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Tarifstreit beigelegt
Busfahrerstreiks endgültig vom Tisch

 Bei Saar-Mobil und den anderen privaten Busbetrieben bekommen die Mitarbeiter deutlich mehr Geld.
Bei Saar-Mobil und den anderen privaten Busbetrieben bekommen die Mitarbeiter deutlich mehr Geld. FOTO: Thorsten Wolf
Saarbrücken. Im privaten Busgewerbe des Saarlands haben sich Arbeitgeber und die Gewerkschaft Verdi überraschend auf einen Tarifvertrag verständigt. Von Volker Meyer zu Tittingdorf
Volker Meyer zu Tittingdorf

Der drohende unbefristete Streik der Busfahrer in den privaten Unternehmen ist abgewendet. Der Landesverband Verkehrsgewerbe Saarland und die Gewerkschaft Verdi haben sich am Montagabend in der vierten Verhandlungsrunde auf einen Tarifvertrag für die mehr als 900 Beschäftigten verständigt. „Wir sind alle überrascht“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Christian Umlauf. Im vergangenen Herbst hatte es noch ganz anders ausgesehen. Die Zeichen standen auf Streik. Hans Gassert, der Vorsitzende der Fachvereinigung Omnibusverkehr im Landesverband Verkehrsgewerbe, hatte im Oktober noch Härte gezeigt und angekündigt: „Wir werden mit Verdi keinen Tarifvertrag abschließen.“ Nun gibt es doch einen Abschluss – ganz ohne weiteren Warnstreik geschweige denn einen unbefristeten Arbeitskampf. „Das ist ein guter Tag für die Nutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs. Denn es gibt keine Streiks“, sagte Verbandsgeschäftsführer Hartwig Schmidt.


„Bei einer Laufzeit von drei Jahren haben sich beide Seiten auf eine Tarifsteigerung von knapp sechs Prozent pro Jahr verständigt“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Tarifparteien. Sie setzt sich aus einer Vielzahl von Verbesserungen zusammen: zweiprozentigen Lohnerhöhungen pro Jahr, einer stufenweise Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 41 auf 40 Stunden bei vollem Lohnausgleich, höherer Jahressonderzahlung und höheren Zuschlägen für Überstunden und Nachtfahrten.

Dazu kommen neue Pausenregelungen, wonach mehr Unterbrechungszeiten bezahlt werden: statt 30 nun 60 Minuten pro Schicht. Auch die sogenannten geteilten Dienste mit Fahrten etwa am Morgen und dann wieder am Nachmittag werden komfortabler geregelt. Höchstens 13 statt bisher 15 Stunden darf so eine geteilte Tagesschicht insgesamt dauern, und zwischen den Teilschichten müssen mindestens zwei Stunden Pause liegen. Diese Vereinbarungen „tragen zu einer deutlich höheren Attraktivität des Berufs des Busfahrers im privaten Omnibusgewerbe bei“, heißt es in der Mitteilung beider Seiten.



Mit dem Tarifabschluss ist auch ein langer Streit zwischen dem Arbeitgeberverband und Verdi beigelegt. 2009 war die private Busbranche im Saarland wegen mehrerer Konflikte aus der Partnerschaft mit Verdi ausgestiegen und hatte einen Tarifvertrag mit der kleinen Gewerkschaft abgeschlossen. Der Verband hatte den Eindruck, dass Verdi einen Feldzug gegen die privaten Unternehmen führte. In den Verhandlungen der vergangenen Wochen habe Verdi aber überzeugend klargemacht, dass die Gewerkschaft nicht auf das „Veschwinden der Privaten“ hinarbeite, sagte Verbandsgeschäftsführer Schmidt. Ein Problem beliebt nun aber: In 50 Unternehmen würden nun zwei Tarifverträge gelten. Die Branche wolle an der Partnerschaft mit der GÖD festhalten, strebt aber an, zu einem einzigen gemeinsamen Tarifvertrag zu kommen.

Ein weiteres Problem: Der jetzige Abschluss sei doppelt so hoch wie die durchschnittlich in den Verträgen mit den Auftraggebern eingeplante Tariferhöhung. Der Landesverband Verkehrsgewerbe und Verdi sind sich aber einig, dass „dieser hohe Tarifabschluss notwendig ist, um Fachkräfte zu halten und neue zu gewinnen“. Wie es in der Mitteilung heißt, wollen beide Seiten daher gemeinsam bei den politisch Verantwortlichen auf „eine bessere finanzielle Ausstattung“ drängen.