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Fehlendes Konzept
Dehoga Saar fordert schnellen Messeausbau

In der Hafenstraße in Saarbrücken wird zur Zeit gebaut. 2019 soll hier ein Intercity-Hotel fertiggestellt sein.
In der Hafenstraße in Saarbrücken wird zur Zeit gebaut. 2019 soll hier ein Intercity-Hotel fertiggestellt sein. FOTO: SZ / Joachim Wollschläger
Saarbrücken. 1000 neue Betten werden 2019 in Saarbrücken verfügbar sein. Der Verband fordert nun auch Fortschritte beim Kongressgeschäft. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Der Hotel- und Gaststättenverband im Saarland (Dehoga Saar) fordert einen schnelleren Ausbau des Messe- und Kongressgeschäfts im Saarland. Seit der Schließung des Messegeländes am Schanzenberg herrscht in diesem Gebiet nur Notbetrieb. Messen finden an Ausweich-Standorten statt. Ein endgültiger Plan für das Messegeschäft im Saarland lässt immer noch auf sich warten.


„Wir begrüßen zwar, dass es bei der Finanzierung Fortschritte gibt“, sagte Dehoga-Geschäftsführer Frank Hohrath – das Bundesbauministerium hatte angekündigt, Baumaßnahmen für eine Erweiterung der Congresshalle und den Neubau einer Multifunktionshalle in Höhe von 90 Millionen Euro mit bis zu 50 Millionen Euro zu bezuschussen – „jetzt braucht es aber dringend ein Konzept. Wen wollen wir hierherholen, welche Messen und Kongresse sind für das Saarland wirklich sinnvoll?“, sagte Hohrath. Auch die Infrastruktur gehöre noch einmal auf die Tagesordnung, denn „aktuell haben wir ein Problem mit den Anbindungen des Landes.“ Die Frage sei auch deshalb drängend, weil bis 2019 vier neue Hotels mit einer Kapazität von 1000 Betten in Saarbrücken an den Start gehen sollen. „Konkurrenz ist zwar grundsätzlich gut“, sagte Hohrath. Es müssten aber auch Anlässe geschaffen werden, ins Saarland zu kommen.

Am Rande der Verbandstagung des Dehoga gestern in der Römischen Villa in Perl Borg zeichnete Vizepräsident Michael Buchna – die Präsidentin Gudrun Pink war kurzfristig erkrankt – ein aktuell gutes Bild der Branche. Der heiße Sommer habe der Gastronomie erhebliche Zusatzeinnahmen beschert. „Wir haben zwar noch keine konkreten Zahlen, aber insgesamt kann man davon ausgehen, dass vor allem Betriebe mit Terrassen- und Biergärten sehr profitiert haben.“ Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga-Bundesverbandes berichtete bundesweit von Zuwächsen der Branche bis 30. Juni in Höhe von 2,5 Prozent. In der Gastronomie seien es sogar drei Prozent, in der Hotellerie 2,2 Prozent gewesen.



Wichtigstes Thema, das wurde bei dem Verbandstag klar, bleibt der Fachkräftemangel in der Branche. Gerade in der Gastronomie sei der Mangel eklatant. In diesem Zusammenhang versucht der Dehoga gemeinsam mit der Agentur für Arbeit, Flüchtlinge mit Gastro-Erfahrung für eine Zukunft in dieser Branche zu gewinnen. „Es geht dabei nicht nur um Helfer-Jobs“, betonts Hohrath, sondern um ein Engagement mit einer langfristigen Perspektive. Gleichzeitig müsse die Ausbildung noch attraktiver gemacht werden. Während es in der Vergangenheit auf Seiten der Vergütungen bereits Verbesserungen gegeben habe, gelte es jetzt, auch noch bei der Ausbildung nachzusteuern. So müsse es möglich sein, bereits in der Berufsschule Zusatzqualifikationen – beispielsweise im Hotelmanagement oder bei Fremdsprachen – zu erwerben. „In Rheinland-Pfalz ist das schon möglich“, sagte Buchna. Einige Kollegen würden deshalb ihre Lehrlinge im Nachbarland zur Schule schicken. Es gebe zwar bereits Gespräche mit dem Kultusministerium, doch noch sei ein Konzept nicht beschlossen. Auch eine finanzielle Entlastung der Auszubildenden bei der Besteuerung von Kost und Logis als Sachbezüge wäre nach Aussage des Verbands sinnvoll. Bayern habe dazu eine Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht, sagte Buchna. „Es wäre toll, wenn das Saarland diese Initiative unterstützen würde.“ Das könne auch helfen, wieder mehr Auszubildende zu finden. Aktuell gibt es in 3500 Betrieben im Saarland noch 900 Auszubildende.

Michael Buchna, Vizepräsident des Dehoga im Saarland.
Michael Buchna, Vizepräsident des Dehoga im Saarland. FOTO: Dehoga