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Immobilien
Die üble Masche der Wohnungsbetrüger

Gerade im Rhein-Main-Gebiet – wie hier in Frankfurt – ist Wohnraum derzeit sehr begehrt.
Gerade im Rhein-Main-Gebiet – wie hier in Frankfurt – ist Wohnraum derzeit sehr begehrt. FOTO: dpa / Boris Roessler
Wiesbaden/Worms. Kaution für eine Immobilie, die gar nicht zu haben ist. Betrüger nutzen den Wohnungsmangel schamlos aus.

Das Angebot für ein WG-Zimmer in Berlin war einfach zu gut. Möbliert, gut gelegen – und günstig. Nico Fort tappte in die Falle. „Der Vermieter war angeblich im Ausland, wir hatten nur telefonisch miteinander zu tun“, erinnert sich der 28 Jahre alte Student, der aus Worms stammt und händeringend nach einer Bleibe sucht. Er übersandte mehrere hundert Euro Kaution mit Hilfe eines Transferdienstes für Bargeld an den vermeintlichen Vermieter. Den versprochenen Schlüssel sollte er von einer Kontaktperson erhalten, die nicht existierte. Mehr als schöne Fotos von dem Zimmer hat er nie gesehen. „Ich war naiv und verzweifelt“, sagt er. Fort ist beileibe kein Einzelfall, regelmäßig gehen Wohnungssuchende Betrügern auf den Leim, besonders im heiß umkämpften Rhein-Main-Gebiet.


„Wir haben immer wieder mit solchen Fällen zu tun“, sagt Eva-Maria Winckelmann, Verbandsdirektorin beim hessischen Landesverband des Deutschen Mieterbundes in Wiesbaden. Es sei immer das gleiche Prinzip: Der angebliche Vermieter sitze im Ausland, die Betrüger wechselten ganz schnell ihre Anschriften und Kontaktdaten und das Geld sei futsch. „Gerade dort, wo der Wohnungsmarkt eng ist, stürzen sich die Menschen auf günstige Angebote“, sagt sie. Das Rhein-Main-Gebiet sei ein Beispiel. „Da ist die Verlockung einfach zu groß.“ Viele Wohnungssuchende seien einfach in Not und sehr genervt.

Eine Kaution solle erst bezahlt werden, wenn man sicher sei, dass am Ende eine reale Person mit realer Anschrift sei, rät Winckelmann. Die Kaution falle üblicherweise auch erst an, wenn ein Mietvertrag vorliege. Und Bar-Kautionen gingen in der Regel auch auf eigene Kautionskonten und nicht auf das des vermeintlichen Vermieters.

Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes auf Bundesebene findet es erstaunlich, dass die Formel „Traumwohnung plus günstiger Preis“ noch funktioniert. Aber auch er räumt ein, dass in Zeiten akuter Wohnungsnot viele Menschen eben blind seien. „Wenn ein Vermieter auf Vorkasse besteht, wird es gefährlich“, mahnt auch Ropertz. Doch was tun, wenn das Geld schon weg ist? „Ist das Geld überwiesen, gibt es kaum Chancen, es zurückzubekommen“, sagt er.

Auch Landeskriminalämter widmen sich dem Thema und versuchen, zu helfen. „Sind Sie Opfer eines Betrugs geworden, erstatten Sie umgehend Strafanzeige bei der nächsten Polizeidienststelle“, empfiehlt das rheinland-pfälzische LKA. Das hat auch Nico Fort getan. „Die Polizisten sagten, es gibt kaum Erfolgschancen“, erinnert er sich. Es habe geheißen, dass die Ermittlungen sehr schwierig seien, weil es keinen Kontakt von Angesicht zu Angesicht gegeben habe und die Gegenseite im Ausland gewesen sei.



Manche Betrüger nehmen im Schutz des Internets sogar Identitäten realer Personen an, die in Suchmaschinen zu finden sind. Das erhöht die Glaubwürdigkeit. Um auch solchen Fallen aus dem Weg zu gehen, empfiehlt Winckelmann vom Deutschen Mieterbund in Hessen, einen Blick in das Grundbuch zu werfen. Das sei das Sicherste. Über einen Anwalt, Notar oder Mieterverein gehe das gegen eine geringe Gebühr recht schnell, auch selbst sei das beim jeweiligen Amtsgericht möglich.

Bevorzugt legen Betrüger ihre Köder auf Internetportalen für Wohnungssuchende aus. Die Betreiber solcher Portale versuchen, entsprechend gegenzusteuern.  Mitarbeiter sichten regelmäßig Inserate und prüfen sie auf verdächtige Merkmale. Auch Rechner durchsuchen Anzeigen nach bestimmten Mustern. Kunden werden ermuntert sich zu melden, falls Inserate verdächtig wirken. Dazu passt, dass Betrüger seit einiger Zeit auch Airbnb, einen Online-Marktplatz für die Buchung und Vermietung von Unterkünften, missbrauchen. Um Seriosität vorzugaukeln, empfehlen Betrüger willigen Mietern, eine Anzahlung oder die Kaution über die Plattform laufen zu lassen. Bei Airbnb sei die Transaktion abgesichert. Gefalle die Wohnung nicht, erhalte er das Geld wieder zurück, behaupten Betrüger. „Solche Angebote haben nichts mit Airbnb zu tun“, sagt Sprecherin Isabelle von Klot.