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Saarbrücken
Deutsche Bank sieht weiteres Wachstum bis 2020

Deutsche-
Bank-Chef-Anlagen-Stratege Ulrich Stephan
Deutsche- Bank-Chef-Anlagen-Stratege Ulrich Stephan FOTO: Deutsche Bank
Saarbrücken. Von Thomas Sponticcia

US-Präsident Donald Trump bringt zuweilen auch Spitzenbanker zur Verzweiflung. „Wenn er nachts etwas twittert, kann ich oft meinen elektronischen Morgenbrief an die Kunden neu schreiben“, sagte Ulrich Stephan gestern beim „traditionellen Frühstück“ der Deutschen Bank an der Saar im Saarbrücker Schloss.


Der Chefanlagenstratege der Deutschen Bank in Frankfurt für Privat- und  Firmenkunden betonte in seinem Vortrag, Europa könne jetzt mit einer Abschaffung der Zölle auf US-Autos möglicherweise den Handelskonflikt mit den USA entschärfen. Auch eine Abschaffung der europäischen Agrar-Zölle hielte Stephan für hilfreich, aber kaum durchsetzbar. „Eine Fortsetzung des Handelskrieges wird niemandem nutzen“, sagte der Banker. Trumps Position sei schon deshalb nicht nachvollziehbar, weil es in den USA derzeit deutlich mehr offene Stellen als Arbeitslose gibt und Fortschritte auf dem Weg zur Vollbeschäftigung. Trump werde es auch nicht schaffen, alte stillgelegte Stahlstandorte wiederzubeleben. Dafür seien Milliardeninvestitionen in neue Technologien nötig und die Standorte selbst dann nicht international konkurrenzfähig. Die Zölle auf europäischen Stahl machten keinen Sinn.

Europa werde 2018 und 2019 noch weiteres Wachstum erleben, dann sei  die Spitze des Wachstums und der Dynamik erreicht. Zumal Diskussionen um den Brexit, den Welthandel und die unsichere Wirtschaftsentwicklung in Staaten wie Italien oder Griechenland diese Entwicklung mit beeinflussten. Auch die Spitze in den Unternehmensgewinnen sieht Stephan erreicht. Man müsse jedoch nicht mit einem Rückfall in eine Rezession rechnen. Zumal neue Technologien und die Digitalisierung die Wertschöpfungskette der Unternehmen positiv beeinflussten. „Insgesamt beurteile ich die Weltlage gut, weil die Entwicklungsländer sowie Asien sehr gut wachsen und die USA zumindest auf dem Weg zur Vollbeschäftigung vorankommen.“ In Deutschland boome der Arbeitsmarkt  bei steigenden Löhnen und hoher Konsumbereitschaft. Mit Aktien seien viele Deutsche noch vorsichtig. „In den vergangenen 30 Jahren hat der Dax an der Börse im Schnitt jährlich eine Performance zwischen 8,5 und neun Prozent hingelegt. Rein mathematisch kämen wir dann in 30 Jahren auf etwa 170 000 Punkte. Das ist keine Prognose, aber langfristiges Investieren in Aktien ist immer noch richtig. Das hängt aber auch von der Risikobereitschaft der Anleger ab und ihren Vorstellungen, wie lange sie Geld anlegen.“