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Kryptowährungen
EU stellt Bitcoins unter Beobachtung

Virtuelle Währungen wie Bitcoins sind hochspekulativ. Daher will die EU-Kommission sie auch stärker kontrollieren.
Virtuelle Währungen wie Bitcoins sind hochspekulativ. Daher will die EU-Kommission sie auch stärker kontrollieren. FOTO: Alexandra Wey / dpa
Brüssel. Die EU arbeitet Regeln für das virtuelle Geld Bitcoin aus. Sie weiß aber auch, dass sie Kryptowährungen nicht mehr aufhalten kann.

Als das virtuelle Geld Bitcoin im Dezember zu einem ungeahnten Höhenflug ansetzte und anschließend abstürzte, gab es Gewinner und Verlierer. Die Brüsseler EU-Kommission hat nun genug von der Spekulation mit Kryptowährungen und kündigte für Anfang 2019 Vorschläge zur Überwachung an – zu unsicher im Wert, zu wenig transparent, zu viel Spekulation – EU-Vizekommissionspräsident Valdis Dombrowskis ließ gestern kein gutes Haar an Kryptowährungen wie Bitcoin und Co. „Investoren laufen in jedem Moment Gefahr, ihr Geld zu verlieren“, sagte er nach einem Treffen mit Vertretern von Banken und nationalen Aufsichtsbehörden für den Finanzmarkt.


Bisher beobachtet Brüssel die Vorgänge. Im März soll es eine erste Bilanz geben, Anfang nächsten Jahres dann eine Risikoanalyse und erst anschließend möglicherweise Vorschläge zur Regulierung. Tatsächlich ist der Druck groß. Die Finanzminister von Deutschland und Frankreich, Peter Altmaier (CDU) und Bruno Le Maire, hatten bereits in einem gemeinsamen Brief nach einer schnellen Reaktion der Gemeinschaft gerufen. Österreichs Kassenwart Hartwig Löger forderte vor wenigen Tagen, die virtuellen Währungen „ebenso wie den Handel mit Gold und Derivaten“ strikter zu überwachen – dazu würden dann Meldungen an die nationalen Sicherheitsbehörden gehören, die dem Verdacht von Geldwäsche nachgehen.

In diese Richtung denkt auch die Kommission, bestätigte Dombrowskis gestern. Zu groß sei die Sorge, dass Kriminelle die diversen Währungen nutzen könnten, um Terroristen zu finanzieren oder schmutziges Geld sauber zu waschen. „Die Kommission muss dringend einen entsprechenden Gesetzgebungsvorschlag auf den Weg bringen“, forderte auch der stellvertretende Vorsitzende des Wirtschaft- und Währungsausschusses im EU-Parlament, Markus Ferber (CSU). „Damit Privatanleger nicht Marktmanipulation oder Betrügern zum Opfer fallen, müssen virtuelle Währungen so reguliert werden wie andere Investmentprodukte auch.“  Tatsächlich weiß auch die EU-Kommission, dass in weiten Teilen der Unternehmen nicht die Bitcoin-Euphorie die eigentliche Herausforderung darstellt, sondern die Ausweitung der Technologie auf immer mehr Bereiche der bisherigen Wirtschaft. Das Stichwort heißt Blockchain. Dabei werden zwischen Anbieter und Nutzer Geschäfte direkt abgewickelt. Denn das Verschlüsselungsverfahren macht möglich, Daten fälschungssicher zu speichern, was die bisherigen Zwischenhändler wie Banken, Reiseveranstalter und so weiter völlig aus dem Geschehen nimmt.

Schon jetzt werden 30 Prozent der früheren Finanzgeschäfte so abgewickelt, 13 Prozent der Verwaltungstätigkeiten und zwölf Prozent der Versicherungen. Bei Gesundheit, Medien und Spielen sind es je acht Prozent, Industrieproduktion und Energiesektor folgen mit je drei Prozent – und bergen damit das größte Wachstumspotenzial.

Die Kommission reagierte Anfang 2018 mit der Errichtung einer Beobachtungsstelle. Man wolle erst einmal „Risiken und Potenzial“ ausloten, heiße es vor einigen Wochen. Doch dabei dürfte es kaum bleiben. Zumindest der Bereich der Kryptowährungen bekommt demnächst ein straffes Kontrollgerüst verpasst, sind sich Experten sicher. Schließlich hatte die EU ja nach der Finanzkrise versprochen, dass es jedes Finanzprodukt, jeder Finanzplatz und jedes Finanzgeschäft kontrolliert werde.