| 21:18 Uhr

Serie Start-ups im Saarland
Die Steinchen, die Hitze gerne abgeben

Firmengründer Martin Schichtel mit einem Plexiglas-Behälter, der das Granulat enthält, mit dem die Firma Nebuma groß rauskommen will.
Firmengründer Martin Schichtel mit einem Plexiglas-Behälter, der das Granulat enthält, mit dem die Firma Nebuma groß rauskommen will. FOTO: Rich Serra
Saarbrücken. Mit einem selbst entwickelten Granulat, das große Hitze aufnimmt und abgibt, will die Firma Nebuma Abwärme sinnvoll nutzen. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Einen ersten Spitzenpreis hat die junge Saarbrücker Firma Nebuma schon eingeheimst. „Innovator des Jahres“ darf sich das fünfköpfige Team um die Gründer Martin Schichtel und Susanne König seit kurzem nennen. Verliehen wurde ihnen dieser Titel im Rahmen des Inovationswettbewerbs Top 100 in der Sparte Unternehmen bis 50 Mitarbeiter von der Initiative Compamedia. Dort haben sich sich einige wichtige Projektpartner, darunter zum Beispiel die Fraunhofer-Gesellschaft, zusammengefunden.


Die Produktidee von Nebuma, die ihren Sitz im Gründer-Campus Saar der Universität hat, ist eigentlich einfach. Dennoch steckt eine Menge Fachwissen dahinter. Nebuma hat ein Granulat entwickelt, das – ähnlich wie Schamottsteine – Wärme aufnehmen und später wohldosiert weitergeben kann. Doch während Schamottsteine meist nur die Hitze einer gemütlichen Kaminflamme aufnehmen müssen, können die Nebuma-Steinchen bis 1300 Grad heiß werden. „Eine solche Hochtemperatur-Speichermöglichkeit gibt es bisher noch nicht“, sagt der Jungunternehmer.

„Die Zusammensetzung des Granulats und des Bindemittels ist unser wichtigstes Geheimnis“, sagt Schichtel. Nur so viel sei verraten, „dass die Granulatkörner schon einmal eine hohe Hitze erlebt haben sollten. Dann verändern sie sich kaum noch, wenn ihnen das noch einmal widerfährt.“ Daher sei beispielsweise Schlacke aus Hochöfen ein brauchbarer Rohstoff. Zwei Jahre hat er verschiedene Materialien getestet, doch jetzt ist er davon überzeugt, die optimale Verbindung zwischen dem Granulat und dem Bindemittel gefunden zu haben.



Die Idee von Schichtel ist, dass dieses heiße Granulat in einen gut isolierten Container gefüllt und dieser dorthin transportiert wird, wo die Wärme benötigt wird. Möglich ist aber auch, dass Aufnahme und Abgabe der Hitze in einem einzigen Industrie-Komplex vonstatten gehen können. Eingesetzt werden die üblichen See-Container mit zehn beziehungsweise 20 Fuß. Sie haben eine Höhe und Breite von jeweils etwa 2,50 Meter und sind in der kleinen Größe rund drei und im großen Format sechs Meter lang. „Ein 20-Fuß-Container hat ein Fassungsvermögen von etwa 33 Kubikmeter“, erläutert Schichtel. Das entspricht rund 20 Tonnen Granulat. „Damit befüllt, verfügt er über eine Wärme-Energie von 16 Megawattstunden. Damit kann man ein Einfamilienhaus ein Jahr lang mit Wärme versorgen.“ Denkbar sei beispielsweise auch, dass mit dieser Hitze ein Nahwärmenetz betrieben werden kann. So sei Nebuma damit betraut, ein SB-Warenhaus zu beheizen. Die heißen Steinchen könnten aber auch zur Stromerzeugung genutzt werden, indem mit der Hitze eine Dampfturbine angetrieben wird. „Wir können hier sehr flexibel reagieren und die Anschlüsse dem jeweiligen Bedarf anpassen“, erläutert Schichtel. Für seinen heißen Container spreche auch, dass „das System sehr wartungsfreundlich ist“. Er geht davon aus, dass sie bis zu 30 Jahre halten. Wegen der guten Isolierung dringe kaum Wärme nach außen, so dass sich der Energieverlust in Grenzen halte.

Das Granulat will er mit der Abwärme aus Industriebetrieben aufheizen, wobei er im Saarland unter anderem die Stahlindustrie im Auge hat. „Hier würden sich die Hochöfen, aber auch die Stahlwerke anbieten“, meint er. Denkbar sei zudem, dass die Abwärme aus den Kraftwerken genutzt werden kann. Darüber hinaus komme die Keramik- und Glasindustrie infrage. „Pro Jahr werden in Deutschland 280 Terrawattstunden thermischer Energie durch die Schlote der Fabriken in die Atmosphäre geblasen“, erinnert Schichtel. Das entspreche in etwa der Stromproduktion von fünf Kernkraftwerken. Vorstellbar sei zudem, Wind- oder Sonnenstrom in Zeiten der Überproduktion in Wärme umzuwandeln und damit das Granulat zu beheizen.

Risikokapital hat Nebuma von der Saarländischen Wagnisfinanzierungsgesellschaft (SWG) erhalten. Außerdem hat sich ein „strategischer Investor“ engagiert, sagt Schichtel. Kunden seien auch schon vorhanden – die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Unternehmensstart.