| 20:45 Uhr

Finanzwirtschaft
Kredite könnten künftig knapper werden

 Strengere Richtlinien sollen Banken dazu zwingen, bei Krediten mehr Vorsicht walten zu lassen.
Strengere Richtlinien sollen Banken dazu zwingen, bei Krediten mehr Vorsicht walten zu lassen. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Frankfurt. Für viele Banken werden die Kapitalanforderungen ab dem Jahr 2022 verschärft. Die Kreditvergabe könnte schwerer werden.

Im Streit um schärfere internationale Kapitalregeln für Banken haben sich Aufseher aus Europa und den USA nach langem Gezerre auf einen Kompromiss geeinigt. Großbanken dürfen künftig unter anderem bei der Berechnung von Kreditrisiken nur zu einem bestimmten Maß interne Modelle anwenden. Zu 72,5 Prozent müssen sie sich künftig an die eher konservativen Standardmodelle halten.



Von systemrelevanten Banken, die im Fall einer Schieflage das gesamte Finanzsystem gefährden könnten, verlangen die Aufseher künftig noch dickere Kapitalpuffer. Das teilten die im Baseler Ausschuss zusammengeschlossenen Bankenaufseher und Notenbanker  mit. Die Überarbeitung der sogenannten Basel-III-Regeln soll schrittweise ab dem 1. Januar 2022 mit fünf Jahren Übergangsfrist eingeführt werden. Hierzu einige Fragen und Antworten.

Was ist der „Baseler Ausschuss“?

Dem Gremium gehören Zentralbanker und Bankenaufseher der 27 wichtigsten Wirtschaftsmächte an. Der Ausschuss wurde 1974 nach dem Zusammenbruch des deutschen Bankhauses Herstatt gegründet und ist bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) angesiedelt. Diese „Zentralbank der Zentralbanken“ hat ihren Sitz in Basel – daher der Name „Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht“.



Was ist die Aufgabe des Gremiums?

Durch international abgestimmte Regeln sollen Schieflagen von Banken vermieden werden. 1988 empfahl der Ausschuss erstmals Mindestanforderungen für die Kapitalausstattung von Banken („Basel I“). 2004 folgte „Basel II“: Bei Kunden mit wenig Kreditwürdigkeit sollten Banken mehr Eigenkapital vorhalten als bei Kunden mit besserer Bonität. Als Konsequenz aus der weltweiten Finanzkrise 2007/2008 wurden die Anforderungen verschärft („Basel III“): Banken weltweit müssen mehr eigenes Kapital von besserer Qualität vorhalten, um Risiken aus Kreditgeschäften abzusichern. So soll vermieden werden, dass wieder Steuergelder in Milliardenhöhe nötig sind, wenn ein Geldhaus in Turbulenzen gerät. Die Banken müssen diese Vorgaben schrittweise bis 2019 einhalten.

Worum geht es aktuell?

Nach der Einigung auf „Basel III“ mussten Details des Regelwerks festgelegt werden. Viele Banken warnten davor, dass sich die Vorgaben als neue Regulierungswelle entpuppen könnten – deshalb wird in der Branche auch von „Basel IV“ gesprochen. Hauptstreitpunkt zwischen Europäern und den USA war, wie Banken ihre Kreditrisiken kalkulieren. Davon hängt ab, mit wie viel Eigenkapital Geschäfte abgesichert werden müssen. Viele Großbanken berechnen dies mit internen Modellen, die oft einen geringeren Kapitalbedarf ergeben als die recht konservativen Standardvorgaben. Das führt dazu, dass einzelne Banken für ähnliche Finanzanlagen oft ganz unterschiedliche Risiken annehmen. Die USA favorisieren die standardisierten Modelle. Jetzt wurde ein Kompromiss gefunden.

Welche Folgen haben die unterschiedlichen Ansätze?

Ein hoher Standardsatz könnte die bisher günstige Kreditvergabe im Mittelstand und Handwerk erschweren, warnte der Sparkassenverband. Wenn die Banken gezwungen sind, mehr Eigenkapital vorzuhalten, können sie nicht mehr so viele Kredite vergeben. Das kann im schlimmsten Fall zu einer Kreditklemme führen und die Darlehens-Vergabe verteuern. Das würde sowohl Unternehmen als auch Verbraucher treffen und womöglich Investitionen verhindern. Offenbar können die europäischen Banken mit dem jetzt gefunden Kompromiss leben.

Wie verbindlich sind die Regeln?

Es handelt sich um internationale Vereinbarungen, die von den Ländern umgesetzt werden müssen. Dabei hakt es allerdings oft. „Basel I“ und „Basel II“ wurden nicht überall oder nur in Teilen umgesetzt. Beim Start von „Basel III“ am 1. Januar 2013 patzten laut BIZ 13 Mitgliedstaaten, darunter die USA. Statt die entsprechenden Vorschriften bis zum Stichtag in die jeweilige nationale Gesetzgebung zu integrieren, hätten die Länder bislang lediglich entsprechende Entwürfe dafür veröffentlicht, kritisierte die BIZ damals.