichnen mit Weidegang, ohne Weidegang, Anbindung, Boxenlaufstall, mit und ohne Hörner“, kritisierte Bauernverbandspräsident Peter Hoffmann auf der Mitgliederversammlung im Eppelborner Ortsteil Dirmingen: „Das verwirrt nur den Verbraucher und ebenso die Produzenten.“ Man frage sich, ob es tatsächlich einen Unterschied mache, ob die Milch im Boxenlaufstall gemolken wurde oder von einer im Stall angebundenen Kuh, und ob es einen Qualitätsunterschied gebe, wenn Schweine mit oder ohne Ringelschwanz gemästet würden.


„Die Qualität der Eier ist auch nicht abhängig von der Haltungsform, sondern von der Fütterung und Hygiene im Stall“, sagte Hoffmann. „Getrieben wird die Landwirtschaft, sowohl der Berufsstand als auch die Politik, derzeit vom Einzelhandel. Und Lidl spielt im Moment den Vorreiter in Bezug auf diese Kennzeichnung“, kritisierte er. Neben aktuellen Themen wie der anrückenden afrikanischen Schweinepest, Markt und Preisen sorgen sich die 1200 Saar-Landwirtschaftsbetriebe mit ihren rund 3000 Beschäftigten und knapp 65 Millionen Euro Jahresumsatz derzeit am meisten um das Wetter und die zu schleppende Auszahlung von EU-Geldern. „Über sechs Millionen Euro fehlen zur Zeit der saarländischen Landwirtschaft an EU-Mitteln, die eigentlich zur Verfügung stehen, jedoch von Seiten des Landes und hier der Zahlstelle nicht rechtzeitig ausgezahlt werden“, sagte der Verbandspräsident weiter. Schon vergangenes Jahr habe es Verzögerungen von vier Monaten bei den Auszahlungen der Gelder gegeben, hieß es dazu aus Reihen des Bauernverbandes.

Nach einem warmen, teils viel zu nassen Winterauftakt mit später teils klirrender Kälte, die den Bauern Wasserleitungen platzen und Gülleschieber festfrieren ließ, ist zudem die Vegetation derzeit drei Wochen im Rückstand, beklagt der Verband. Hafer, Bohnen, Erbsen, Sommergerste und Sommerweizen können erst jetzt ausgesät werden. „Und je später man aussät, desto schwächer ist später die Ernte“, betonte Bauernverbands-Hauptgeschäftsführer Hans Lauer. Nach seinen Angaben konnten Betriebszahlen und Umsätze im vergangenen Jahr weitgehend stabil gehalten werden, doch sei das Höfesterben auch im Saarland wohl noch lange nicht beendet. Von den 1200 landwirtschaftlichen Betrieben im Land sind nur noch 400 Haupt-
erwerbsbetriebe, darunter die 150 Milcherzeuger, die fast die Hälfte des Umsatzes der Saar-Bauern erwirtschaften.



Peter Hoffmann, Präsident des Bauernverbandes Saar.
Peter Hoffmann, Präsident des Bauernverbandes Saar. FOTO: Robby Lorenz