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Commerzbank verabschiedet sich von Gewinnhoffnungen

Frankfurt. Der neue Commerzbank-Vorstand macht sich keine Illusionen mehr: Der Milliardengewinn aus dem Jahr 2015 ist im laufenden Jahr nicht zu wiederholen. Zinstief und schärfere Auflagen der Aufseher bremsen den Konzern. dpa/red

Die Commerzbank verabschiedet sich nach einem Gewinneinbruch im ersten Halbjahr von ihrem Milliardenziel für 2016. "Das Niedrigzinsumfeld und die anhaltende Kundenzurückhaltung ... werden die Erträge trotz Wachstum weiter belasten", heißt es im Zwischenbericht der Bank. "Wir erwarten daher für das Gesamtjahr 2016, dass das operative Ergebnis und das Konzernergebnis unter dem Vorjahr liegen werden."


Zuletzt hatte die Commerzbank noch gehofft, die gut eine Milliarde Euro Überschuss aus dem Vorjahr wiederholen zu können, dies aber schon als "ambitioniert" bezeichnet. In den ersten sechs Monaten 2016 brach der Überschuss um mehr als 40 Prozent auf 372 Millionen Euro ein, wie die Bank bereits vor einer Woche mitgeteilt hatte. Der operative Gewinn sackte in der gleichen Größenordnung auf 615 Millionen Euro ab. Das Zinstief machte der Commerzbank ebenso zu schaffen wie die Unruhe an den Kapitalmärkten. In der zweiten Jahreshälfte will der neue Vorstandschef Martin Zielke seine Strategie vorlegen, mit der er das Ruder herumreißen möchte.

Am kostenlosen Girokonto sowie einem umfangreichen Filialnetz mit aktuell bundesweit 1050 Standorten will die Bank festhalten und Strafzinsen für Privatkunden vermeiden: "Aktuell planen wir nicht, bei Privatkunden einen Preis auf deren Einlagen zu schreiben und Negativzinsen zu erheben", sagte der neue Privatkundenchef Michael Mandel.



An anderer Stelle ziehen die Gebühren an, etwa bei Kreditkarten, Wertpapierdepots und für Überweisungen, die am Schalter abgegeben werden. Auch Geschäftskunden müssen sich auf höhere Preise einstellen. Als Marktführer im Mittelstandsgeschäft sieht sich das Institut dabei nach Angaben von Finanzchef Engels als Vorreiter für die Branche.

Die Commerzbank in Saarbrücken sieht sich trotz des turbulenten Umfelds auf gutem Weg. "Wir haben netto 990 Kunden gewonnen", sagt der für Privatkunden zuständige Niederlassungsleiter David Schüler. Gründe für die positive Entwicklung seien die verstärkte Kreditnachfrage sowie das kostenlose Girokonto.

Im jüngsten Stresstest der europäischen Bankenaufseher sackte die harte Kernkapitalquote der Commerzbank im Krisenszenario auf nur noch 7,4 Prozent ab. Das war der achtschwächste Wert aller 51 überprüften Großbanken.