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Damit Forschung in Firmen ankommt

Saarbrücken. Wissenschaftler aus Saarbrücken suchen nach Verfahren, um den Weg von Forschungserfolgen in die Wirtschaft zu beschleunigen. Joachim Wollschläger

Wie ist es möglich, Ergebnisse der Grundlagenforschung in die Wirtschaft zu bringen? Diese Frage taucht immer wieder auf, wenn Institute bahnbrechende Entdeckungen machen, die aber nicht die erhoffte Resonanz bei heimischen Unternehmen finden. Das Leibniz-Institut für neue Materialien (INM) in Saarbrücken untersucht nun in einem Modellprojekt, wie ein schnellerer Transfer von der Forschung in die mittelständische Wirtschaft gelingen kann.



Das Projekt Science 4KMU, das vom Bundesforschungsministerium über drei Jahre mit 1,2 Millionen Euro gefördert wird, soll ein Verfahren etablieren, mit dem mittelständische Betriebe identifiziert und kontaktiert werden, für die die Forschung der Institute interessant sein könnte. Projektpartner des INM sind das Institut für Industrieinformatik und Betriebsorganisation der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken (HTW) sowie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW). "Aktuell sind wir dabei, eine Bestandsaufnahme über die verschiedenen Forschungszweige im Haus zu machen und die Darstellung im Internet zu überarbeiten", sagt Julia Mohrbacher, die beim INM das Projekt betreut. Gleichzeitig würden erste Firmen angesprochen. "Letztlich geht es darum, eine Systematik zu entwickeln, mit der sich schnell erkennen lässt, welche Forschungen für welche Unternehmen interessant sein könnten."

Gerade in der Grundlagenforschung ist es schwierig, diese auch in marktreife Produkte zu überführen. Seit über zehn Jahren forscht das INM beispielsweise an einer Haftfolie, die wie die Füße von Geckos funktioniert und mit der sich rückstandsfrei, ohne Druckluft oder Kleber empfindliche Teile heben lassen. Erst jetzt geht sie in die industrielle Anwendung. Und Peter William de Oliveira nennt auch Marktgründe als Faktor dafür, ob Forschungsprojekte umgesetzt werden können. "Wir haben beispielsweise eine Touch-Screen-Oberfläche entwickelt, die ohne Indium arbeitet und deshalb deutlich billiger ist als bisherige Oberflächen", sagt der Leiter des INM-Innovationszentrums, bei dem das Forschungsprojekt angesiedelt ist. Weil aber die Industrie ihre Produktionsanlagen dafür umbauen müsste, lohnt sich der Einsatz aktuell noch nicht.

Letztlich soll die Zusammenarbeit mit den Mittelständlern aber keine Einbahnstraße sein. Die Unternehmen sollen auch motiviert werden, das Institut anzusprechen. "Dann können wir schauen, welche Möglichkeiten wir haben", sagt Mohrbacher.

Natürlich wird die Zusammenarbeit für die Unternehmen nicht kostenlos sein. "Sie werden bei Forschungsprojekten einen Teil der Kosten tragen müssen", sagt Tobias Kraus, stellvertretender Leiter des INM. Häufig würden solche Forschungsprojekte allerdings gefördert. Und auch hier würde das INM die Unternehmen bei den Anträgen unterstützen.



Peter William de Oliveira leitet das INM-Innovationszentrum. Foto: INM
Peter William de Oliveira leitet das INM-Innovationszentrum. Foto: INM FOTO: INM
Julia Mohrbacher betreut beim INM das Projekt Science 4KMU. Foto: INM
Julia Mohrbacher betreut beim INM das Projekt Science 4KMU. Foto: INM FOTO: INM