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Sauberkeit im Haushalt
Die Rückkehr einer Reinigungslegende

Bexbach.. Die Firma Ha-Ra,  bekannt durch  ihre Mikrofaser-Reinigungstücher, ist zurück. An einem neuen Standort und mit einem neuen Chef. Von Patric Cordier

„Wir haben nicht mehr die Umsätze wie in den 90er-Jahren aber wir sind noch immer ein Multi-Millionen-Euro-Unternehmen“, sagt Markus Hölle, seit Januar diesen Jahres Geschäftsführer der Firma Ha-Ra, die vor einigen Wochen den Stammsitz des Unternehmens in Quierschied/Camphausen verlassen und in Bexbach neue Verwaltungs- und Fabrikationsräumlichkeiten bezogen hat.



Lichtdurchflutet ist Hölles Büro, groß, der Schreibtisch klar strukturiert und aufgeräumt. Parallelen zur Firmenstrategie drängen sich auf. „Wir haben ein klare Wachstums- und Zukunftsstrategie“, betont der 46-jährige Diplom-Betriebswirt, „wir waren einmal Marktführer und dort wollen wir auch wieder hin.“ Dabei hat man die neueren Geschäftsfelder wie im Bereich der Pflegeprodukte oder der Nahrungsergänzungsmittel ebenso im Blick wie das ursprüngliche Butter-und-Brot-Geschäft mit den Reinigungstüchern aus Mikrofasern mitsamt den Zusatzprodukten wie zum Beispiel die Tuchhalter-Schienen, die beispielsweise das Fensterputzen erleichtern. „Wir sind groß geworden mit der Haushaltspflege. HaRa-Original ist unsere Kernkompetenz, die wir weiter stärken wollen“, sagt Hölle, „aber wir entwickeln auch neue Produkte“. Was da demnächst kommen soll, will er nicht verraten. „Es geht mit dem klassischen Mikrofasertuch los und endet nicht bei kompletten Bodenpflegesystemen.“ Selbst gefertigt werden in erster Linie aber nur die Tücher. Alles andere wird zugekauft.

Beim Verkauf der Produkte setzt Hölle auf die Beratung bei den Vertriebspartnern zu Hause – also bei so genannte Hausfrauenparties.  Dort könnten die Produkte sofort ausprobiert werden. Rund 2500 Leute – hauptsächlich Frauen – würden derzeit die Ha-Ra-Produkte im Nebenerwerb bundesweit vertreiben. Der Verkauf soll aber nicht auf das traute Heim beschränkt bleiben. Es könnten auch Stände bei Verbrauchermessen gebucht werden. Menschen, die sich für den Vertrieb des Ha-Ra-Sortiments interessieren, würden entweder in Bexbach geschult oder in anderen regionalen Schulungszentren, die über das gesamte Bundesgebiet verteilt sind.

Der Wechsel des Standortes kam für viele Überraschend, zumal Gebäude und Grundstücke in Camphausen der Familie des 2012 verstorbenen Unternehmensgründers Hans Raab gehören. „Die Bedingungen am Stammsitz waren nicht mehr optimal. Wir hätten massive Umbaumaßnahmen einleiten müssen“, erklärt der Geschäftsführer, darum habe man sich bereits vor zwei Jahren nach einem neuen Standort umgesehen. „Klar war, dass wir im Umkreis bleiben wollen, weil wir Team und Mitarbeiter mitnehmen wollten“, so Hölle, „wir haben auch mit der Gemeinde Quierschied Kontakt gehabt, dort aber kein passendes Objekt gefunden. Wir wollten mieten und nicht kaufen oder bauen.“

In Bexbach unweit des Kraftwerkes wurde man fündig. Ein Verwaltungs- und ein Schulungsgebäude befinden sich in unmittelbarer Nähe zur Produktions- und Logistikhalle. Fast 8000 Quadratmeter umfassen die Unternehmensräume, rund 50 Arbeitsplätze wurden erhalten - neue sind in Planung. „Wir wollen wieder einstellen“,  sagt Hölle mit Blick auf die Vergangenheit nicht ohne Stolz, „wir sind ein kerngesundes Unternehmen mit 100 Prozent Eigenkapitalquote und einer Umsatzsteigerung von  zehn Prozent im letzten Jahr.“ Wie hoch der Umsatz ist, will er jedoch nicht sagen. Das Unternehmen gehört heute zu 100 Prozent der Hans Raab Umweltstiftung.



Im Schulungsgebäude entsteht ein kleines Ha-Ra-Museum. Urkunden von Hans Raabs Putz-Weltrekorden finden sich dort ebenso, wie die erste Werkbank oder die erste Nähmaschine der Firma. Auch Erinnerungsstücke an das Sportsponsoring im Handball (TV Niederwürzbach), Fußball (1. FC Saarbrücken) oder Ringen (KSV Köllerbach) werden dort zu sehen sein. Und auch hier schließt Hölle eine Rückkehr in die erste Sponsoren-Reihe nicht aus.