| 20:56 Uhr

Istanbul
Erdogan lehnt Hilfe von Berater McKinsey ab

Istanbul. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan lehnt trotz der anhaltenden Währungskrise in seinem Land eine Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung McKinsey ab. Er sagte am Samstag, Investitionen in der Türkei seien jederzeit willkommen.

Er habe jedoch kein Land aufgefordert, der Türkei zu helfen. Zuvor hatte sich der Finanzminister und Erdogan-Schwiegersohn Berat Albayrak mehreren  Medienberichten zufolge ausdrücklich für eine solche Kooperation ausgesprochen.


„Ich habe zu allen meinen Ministerfreunden gesagt: ‚Ihr werdet von ihnen keine Beratung erhalten. Das ist nicht nötig. Wir helfen uns selbst’“, sagte der türkische Präsident zu solchen Spekulationen bei einer Sitzung seiner Regierungspartei AKP nahe der Stadt Ankara. Er legte sich gleichzeitig in dieser Frage fest: „Solange ich lebe, wird niemand in der Lage sein, die Türkei unter das Joch internationaler Institutionen zu stellen“, sagte Erdogan weiter. Der türkische Präsident ist mit seiner Haltung zu eventuellen Wirtschaftshilfen von außen nicht alleine.  Auch die Oppositionspartei CHP hatte das Vorhaben zuvor bereits kritisiert.

Die Türkei steckt seit Monaten in einer heftigen Währungskrise. Die türkische Lira hat seit Jahresanfang mittlerweile mehr als 40 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Dollar verloren. Dieser sich fortsetzende Trend geht allerdings auch auf einen heftigen politischen Streit mit den Vereinigten Staaten wegen der Inhaftierung eines christlichen Pastors und amerikanischer Sanktionen zurück. Die seit längerem anhaltend hohe Inflation in der Türkei gilt neben dem hohen Leistungsbilanzdefizit als Hauptauslöser für die derzeitige Lirakrise. Ein Ende dieser Krise ist derzeit nach Meinung von Währungsexperten noch nicht in Sicht.



Im September waren die Verbraucherpreise im Jahresvergleich zuletzt um 24,5 Prozent gestiegen, wie das staatliche Statistikamt in Ankara mitteilt. Dies ist die höchste Teuerungsrate in der Türkei seit Juni 2003. Als eine der Gegenmaßnahmen, um die türkische Wirtschaft gegen eine Fortsetzung der derzeitigen Krise zu stablisieren, hob bereits Mitte September die türkische Notenbank den Leitzins stark an, um gegen die hohe Teuerung und die Lira-Schwäche anzukämpfen. Diese Maßnahme wurde in die Wege geleitet gegen den ausdrücklichen Widerstand des türkischen Präsidenten Erdogan.

Notenbankchef Albayrak hatte in diesem Zusammenhang angekündigt, die Inflation bis zum Jahr 2021 schrittweise auf dann nur noch sechs  Prozent senken zu wollen. Wie er dies im Detail auf den Weg bringen will, dazu machte Albayrak zunächst keine genaueren Angaben. Wegen der Wirtschaftskrise gerät die Türkei jedoch immer heftiger auch international unter Druck. Türkischen Unternehmen fällt es zunehmend schwer, ihre Produkte international zu verkaufen.