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Kauf von Monsanto
EU erlaubt Bayers Riesen-Übernahme

Das Bayer Stammwerk in Leverkusen. Von der Stadt am Rhein aus soll künftig auch das bisherige US-Unternehmen Monsanto gesteuert werden.
Das Bayer Stammwerk in Leverkusen. Von der Stadt am Rhein aus soll künftig auch das bisherige US-Unternehmen Monsanto gesteuert werden. FOTO: Oliver Berg / dpa
Brüssel. Brüssel macht dem Leverkusener Konzern für die Übernahme des US-Unternehmens Monsanto umfangreiche Auflagen. Von Detlef Drewes

Nach der Erlaubnis der EU-Kommission feierte Bayer-Chef  Werner Baumann die Entscheidung als „großen Erfolg und Meilenstein“. Doch die Übernahme des US-Konzerns Monsanto kommt dem Leverkusener Pharma- und Agro-Riesen teuer zu stehen. Er muss wichtige Sparten für rund sechs Milliarden Euro verkaufen.


Leicht hat sich die Brüsseler EU-Kommission ihre Entscheidung offensichtlich nicht gemacht. „Es wurden 2000 unterschiedliche Produktmärkte und über 2,7 Millionen interne Dokumente unter die Lupe genommen“, sagte gestern Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Minutenlang zitierte und beschrieb sie all jene Märkte, auf denen Bayer und Monsanto den Wettbewerb regelrecht zum Erliegen gebracht hätten: bei Saatgut wie Raps und Baumwolle, bei gentechnisch veränderten Produkten im Pflanzenschutz und bei der digitalen Landwirtschaft, die es den Bauern erlaubt, mit Hilfe von Satellitenbildern den optimalen Zeitpunkt für die Aussaat herauszufinden.

Bei Bayer erkannte man offensichtlich schnell, dass der Antrag auf Übernahme in der ursprünglichen Form keine Chance haben würde und besserte nach. Herausgekommen ist eine Marktbereinigung, die auch den Konkurrenten BASF einbezieht und den Chemieriesen in Leverkusen satte sechs Milliarden Euro kosten wird. So verpflichtete sich Bayer, fast sein gesamtes weltweites Geschäft für Saatgut und sogenannte agronomische Merkmale an BASF zu verkaufen – inklusive Forschung und Entwicklung. Außerdem bekommt der Ludwigshafener Konkurrent das Geschäft mit dem Pflanzenschutzmittel Glufosinat sowie drei weitere Breitband-Unkraut-Vernichtungsmittel. Darüber hinaus bot Bayer an, den Bereich Gemüse-Saatgut zu veräußern. „Mit diesen Angeboten konnten die wettbewerbsrechtlichen Bedenken ausgeräumt werden“, sagte Vestager. Im Übrigen werde sich die „Zahl der weltweit tätigen Unternehmen, die auf diesen Märkten miteinander in Konkurrenz stehen, nicht verringern“. Schließlich könne nur der Wettbewerb dafür sorgen, dass „die Landwirte zu erschwinglichen Preisen verschiedene Saatgutsorten und Pflanzenschutzmittel kaufen können“. Trotz der Zugeständnisse entstehe durch den Zusammenschluss der beiden Konzerne der weltweit größte Saatgut- und Pflanzenschutzkonzern der Welt – unter dem Dach von Bayer. Rund 51 Milliarden Euro investiert der deutsche Konzern in den Kauf von Monsanto.

Die Kritiker der Übernahme sehen keinen Grund zur Entwarnung. „Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden“, erklärte die Grünen-Europa-Abgeordnete Maria Heubuch. „Bald erhalten wir Gift und Medizin aus einer Hand.“ Sie bezog sich darauf, dass Monsanto der weltweit wichtigste Hersteller von Glyphosat ist, ein Präparat zur Vernichtung von Unkraut auf den Äckern, das im Verdacht steht, Krebserkrankungen auszulösen. Die EU hat erst nach monatelangen Verhandlungen Ende 2017  die Zulassung um fünf Jahre verlängert.

Noch ist allerdings unklar, ob der milliardenschwere Deal wirklich zustande kommt. Denn der Freibrief der EU ist nur ein Schritt. Nun müssen die Wettbewerbshüter in den USA noch zustimmen. In Washington gab es bisher nur behutsame Andeutungen, die für Bayer noch teurer werden könnten. Denn in den USA geht man davon aus, dass die bisherigen Zusagen aus Leverkusen nicht reichen könnten.