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DKT Thielgen Lebach
Alles begann mit einem Zeichenbrett

Firmenchef Detlef Thielgen (links) und Geschäftsführer-Kollege Detmar Zosel mit einer Spezialmaschine in der Fabrikhalle in Lebach. Zu den Kunden von DKT Thielgen gehören renommierte Autohersteller.  
Firmenchef Detlef Thielgen (links) und Geschäftsführer-Kollege Detmar Zosel mit einer Spezialmaschine in der Fabrikhalle in Lebach. Zu den Kunden von DKT Thielgen gehören renommierte Autohersteller.   FOTO: Ruppenthal
Lebach. Kein Normalbürger blickt unter den Auspuff. Dieser benötigt komplizierte Vorrichtungen am Fahrzeug, die DKT Thielgen in Lebach baut.

Von der Stange gibt es garnichts beim Lebacher Maschinenbauer DKT Thielgen. Denn das Unternehmen hat sich auf den Vorrichtungsbau für Abgas-Anlagen von Autos spezialisiert. Die im Volksmund Auspuff genannten Rohrkonstruktionen aus Blech sind inzwischen hochkomplex und bei jedem Pkw-Typ anders. Wie eine Schlange windet sich das Rohr-System vom Motor bis zum Endstück, muss den Katalysator und eventuell einen Rußfilter integrieren, soll als Schalldämpfer wirken, hohe Abgas-Temperaturen aushalten und trotz ständiger Motorvibration und Korrosionsangriffen von Spritz- und Salzwasser möglichst lange halten.



DKT Thielgen baut Vorrichtungen, die dafür sorgen, dass die Einzelteile dieser komplexen Abgas-Anlagen überhaupt in großer Stückzahl gefertigt werden können. In der Fabrik legt ein Arbeiter einzelne Blechteile in die auf Zehntel Millimeter Genauigkeit eingestellte Vorrichtung, die sie dann fixiert. Danach dreht sich der Vorrichtungstisch um 180 Grad. Ein Roboter schweißt daraufhin die Komponenten zu einem Abgas-System zusammen, das dann jemand entnimmt. Der Tisch wird erneut gedreht und das Ganze beginnt von vorn. Ob die fertige Abgas-Anlage, die wegen ihrer Komplexität oft in mehreren Vorrichtungen hergestellt und am Ende zusammengefügt wird, auch den Vorgaben entspricht, wird anschließend in einer so genannten Lehre überprüft. Diese Lehren werden ebenfalls von DKT Thielgen konstruiert und gebaut.

Wird eine Vorrichtung in Auftrag gegeben, „erhalten wir von unseren Kunden am Anfang nur die Daten, die zeigen, wie die Abgas-Anlage später aussehen soll“, erzählt Firmeninhaber und Geschäftsführer Detlef Thielgen. „Auf Basis dieser Informationen bauen wir dann die Vorrichtung passgenau darum herum.“ Am Ende „steckt der Kunde den Stecker rein und kann losschweißen“, sagt Thielgens Geschäftsführer-Kollege Detmar Zosel. In mehr als 40 Jahren Firmengeschichte habe es kaum eine Reklamation gegeben: „Bauen, liefern, vergessen, das ist unser Motto.“ Einen Außendienst schenkt man sich. Mundpropaganda reicht, um die Auftragsbücher zu füllen.

So ist selbstredend die schwäbische Firma Eberspächer mit seinem Neunkircher Werk für Abgas-Anlagen ein Dauerkunde. Dort hat der gelernte Maschinenschlosser Detlef Thielgen lange gearbeitet und alles gelernt, was man über den Vorrichtungsbau wissen muss. Irgendwann bat Eberspächer ihn, nebenher Vorrichtungen auf dem Zeichenbrett zu konstruieren. Das machte er nach Feierabend und am Wochenende – damals schon mit seiner eigenen Firma. Doch es blieb nicht bei den Zeichnungen. Irgendwann begann Thielgen in seiner Garage im Lebacher Stadtteil Eidenborn selbst Vorrichtungen zu bauen.

Zehn Jahre lang mutete er sich diese Doppelschichten zu, bis er bei Eberspächer aufhörte und sich auf seine Firma konzentrierte, die damals schon sieben Leute beschäftigte. Mittlerweile war das Unternehmen aus der Eidenborner Garage in das heutige Gelände nahe der Lebacher Innenstadt umgezogen. Mittlerweile sind es 40 Mitarbeiter, Der 61-jährige Inhaber tritt inzwischen kürzer, widmet sich Familie und Hobbies. Detmar Zosel (48), bislang Prokurist, ist seit 1. Juli Geschäftsführer. 15 Jahre ist der gelernte Werkzeugmacher und Maschinenbau-Techniker schon im Unternehmen. Beide haben noch viel vor. Inzwischen kommen Aufträge für die Schweiß-Vorrichtungen von DKT Thielgen auch aus den USA, Tschechien, China und Frankreich.



Der hohe Anspruch an das eigene Produkt lässt sich nur sicherstellen, „weil wir zum einen hochqualifizierte und langjährige Mitarbeiter haben und andererseits unseren Maschinenpark auf dem neuesten Stand halten“, sagt Thielgen. In den vergangenen drei Jahren hat das Unternehmen durchschnittlich 600 000 Euro investiert. In den nächsten 14 Monaten sollen weitere 900 000 Euro ausgegeben werden. Dies alles aus Eigenmitteln und das bei einem Umsatz von rund 5,5 Millionen Euro.

Das absolute Schätzchen im Maschinenpark ist eine computergesteuertes Sieben-Achs-Dreh- und Fräszentrum, das ein Werkstück von mehreren Seiten her bearbeiten kann, ohne dass es umgespannt werden muss. Desweiteren eine Wasserstrahl-Schneidanlage, bei der ein konzentrierter Strahl mit 4500 bar auf mehrere Zentimeter dicke Stahlplatten trifft und dort die gewünschten Teile passgenau rausschneidet. Um die teuren Maschinen auszulasten, bietet DKT Thielgen auch Lohnfertigung für Metall-Verarbeitungsfirmen an.

Selbst wenn es am Lebacher Standort eng wird, will Thielgen nicht umziehen und expandieren. „Hier wissen wir, was wir haben“, sagt er. „Wir konzentrieren uns lieber darauf, gute Arbeit abzuliefern.“