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Mehr Chancen im Berufsleben
Bündnis will Ältere für die Arbeit fit machen

Ältere Arbeitnehmer gehören noch längst nicht zum alten Eisen. Das Zukunftsbündnis Fachkräfte will ihre Chancen erhöhen.
Ältere Arbeitnehmer gehören noch längst nicht zum alten Eisen. Das Zukunftsbündnis Fachkräfte will ihre Chancen erhöhen. FOTO: dpa / Jan Woitas
Saarbrücken. Die Mitstreiter wollen erreichen, dass der Fachkräftebedarf verkleinert wird. Im Fokus stehen vor allem Menschen ohne Berufsabschluss. Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Mit einem groß angelegten neuen Aktionsprogramm will das Zukunftsbündnis Fachkräfte Saar (ZFS) erreichen, dass vor allem gering qualifizierte ältere Arbeitnehmer den Wiedereinstieg ins Berufsleben schaffen. Es sollen aber auch jüngere Leute zwischen 25 und 35 Jahren angesprochen werden, die ihren Berufsabschluss nachholen möchten. Das kündigte Saar-Arbeitsministerin Anke Rehlinger (SPD) gestern vor der Landespressekonferenz an. Die Frauen und Männer sollen jedoch nicht nach klassischen Qualifikationsmustern weitergebildet werden, „sondern bedarfsgerecht“, sagte die Ministerin. „Die Weiterbildung soll sich stärker am tatsächlichen betrieblichen Bedarf orientieren als am jeweiligen Ausbildungsabschluss.“


Das ZFS gibt es seit 2014. Mitwirkende sind die Wirtschaftskammern, die Gewerkschaften, die Arbeitgeberverbände und die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit (BA). Jeder von ihnen ihnen will seinen Teil dazu beitragen, „dass dieses Aktionsprogramm ein Erfolg wird“, sagte Rehlinger. Einige Branchen hätten bereits große Schwierigkeiten, ihre Stellen zu besetzen.

So wollen die Vertreter der Unternehmen in ihren Mitgliedsfirmen beispielsweise dafür werben, „ältere Arbeitslose im Bewerbungsverfahren zu berücksichtigen“ oder sicherzustellen, „dass Arbeitsplätze altersgerecht ausgestattet werden“. Die Arbeitsagentur Saar will die Frauen und Männer, die für das Aktionsprogramm infrage kommen, intensiv beraten und „insbesondere bildungsbenachteiligten Menschen den Zugang zur Weiterbildung erleichtern“. Die Jobcenter verpflichten sich unter anderem, verstärkt betriebliche Praktika für ältere Arbeitnehmer einzuwerben.



Die Industrie und Handelskammer (IHK) Saar will im Rahmen des neuen Aktionsprogramms zusammen mit den regionalen Bildungsträgern gezielt Lernangebote entwickeln, die auf die Zielgruppe der wenig qualifizierten Älteren zugeschnitten sind. Die Angebote könnten „auch einzelne Bausteine eines Ausbildungsberufs enthalten enthalten“, heißt es in dem Aktionsprogramm. Dies könne sogar dazu führen, dass sich die Frauen und Männer am Ende auch für die Ausbildungs-Abschlussprüfung in einem Beruf ihrer Wahl angemeldet werden können.

Die Arbeitskammer und die Gewerkschaften wollen helfen, Frauen und Männer, die für das Programm infrage kommen, „systematisch zu identifizieren und zu motivieren“.

Das Arbeitsministerium will unter anderem ein neues Landesarbeitsmarktprogramm auflegen, das unter „Frauen in Arbeit“ firmieren soll. Minsterin Rehlinger will damit den Frauenanteil an den Erwerbstätigen erhöhen. Außerdem soll die „Servicestelle Ü 55“, die bei der Standortfördergesellschaft Saaris angesiedelt ist, „konzeptionell weiterentwickelt werden“. Die Servicestelle berät Frauen und Männer jenseits der 55 Jahre über berufliche Möglichkeiten.

Saar-Arbeitsministerin Anke Rehlinger
Saar-Arbeitsministerin Anke Rehlinger FOTO: Peter_Kerkrath