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Stahlindustrie
Der Sozialplan für die Saarschmiede steht

Die Saarschmiede wird weitergeführt, aber mit deutlich weniger Personal. 411 Mitarbeiter bleiben an Bord, 300 sollen unter anderem in andere Bereiche von Saarstahl wechseln.
Die Saarschmiede wird weitergeführt, aber mit deutlich weniger Personal. 411 Mitarbeiter bleiben an Bord, 300 sollen unter anderem in andere Bereiche von Saarstahl wechseln. FOTO: rup / ROLF RUPPENTHAL -06834943232-
Völklingen. Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter wollen in einer Betriebsvereinbarung betriebsbedingte Kündigungen ausschließen. Von Thomas Sponticcia

Guido Lesch ist die Erleichterung anzusehen. Der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Völklingen und Arbeitnehmervertreter im Saarstahl-Aufsichtsrat spricht von „einer tollen Nachricht zum Jahreswechsel“. So haben sich gestern  Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretung in einer Betriebsvereinbarung auf einen Sozialplan für die Beschäftigten in der Saarschmiede geeinigt. Er tritt mit Wirkung zum 1. Januar 2018 in Kraft.


Da der Schmiede  in den vergangenen Jahren wichtige Absatzmärkte wie etwa der Turbinenbau weggebrochen sind und sie in der Folge tiefrote Zahlen schreibt, wurde dieser Schritt nach Angaben des Unternehmens notwendig. Damit soll die Schmiede gerettet und auf anderen internationalen Märkten neu aufgestellt werden. Die Betriebsvereinbarung besagt, dass es für 411 Beschäftigte  in der Schmiede weitergeht. Für die übrigen 450 greift der Sozialplan. Dieser sieht vor, dass 300 Mitarbeiter mit einer entsprechenden Bewerbung in andere Bereiche des Saarstahl-Konzerns wechseln können. Für die übrigen 150 Betroffenen greifen andere Lösungen. Sie reichen von attraktiven Altersteilzeit-Angeboten über Abfindungsprogramme, mit denen auch Platz für jüngere Mitarbeiter geschaffen werden soll, bis hin zu  Möglichkeiten, sozialverträglich früher in Rente zu gehen. Das Vertragswerk umfasst auch die Zusage zur Sicherung des Verdienstes sowie einen Kündigungsschutz.

Nach Auskunft von Saarschmiede-Geschäftsführer Peter Schweda greift für die von Versetzungen betroffenen Mitarbeitern eine Entgeldvereinbarung für die Dauer von 48 Monaten. Sie sieht in den ersten 24 Monaten die bisherigen Bezüge vor, danach möglicherweise Anpassungen, die von den Anforderungen der neuen Stelle abhängen. Das Ganze funktioniere aber nur, wenn die betroffenen Schmiede-Mitarbeiter auch eine Wechselbereitschaft in andere Bereiche von Saarstahl zeigen.



Zudem haben laut Schweda bereits zehn Unternehmen aus verschiedensten Branchen Interesse angemeldet, Mitarbeiter aus der Schmiede zu übernehmen. Am wichtigsten sei, das man betriebsbedingte Kündigungen abwenden kann. „Ich bin davon überzeugt, dass wir dieses Ziel erreichen“, so Schweda. Er berdankte sich gestern gleichzeitig in seiner Eigenschaft als Saarstahl-Arbeitsdirektor  bei allen Mitarbeitern des Unternehmens. Diese hätten in den vergangenen Monaten Mehrarbeit geleistet  und seit Mai 2017 einen Einstellungsstopp hingenommen, weil sich schon damals die Probleme in der Schmiede abgezeichnet hätten, verbunden mit der Notwendigkeit zur Versetzung von Personal  aus der Schmiede heraus.

Für Saarstahl-Betriebsratschef Stephan Ahr sowie die Arbeitnehmer-Vertreter „war das Ziel entscheidend, so gut es geht betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden“, so Ahr. Die saarländische Stahlindustrie habe mit der abgeschlossenen Betriebsvereinbarung erneut bewiesen, dass sie dazu in der Lage ist, auch Krisen auf hohem Niveau zu bewältigen. „Wenn jetzt alle Beteiligten mitmachen, haben wir insbesondere für betroffene Arbeitnehmer sowie für das Unternehmen Großes geleistet.“

Sollte es wider Erwarten dennoch nicht gelingen, alle Mitarbeiter erfolgreich zu vermitteln, ist als weiterer Schritt im neuen Jahr die Gründung einer Transfergesellschaft vorgesehen. In ihr würde es eine Aufstockung auf 90 Prozent des bisherigen Lohns geben. Auch für die Neuaufstellung der Schmiede sind bereits erste Schritte vereinbart. So soll es im neuen Jahr eine paritätisch besetzte Kommission aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern geben, die intensiv nach neuen Marktchancen sucht.  Guido Lesch glaubt beispielsweise, dass Atommüllbehälter zur Endlagerung produziert werden können. Die Schmiede verfüge bereits über die Technologien.