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Das Land bekommt sein Geld zurück

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger kann sich über einen unerwarteten Geldsegen freuen. Foto: dpa
Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger kann sich über einen unerwarteten Geldsegen freuen. Foto: dpa FOTO: dpa
Saarbrücken. Am Ende hat die Förderung der Transfergesellschaft für Beschäftigte der Beckinger Schraubenfabrik das Land nichts gekostet. Mehr als zwei Jahre nach der Insolvenz soll der Betrag vollständig zurückfließen. Volker Meyer zu Tittingdorf

Ein überraschendes Ende einer dramatischen Pleite. Das Saarland bekommt aus der Insolvenzmasse Geld zurück - die gesamten 835 000 Euro, die in die Transfergesellschaft für Beschäftigte der Beckinger Schraubenfabrik geflossen waren. "Der Insolvenzverwalter Biner Bähr hat uns erklärt, den Betrag voraussichtlich noch im Frühjahr an das Land zurückerstatten zu können", sagt Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD).


Die Auffanggesellschaft war vor knapp zwei Jahren gegründet worden, um Mitarbeiter des insolventen Standorts vor der Arbeitslosigkeit zu bewahren, sie weiter zu qualifizieren und in neue Jobs zu vermitteln. Das Drama der Ära Whitesell in Beckingen drohte damals in einer Tragödie zu enden. Das US-Unternehmen hatte die frühere Ruia-Schrauben-Gruppe mit vier Werken in Deutschland aus der Insolvenz übernommen, innerhalb eines Jahres finanziell ausgesaugt und in den Ruin geführt. Im Januar 2015 meldete Whitesell für die deutschen Betriebe Insolvenz an.

Lange war ungewiss, ob die Beckinger Schraubenfabrik und die mehr als 300 Mitarbeiter überhaupt eine Zukunft haben würden. Dass nicht alle ihren Job behalten könnten, war klar. Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall forderten deshalb die Einrichtung einer Auffanggesellschaft. Das Land zog nach einigem Hin und Her mit. Parallel lief der Kampf um den Erhalt des Beckinger Werks weiter. Im Oktober 2015 übernahm schließlich der niederländische Nedschroef-Konzern, der auch in Saarlouis-Fraulautern ein Werk hat, den saarländischen Standort mit noch 145 Mitarbeitern - und auch das Werk in Schrozberg (Baden-Württemberg).



An drei früheren Whitesell-Standorten, in Beckingen, Schrozberg und Neuwied, betreute die PiS GmbH Nalbach Transferprojekte. Offenbar mit Erfolg: "Die Vermittlungsquote lag bei 88 Prozent. Von den 266 Mitarbeitern, die in die Transfergesellschaft gewechselt waren, wurden 234 in ein neues Beschäftigungsverhältnis gebracht", sagt Rehlinger. Im Januar dieses Jahres endete das letzte dieser Projekte.

In Beckingen habe die Transfergesellschaft eine Weitervermittlungsquote von rund 90 Prozent erreicht. "Nach einer gesamten Laufzeit von 15 Monaten konnten 114 Personen erfolgreich vermitteln werden", sagt Rehlinger. "Das war nur durch die gute Zusammenarbeit von Betriebsrat, Träger der Transfergesellschaft, Gewerkschaft, Insolvenzverwalter, Bundesagentur für Arbeit und Landesregierung möglich."

Die bundesweite Erfolgsquote solcher Auffanggesellschaften liege im Durchschnitt nur bei etwa 50 Prozent, hatte Theo Bilsdorfer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Personalmanagement im Strukturwandel (PiS), vor einem Jahr anlässlich einer Bilanz der Vermittlungen in Beckingen gesagt.