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8000 Kabel-Typen auf Lager
Faber rollt Europas Kabel-Markt auf

Joachim Cza­banski, Vorstandsvorsitzender von Faber.
Joachim Cza­banski, Vorstandsvorsitzender von Faber. FOTO: Lothar Warscheid
Saarbrücken. Der Saarbrücker Kabel-Händler Faber baut am Saarbrücker Eurobahnhof eine neue Firmenzentrale. Denn das Unternehmen will kräftig wachsen. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Joachim Czabanski ist der Chef von Faber. Früher hieß diese Saarbrücker Firma Faber Kabel. Doch Czabanski, der seit einem Jahr Vorstandschef ist, hat das Wort „Kabel“ aus dem Namen streichen lassen. Das birgt Verwechslungsgefahr. Faber allein kann auch mit einer kräftig für sich werbenden Lotto-Tippgemeinschaft oder einem Schweizer Sänger – bekannt für notgeile Texte und grenzwertige Lieder – verwechselt werden.


„Bisher hat uns darauf noch niemand angesprochen“, sagt der Faber-Vormann. Der agile Norddeutsche, der aus der Nähe von Bremen stammt, gibt bei Faber richtig Gas. „Wir sind gerade dabei, einen schlafenden Riesen zu wecken.“ Für eine Firma, deren Zweck es ist, Kabel zu kaufen und zu verkaufen, klingt das leicht großspurig. Aber: „Wir sind der größte Kabelhändler Europas – mit Abstand“, legt er nach. „Wir haben 75 000 Kilometer Kabel auf Lager. Damit kommt man beinahe zweimal um die Erde.“ Der Kabel-Absatz liegt bei 400 bis 600 Tonnen pro Tag. Wenn Erdkabel verkauft werden, „schneiden wir sie und rollen sie so zusammen, wie es der Kunde wünscht“. 1300 solcher Zuschnitte sind das Tagespensum.

Doch Faber kann nicht nur Erdkabel. „Wir  haben mehr als 8000 Kabeltypen auf Lager“, erläutert Czabanski – „von dicken Strängen, die auf dem Grund der Ozeane verlegt werden, bis hin zum Breitband-Kabel für superschnelle Daten-Autobahnen.“ Sind Spezial-Lösungen gefragt, „setzen wir uns mit den Kabel-Herstellern zusammen und entwickeln die gewünschte Variante.“



Die Firmenzentrale hat seit der Unternehmensgründung von Faber in Saarbrücken ihren Sitz. Doch die zwei großen Läger sind weit weg. Das eine befindet sich in Fichtenau (nahe Crailsheim) und das andere in Hedemünden (bei Kassel). Für rund 120 Millionen Euro liegen an diesen beiden Standorten Kabel auf Lager.

Noch befindet sich die Firmenzentrale von Faber an der stark befahrenen Lebacher Straße in der Landeshauptstadt – bescheiden, beengt und auch ein wenig verwohnt. Doch der Baubeginn für die künftige Firmenzentrale naht. Für einen zweistelligen Millionenbetrag zieht Faber ein neues Verwaltungsgebäude am Saarbrücker Eurobahnhof hoch. „Das wird ein Hingucker und ein echter Designkracher“, schwärmt der Chef. Er braucht Platz. Denn Faber soll wachsen, die Zahl der Mitarbeiter soll von derzeit 230 um weitere 60 steigen. Der Umsatz im ersten Jahr, in dem Czabanski das Ruder übernommen hat, wuchs von 250 auf 310 Millionen Euro.

Der neue Chef hat dem Unternehmen klare Strukturen verpasst und den Vertrieb in Geschäftseinheiten – neudeutsch Business Units – aufgeteilt. So sind die einen für den klassischen Großhandel zuständig, wieder andere kümmern sich um das Exportgeschäft. „Immer wichtiger werden allerdings große Projekte“, sagt. Czabanski. So will Faber dabei sein, wenn in luftige Höhe ragende Baustellen-Kräne verkabelt werden. Das gleiche gilt für Kreuzfahrt- oder Container-Schiffe, aber auch für Bürohäuser. Ein dicker Projekt-Auftrag war die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Die gesamte Veranstaltungstechnik der WM „wird mit unseren Kabeln sichergestellt“, erzählt der Vorstandschef.

In Zukunft will er auch andere Produkte anbieten als Kabel – allerdings im gleichen Umfeld rund um das Thema Elektrizität. So möchte er einen Stromspeicher ins Programm nehmen, für den sich Leute interessieren könnten, die eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach haben und den dort erzeugten Strom selbst verbrauchen wollen. Dieser muss bei Überschuss gespeichert werden, doch die marktgängigen Speicher sind noch etwas schwach auf der Brust. Ihm schwebt ein Ladegerät vor, das die zehnfache Strommenge als die heute übliche aufnehmen kann. Außerdem will er einen preisgünstigen Elektro-Roller ins Programm nehmen. Czabanski gerät dabei ins Schwärmen: „Mit dem Faber-Roller durch Saarbrücken – das wär’s doch.“