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Stockende Sanierung
Droht Opel in Kaiserslautern das Aus?

Die Jobs der rund 2000 Beschäftigten im Opel-Werk Kaiserslautern sind nach Expertenmeinung in Gefahr.
Die Jobs der rund 2000 Beschäftigten im Opel-Werk Kaiserslautern sind nach Expertenmeinung in Gefahr. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Rüsselsheim. Bei der Opel-Sanierung werden sich der neue Eigner PSA und die IG Metall nicht einig. Das könnte für zwei deutsche Werke gefährlich werden.

Die stockende Sanierung des Autobauers Opel gefährdet nach Auffassung eines Experten den Bestand zweier Werke in Deutschland. Dass die Gewerkschaft IG Metall mit politischer Unterstützung auf die Einhaltung bestehender Tarifverträge poche, könnte dem neuen Mutterkonzern PSA (Peugeot-Citroën-Opel) als Vorwand für bislang ausgeschlossene Werkschließungen dienen, sagte der Direktor des Car-Centers an der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer. „Am Ende könnte die Schließung der beiden Opel-Werke in Kaiserslautern und Eisenach stehen“, sagte Dudenhöffer. Nur der Stammsitz Rüsselsheim sei wegen der dort sitzenden Entwicklung und der sehr modernen Produktion für den französischen PSA-Konzern unverzichtbar.


PSA hatte am Montag eine Investitionsentscheidung für Eisenach verschoben, nachdem Verhandlungen mit IG Metall und Betriebsrat nicht zur gewünschten Kostensenkung geführt hatten. Die Arbeitnehmer bestehen auf der Erfüllung älterer Tarifverträge, die noch mit dem Opel-Vorbesitzer General Motors abgeschlossen und von PSA übernommen worden waren.

Darin sind nach Lesart des thüringischen Wirtschaftsministers Wolfgang Tiefensee (SPD) beispielsweise zwei Modelle für das Werk Eisenach vorgesehen. PSA will dort aber nur einen Geländewagen bauen und nennt dazu keine Zahlen für einen möglichen Arbeitsplatzabbau. Nach den vorerst erfolglosen Gesprächen muss Opel zum April auch die Tariferhöhung im Metall-Flächentarif von 4,3 Prozent zahlen.

Die hohen Lohnkosten machten die deutschen Werke im PSA-Verbund sehr teuer, zumal die Produktivität nicht dem Branchenstandard entspreche, sagte Dudenhöffer. Die IG Metall sei aus seiner Sicht in ihrer Strategie gefangen, da sie selbstverständlich nicht dulden könne, dass gültige Tarifverträge vom Unternehmen nicht eingehalten werden. „Die festgefahrene Situation könnte PSA-Chef Carlos Tavares als Begründung dienen, doch noch die Werke Eisenach und Kaiserslautern zu schließen“, sagte der Auto-Professor.

Dudenhöffer sieht Opel aktuell in sehr schlechter Verfassung: Die Verkäufe sind in Deutschland trotz neuer SUV-Modelle in den ersten drei Monaten abgesackt, auch für Europa seien keine besseren Zahlen zu erwarten. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes gingen die Neuzulassungen in Deutschland um 8,2 Prozent zurück. In diesem und dem folgenden Jahr seien außer dem Nutzfahrzeug Combo keine neuen Fahrzeuge mehr geplant: „Opel steckt in einem Produktloch.“



Auch die Kündigung aller Händlerverträge sei nicht hilfreich bei dem Vorhaben, mehr Autos zu verkaufen, sagte Dudenhöffer. Im Vertrieb hat Opel sämtlichen europäischen Händlern gekündigt. Ziel seien neue Vereinbarungen, mit denen Leistung und Profitabilität des Handels gesteigert werden könnten, sagte ein Unternehmenssprecher. In Europa werden rund 1600 Verträge gekündigt, auf Deutschland entfallen davon 385.

Derzeit versucht Opel, mit Kurzarbeit und hohen Abfindungen das vorhandene Arbeitsvolumen zu senken. Die Höhe möglicher Abfindungen von bis zu 275 000 Euro ohne Zuschläge zeige deutlich den Ernst der Lage, sagte Dudenhöffer.

Für die rund 18 000 Beschäftigten in Deutschland sind bis Jahresende betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Opel will die Sanierung nach eigenem Bekunden ohne Entlassungen und Werkschließungen bewältigen. Größere Investitionen hat PSA aber bislang nur für Opel-Werke außerhalb Deutschlands freigegeben. Eisenach hat aktuell rund 1800 Beschäftigte, im Komponentenwerk Kaiserslautern arbeiteten im vergangenen Jahr gut 2000 Menschen.

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Institut an der Universität Duisburg-Essen.
Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Institut an der Universität Duisburg-Essen. FOTO: dpa / Bernd Thissen