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| 21:15 Uhr

Abgas-Skandal
„Das sind schäbige Machenschaften“

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sieht die Autobranche in der Pflicht.
Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sieht die Autobranche in der Pflicht. FOTO: Britta Pedersen / dpa
Der Grünen-Fraktionschef fordert die Autoindustrie auf, über die Abgastests mit Affen und Menschen ernsthaft aufzuklären. Von Hagen Strauss

Herr Hofreiter, was erwarten Sie jetzt von der Automobilbranche?

HOFREITER Die Konzerne müssen ihre Firmenpolitik neu definieren - transparent und ehrlich. Ich finde es unerträglich, dass schäbige Machenschaften der Autokonzerne immer nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit gelangen. Die Firmen müssen ernsthaft aufräumen, um Vertrauen wieder zu gewinnen.

Ist es aus ihrer Sicht vorstellbar, dass die Konzernbosse von den Tests mit Affen und Menschen nichts gewusst haben?

HOFREITER Wenn die Konzernbosse von den Tests wussten, dann ist das ein weiteres Zeichen dafür, dass der Chefetage ein moralischer Kompass fehlt. Wenn die Bosse nichts gewusst haben sollten, dann hätten sie ihre Konzerne nicht im Griff. Beide Erklärungen finde ich sehr beunruhigend.

Was folgern Sie daraus?

HOFREITER Jetzt müssen die Konzerne erstmal transparent machen, wer Bescheid wusste. Und die Bundesregierung darf sich nicht nur erschrocken zeigen, sie muss für Aufklärung sorgen. Diese Vertrauenskrise ist jedenfalls nicht damit ausgestanden, dass VW den Generalbevollmächtigten Steg mal schnell in Urlaub schickt.

Die Vorfälle wurden ja bereits im Untersuchungsausschuss des Bundestages von einem Experten thematisiert. Warum haben die Grünen damals geschwiegen und nicht nachgehakt?

HOFREITER Im Abgasuntersuchungsausschuss hat Herr Greim den Eindruck vermittelt, dass es sich um Versuche vor langer Zeit und mit Ratten handelte. Er hat die Karten nicht auf den Tisch gelegt. Herr Greim ist bekannt dafür, der Industrie nach dem Mund zu reden. Jetzt stellt sich die Frage, seit wann die Bundesregierung von diesen skandalösen Tests wusste, deswegen haben wir für diese Woche eine Aktuelle Stunde im Bundestag beantragt.

Muss die Bundesregierung jetzt eine härtere Gangart gegenüber der Branche einschlagen?

HOFREITER Auf jeden Fall. Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die Gesundheit der Menschen, die Umwelt und auch das Tierwohl an erster Stelle stehen und gesetzlich geschützt werden. Die unerträgliche Kumpanei mit den Konzernbossen muss endlich der Vergangenheit angehören.

Sehen Sie gesetzlichen Handlungsbedarf?

HOFREITER Ja. Wir brauchen anspruchsvolle Standards bei der Luftreinhaltung. Für die Gesundheit der Menschen in unseren Städten, aber auch für eine sichere Zukunft der Autoindustrie, denn nur mit sauberen Autos können die deutschen Konzerne künftig weltweit die Märkte überzeugen. Konkret heißt das insbesondere, den Städten die Möglichkeiten zu geben eine Blaue Plakette einzuführen und sie bei Maßnahmen vor Ort finanziell zu unterstützen. Außerdem muss die Bundesregierung den Ausstieg aus dem fossilen Verbrenner definieren – so wie das viele andere Länder längst getan haben. Und die Große Koalition muss die Konzerne zu wirksamen Nachrüstungen der Fahrzeuge verpflichten.

Das Gespräch führte Hagen Strauß