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Traditionelle Weihnachtsgeschenke sind out
Der Zug ist abgefahren

In so einer Modelleisenbahn-Landschaft steckt viel Arbeit: Berghänge und Büsche müssen modeliert und bemalt, Technik installiert und Schienen verlegt werden. Wochen vergehen bis eine Eisenbahn ihre Runden drehen kann.
In so einer Modelleisenbahn-Landschaft steckt viel Arbeit: Berghänge und Büsche müssen modeliert und bemalt, Technik installiert und Schienen verlegt werden. Wochen vergehen bis eine Eisenbahn ihre Runden drehen kann. FOTO: Stephanie Schwarz
Merchweiler. Anders als früher sind Modelleisenbahnen als Weihnachtsgeschenke heute immer weniger gefragt. Von Stephanie Schwarz

Ein geschmückter Weihnachtsbaum, Kerzen leuchten und eine kleine Modelleisenbahn dreht mit zwei Wagen auf einem ovalen Gleis ihre Runden. Ein Moment aus der Kindheit, an den sich viele gerne zurückerinnern. So ein Bild gehört jedoch immer häufiger der Vergangenheit an. Haben sich Kinder früher über Anziehpuppen, Bauklötze und Modelleisenbahnen zu Weihnachten gefreut, sind es heute das neuste Smartphone, ferngesteuerte Drohnen und Spielekonsolen. Elektronische Geräte boomen zu den Festtagen und verdrängen traditionelle Geschenke.


Bei dem 51-jährigen Andreas Kolz aus Quierschied begann damals alles mit einem Kinderspielzeug. Heute ist er ein großer Fan der Miniatur-Eisenbahn. Seit sechs Jahren arbeitet er zudem noch im Modelleisenbahnshop Birringer in Merchweiler und baut für Kunden ganze Landschaften. „Der Modelleisenbahnen-Trend geht immer weiter zurück. Das merken wir ganz einfach daran, dass immer weniger Kunden in den Laden kommen“, sagt der 51-Jährige. Gerne denkt er an die Festtage zurück, als er seine erste Eisenbahn bekommen hat: „Ich war etwa elf Jahre alt. In einem separaten Zimmer haben meine Eltern die Eisenbahn zwei Tage lang aufgebaut.“ Irgendwie hätte er schon geahnt, was da drin vor sich geht, erzählt er. Das habe seine Freude aber nicht geschmälert. „Die Tür ging auf, Eisenbahnen fuhren, alle Lichter waren an – es war einfach ein tolles Erlebnis“, sagt Kolz. So habe seine Leidenschaft für Eisenbahnen vor 40 Jahren mit einem Kinderspielzeug begonnen.

Insbesondere für viele Jungs war die kleine detailgetreue Eisenbahn ein wahr gewordener Weihnachtstraum. Auch der 31-jährige Philipp Burger aus Saarbrücken erinnert sich gerne an seine erste Modelleisenbahn zurück. Es war eine Märklin H0-Spur. „Die Eisenbahn gehörte mir und meinen Geschwistern, aber ich hatte damals definitiv den meisten Spaß damit.“ Lang hat dieser Spaß aber dann doch nicht angehalten, sagt er: „Nach drei Jahren war das Interesse dann wieder weg.“ Andere Hobbys seinen wichtiger gewesen.



Der Modelleisenbahnen-Markt ist zwar nicht tot, aber Lokomotiven und Co spielen heutzutage unterm Weihnachtsbaum nur noch eine Nebenrolle. Trotzdem habe die Miniatur-Lok weiterhin eine große Fan-Gemeinde. Kolz erklärt: „Es gibt zwei Arten von Modelleisenbahnern: Spieler und Sammler. Ich bin definitiv ein Spieler, der gerne Anlagen für Eisenbahnen modelliert.“ Sammler hingegen würden ihre Lieblinge in Vitrinen stellen und schon mal 1800 Euro für eine Messing-Lokomotive ausgeben. „Eine solche Lokomotive ist handgefertigt und -bemalt. So etwas dauert seine Zeit und kostet dann auch mehr.“ Vielen sei das jedoch zu teuer. Der Preis für Modelleisenbahnen hätte sich in den letzten 20 Jahren zwar nicht sonderlich erhöht, „aber einige können sich dieses Hobby einfach nicht mehr leisten“, sagt Kolz. „Das Geld ist knapp, und die Prioritäten liegen oft woanders.“

Ein weiteres Problem: „Unsere Stammkunden sterben nach und nach weg und nur wenig junge Leute interessieren sich für Modelleisenbahnen“, sagt der 51-Jährige. Zu den Stammkunden gehören vor allem Männer über 40. Frauen seien an diesem Hobby eher weniger interessiert, fügt er hinzu. Deshalb kämen insbesondere die Papas und Opas mit ihren Kindern und Enkeln in den Laden. „Mit fünf Jahren teilen die Kinder noch das Interesse der Älteren.“ Aber spätestens in der Pubertät würde sich das relativ schnell wieder legen. Denn: „Teenager haben dann eher Autos und Handys im Kopf“, weiß Kolz. „Auch bei mir ließ das Interesse in der Pubertät nach. Mädchen und Autos waren wichtiger.“ So landen die geliebten Spielsachen dann im Keller und sind zunächst vergessen.

Aber aus eigener Erfahrung weiß der Tüftler, dass die Freude an Eisenbahnen wieder aufleben kann. „Ich habe dieses Hobby mit 33 wieder für mich entdeckt.“ Aus gutem Grund: „Es ist einfach Entspannung pur, und es macht unglaublich Spaß, Landschaften nachzubauen.“ Über hundert Stunden würde er an einer Anlage sitzen. Aber: „Wenn ich dann meine selbst gebaute Landschaft sehe, in die ich viel Liebe zum Detail gesteckt habe, bin ich sehr stolz.“

Der Modelleisenbahn-Markt lässt sich jedoch von der Digitalisierung nicht vollkommen abhängen. „Es gibt auch Eisenbahnen, die mit Handy oder Tablet gesteuert werden können“, sagt Kolz. Denn auch traditionelle Geschenke müssen mit der Zeit gehen, um das Interesse der heutigen Jugend zu wecken.

In solch einer Modelleisenbahn-Anlage steckt viel Arbeit: Berghänge und Büsche müssen modelliert und bemalt, Technik installiert und Schienen verlegt werden. Wochen vergehen, bis eine Eisenbahn ihre Runden drehen kann.
In solch einer Modelleisenbahn-Anlage steckt viel Arbeit: Berghänge und Büsche müssen modelliert und bemalt, Technik installiert und Schienen verlegt werden. Wochen vergehen, bis eine Eisenbahn ihre Runden drehen kann. FOTO: Stephanie Schwarz
Eine Eisenbahnstrecke in der Entstehung. Bereits 100 Stunden hat Mitarbeiter Andreas Kolz daran gearbeitet. Die Technik ist instaliert, das Gelände ist modiliert. Jetzt fehlen nur noch Bäume, Büsche, Häuser und natürlich eine Eisenbahn.
Eine Eisenbahnstrecke in der Entstehung. Bereits 100 Stunden hat Mitarbeiter Andreas Kolz daran gearbeitet. Die Technik ist instaliert, das Gelände ist modiliert. Jetzt fehlen nur noch Bäume, Büsche, Häuser und natürlich eine Eisenbahn. FOTO: Stephanie Schwarz