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Grüne Energie
Ein Schritt zu mehr Ökostrom in Europa

Der Ausbau der Windkraft hilft dabei, den Anteil des Ökostrom weiter zu steigern. Deutschland ist dabei bereits deutlich weiter als andere Staaten in der EU. Die scheuen die hohen Kosten der Energiewende.
Der Ausbau der Windkraft hilft dabei, den Anteil des Ökostrom weiter zu steigern. Deutschland ist dabei bereits deutlich weiter als andere Staaten in der EU. Die scheuen die hohen Kosten der Energiewende. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Brüssel. Die EU setzt für die Zukunft auf grünen Strom und Sprit. Doch den Kritikern gehen die Beschlüsse nicht weit genug Von Detlef Drewes

Kommt jetzt die Energiewende für Europa? Die EU-Mitgliedstaaten haben in der Nacht zum Dienstag einen Durchbruch erreicht. Sie wollen verstärkt auf erneuerbare Energien setzen. Aber auch der Verbraucher soll Möglichkeiten bekommen, auf billigen Strom zuzugreifen. Was wurde genau beschlossen?


Baut die EU jetzt endlich mehr auf regenerative Energiequellen?



Ja. Bis 2030 soll der Anteil der Energie, die aus erneuerbaren Quellen stammt, auf 27 Prozent gesteigert werden. Ende 2016 lag die Union bei 16,9 Prozent, bis 2020 sollen 20 Prozent erreicht sein. Allerdings betrug der Zuwachs im Vorjahr nur 0,2 Prozent, er verlangsamte sich immer mehr.

Wie will Brüssel das in den Griff bekommen?

Die Vertreter der Mitgliedstaaten haben vereinbart, dass der Anteil der grünen Energie am Gesamtverbrauch ab 2020 um jährlich ein Prozent steigen muss. Damit sollen die Bemühungen intensiviert werden.

Betrifft das auch den Verkehr?

Hier will die EU vor allem Biotreibstoffe der zweiten Generation fördern – ihr Anteil am Gesamtverbrauch soll bis 2030 mindestens drei Prozent betragen. Dieser Sprit wird nicht mehr aus Getreide und Früchten gewonnen, sondern aus Stroh und Abfällen. In 13 Jahren sollen mindestens 14 Prozent der gesamten Kraftstoffe aus biologischen Quellen stammen – vier Prozent mehr als für 2020 vereinbart wurde.

Was hat der Verbraucher davon?

Die Mitgliedstaaten zwingen die Energieversorger, künftig „dynamische“ Tarifmodelle anzubieten. Der Verbraucher kann seine Energiekosten dann drücken, wenn er Elektrizität zu Zeiten nutzt, in denen besonders viel verfügbar ist. Das würde so funktionieren: Voraussetzung ist ein sogenannter „Smart-Meter“, der den Verbrauch in Echtzeit erfasst und steuert. Der Kunde schaltet seine Waschmaschine oder seinen Geschirrspüler zwar ein, der Smart-Meter überprüft den verfügbaren Strom und lässt den Betrieb des Gerätes erst dann zu, wenn genügend regenerative Energie im Netz verfügbar ist.

Ist das jetzt schon beschlossene Sache?

Nein, dies ist das Angebot der Mitgliedstaaten. Doch es muss erst noch von den Abgeordneten des Europäischen Parlamentes gebilligt werden. Es ist bekannt, dass die Volksvertretung deutlich höhere Ziele erreichen will. So haben sich etliche Parlamentarier bereits dafür ausgesprochen, den Anteil erneuerbarer Energien nicht nur auf 27, sondern auf 30 Prozent bis 2030 hochzusetzen. Das erscheint einigen Mitgliedstaaten, die derzeit noch wenig regenerative Quellen nutzen, zu viel zu sein.

Was bedeuten diese EU-Vorgaben denn für die einzelnen EU-Länder?

Dieser Schritt steht noch aus, wird aber wohl die eigentliche Herausforderung. Denn Brüssel muss aus der pauschalen EU-Zielvorgabe nun die Anteile der Mitgliedstaaten herausrechnen. Deutschland steht da ganz gut da und muss wohl kaum zusätzliche Anstrengungen unternehmen. Andere wie Polen brauchen dagegen eine echte Energiewende, um die Werte zu schaffen.