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Währungsreform und Wirtschaftswunder
Die D-Mark hätte heute ihren 70. Geburtstag

Die Banknoten zu zehn und 100 D-Mark von 1948 bis 2001. Die zweite Geldschein-Generation wurde in den 1960er Jahren eingeführt, die dritte in den 1990er Jahren. 
Die Banknoten zu zehn und 100 D-Mark von 1948 bis 2001. Die zweite Geldschein-Generation wurde in den 1960er Jahren eingeführt, die dritte in den 1990er Jahren.  FOTO: dpa / Deutsche Bundesbank
Frankfurt. Heute vor 70 Jahren war die wertlos gewordene Reichsmark Geschichte. Die Währungsreform leitete eine Erfolgsgeschichte ein.

Sie gilt als das Symbol des deutschen Wirtschaftswunders: Als die D-Mark am 21. Juni 1948 in den westlichen Besatzungszonen eingeführt wurde, füllten sich über Nacht die Regale der Geschäfte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die D-Mark zur zweitwichtigsten Reserve- und Handelswährung der Welt nach dem US-Dollar. Auch heute noch – im 17. Jahr nach Einführung des Euro-Bargeldes – sind Mark und Pfennig im Milliardenwert im Umlauf. Immer wieder werden alte Schätze durch Zufall entdeckt.


„Die D-Mark ist das Symbol für den Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg“, erklärt Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann. Zunächst war die Währungsreform für viele Deutsche jedoch ein Schock. Jeder Bürger erhielt 40 Mark „Kopfgeld“ und einen Monat später nochmals 20 Mark. Für 100 Reichsmark auf dem Sparbuch gab es 6,50 D-Mark. Damit wurden viele Kleinsparer zu Verlierern der Währungsumstellung, weil ihre Guthaben aufgezehrt wurden. Löhne wie auch Mieten und Steuern hingegen wurden im Verhältnis 1:1 umgestellt.

Der harte Schnitt führte zu knappem und damit stabilem Geld. Tauschhandel oder die „Zigarettenwährung“ am Schwarzmarkt verschwanden. Weil sie der nutzlos gewordenen alten Währung Reichsmark nicht mehr trauten, hatten die Händler im zerstörten Nachkriegs-Deutschland zunächst Waren gehortet. Als entscheidende Wegmarke zum Auftritt der D-Mark auf der internationalen Bühne gilt der Übergang zur uneingeschränkten Umtauschbarkeit 1958.



Anders als der lange geplante Euro kam die wichtigste Bewährungsprobe für die D-Mark völlig unerwartet: „Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh‘n wir zu ihr!“, skandierten die Menschen in Ostdeutschland im Wendeherbst 1989. „Die D-Mark war für die Menschen in der früheren DDR ein Symbol der Freiheit“, erinnert Beermann.

Noch vor der politischen Einheit ersetzte die D-Mark am 1. Juli 1990 in einer beispiellosen Aktion die DDR-Mark zu einem allgemeinen Umtauschkurs von 1:1. Vor allem der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) drängte auf eine zügige Wirtschafts- und Währungsunion – trotz Warnungen auch seitens der Bundesbank. Das Problem: Mit der Einführung der D-Mark fand sich die Wirtschaft der untergehenden DDR über Nacht im rauen Wettbewerb der Marktwirtschaft wieder.

Gut elf Jahre später löste der Euro die D-Mark ab. Anfangs als „Teuro“ gescholten, scheinen sich die Menschen in Deutschland mit der Gemeinschaftswährung inzwischen ausgesöhnt zu haben. „Der Euro hat eine extrem hohe Akzeptanz“, sagt Beermann. Bei einer im Herbst 2017 veröffentlichten Umfrage im Auftrag der EU-Kommission sprachen sich 81 Prozent der Befragten in Deutschland für den Euro aus.

Zunächst hatten allerdings viele Menschen den Eindruck, mit der Einführung des neuen Bargeldes am 1. Januar 2002 sei das Leben schlagartig teurer geworden. „Das Teuro-Gefühl ist subjektiv und lässt sich nicht durch Zahlen belegen“, argumentiert Beermann.

Doch die D-Mark haben viele immer noch im Hinterkopf: 37,9 Prozent der Deutschen rechnen bei größeren Anschaffungen regelmäßig oder zumindest ab und zu Euro-Preise in D-Mark um, wie eine Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Postbank in diesem Mai ergab. Bei den 50- bis 59-Jährigen unter den 1026 Befragten Erwachsenen war es sogar gut jeder Zweite (51 Prozent). Den Ostdeutschen ist die D-Mark demnach noch etwas näher als den Menschen in Westdeutschland: 41,9 Prozent der Ostdeutschen rechnen der Umfrage zufolge heutige Preise in D-Mark um, in Westdeutschland ergab sich ein Anteil von 37 Prozent.

Bislang steht der Euro der D-Mark in Sachen Stabilität in nichts nach – im Gegenteil. So verlor die Mark in den letzten zehn Jahren ihrer Geltung bei im Schnitt zwei Prozent Inflation mehr an Wert als der Euro. Die Gemeinschaftswährung ist angesichts einer durchschnittlichen Preissteigerungsrate von 1,6 Prozent auf Zehnjahressicht etwas stabiler.

Doch die Angst vor der Geldentwertung hat sich tief ins deutsche Bewusstsein eingegraben. „Ich glaube, dass wir Deutschen mit den Erfahrungen der zwei Hyperinflationen ein Auge auf die Inflation haben“, sagt Beermann.

Ganz verschwunden ist die D-Mark nicht (Info). Und immer wieder tauchen alte Schätze durch Zufall auf. So entdeckte der Käufer eines Hauses bei Gartenarbeiten ein Versteck mit 349 000 Mark.