| 21:59 Uhr

Bank wird umgebaut.
Deutsche Bank-Chef kürzt das Investmentbanking

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing kündigte gestern harte Einschnitte an, um die Bank zurück auf die Erfolgsspur zu bringen.
Deutsche Bank-Chef Christian Sewing kündigte gestern harte Einschnitte an, um die Bank zurück auf die Erfolgsspur zu bringen. FOTO: dpa / Arne Dedert
Frankfurt/Main. Die Konzentration auf das Privat- und Firmenkundengeschäft soll bessere Erfolge bringen. Gleichzeitig wird auch Personal abgebaut. dpa

() Nach einem enttäuschenden Jahresauftakt beschwört der neue Deutsche Bank-Chef Christian Sewing alte Tugenden. „Wir werden bei der Deutschen Bank diejenigen Werte wiederbeleben, auf denen die Bank vor annähernd 150 Jahren gegründet wurde“, rief Sewing gestern der versammelten Analystengemeinde zu. Dazu gehörten „ein klarer Blick, Disziplin in der Umsetzung und Stolz auf die Arbeit“.


Beim Investmentbanking wird es drastische Einschnitte und Kürzungen geben. Zu der Sparte gehören etwa die Beratung von Firmen bei Börsengängen oder der Handel mit Wertpapieren aller Art. Die Ergebnisse des ersten Quartals erforderten sofortiges Handeln. „Wir werden den Kurs unserer Bank jetzt ändern. Es gibt keine Zeit zu verlieren.“ Nur 120 Millionen Euro verdiente die Deutsche Bank im ersten Quartal nach 575 Millionen Euro ein Jahr zuvor. US-Branchenprimus JP-
Morgan Chase brachte im gleichen Zeitraum so viel Geld an einem einzigen Arbeitstag nach Hause.

Hauptproblem ist, dass die Deutsche Bank im Investmentbanking Marktanteile verloren hat, besonders an die US-Konkurrenz. Zudem sind die Kosten im Branchenvergleich sehr hoch. In Sewings Umbauplan wird das US-Handelsgeschäft mit Anleihen und voraussichtlich auch Aktien am heftigsten beschnitten. „Unsere Wurzeln liegen in Europa – hier wollen wir Unternehmen und institutionellen Kunden weltweite Finanzierungslösungen anbieten“, erklärte Sewing. „Darauf werden wir uns künftig noch viel stärker konzentrieren.“



Ab 2021 sollen die Privat- und Firmenkundenbank sowie der an der Börse notierte Vermögensverwalter DWS etwa die Hälfte der Konzernerträge erwirtschaften. Praktisch alle Chefs der Deutschen Bank seit Ende der 1990er Jahre suchten das Heil im Investmentbanking. Das Institut sollte im Konzert der globalen Bankkonzerne die erste Geige spielen. Mit der Milliardenübernahme der Wall-Street-Bank Bankers Trust 1999 wurden die Frankfurter zu einem der großen Spieler auf dem US-Markt. Sewing setzt auf das Privat- und Firmenkundengeschäft samt der Tochter Postbank, die bis Sommer in den Konzern integriert werden soll. Gegenüber den 97 000 Mitarbeitern des Konzerns kündigte er harte Entscheidungen an. Dazu gehöre auch ein „spürbarer“ Stellenabbau. Zahlen wurden nicht genannt. Die Renditen seien für die Aktionäre „schlicht nicht akzeptabel“. Der Aktienkurs dümpelt seit Monaten nahe des historischen Tiefstands. Schlankere Führungsstrukturen sollen Kosten zusätzlich drücken. „Allzu oft haben wir in der Vergangenheit unsere selbst gesteckten Ziele nicht mit ausreichendem Nachdruck verfolgt. Diese verlorene Glaubwürdigkeit müssen wir zurückgewinnen“, sagte Sewing.