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„Bitte ankreuzen“ bei Interesse an einem Kaiser's Supermarkt

Ein Schild mit der Aufschrift „Ich muss raus“ steht vor einer Kaiser's-Filiale in Mönchengladbach, die zum Verkauf steht. Foto: Kastl/dpa
Ein Schild mit der Aufschrift „Ich muss raus“ steht vor einer Kaiser's-Filiale in Mönchengladbach, die zum Verkauf steht. Foto: Kastl/dpa FOTO: Kastl/dpa
Mülheim. Der erste große Block an Filialen der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann stehen zum Verkauf. Nach Expertenmeinung könnte die Zerschlagung für das Familienunternehmen lukrativer sein als ein Komplettverkauf. Agentur

Bei rund 100 Kaiser's-Tengelmann-Filialen in Nordrhein-Westfalen wird potenziellen Käufern der erste Schritt ganz einfach gemacht. Als ginge es um die Zubehörliste für das neue Auto, müssen die Interessenten für sie attraktive Filialen auf der verschickten Angebotsliste einfach nur ankreuzen - und das Papier zusammen mit einer unterzeichneten Vertraulichkeitsvereinbarung an das Mülheimer Familienunternehmen zurücksenden.



"Streng vertraulich" steht über der drei Seiten umfassenden "Standortliste Nordrhein". Aufgeführt sind darin 97 Filialen zwischen Mülheim an der Ruhr und Frechen sowie fünf sogenannte Pipeline-Standorte, die geplant waren, aber noch nicht eröffnet wurden. Eine Extra-Spalte bietet den Interessenten unter der Überschrift "Relevante Standorte (bitte ankreuzen)" die Möglichkeit, ihre Auswahl zu treffen. Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub hat es eilig. Bis zum Mittwoch kommender Woche sollen mögliche Käufer ihr Interesse an den angebotenen Filialen in Nordrhein-Westfalen mitteilen, heißt es im Anschreiben.

Ausdrücklich kündigte das Unternehmen an, "großteilige Paketlösungen" bevorzugt zu behandeln. Viele der Filialen in Nordrhein-Westfalen gelten als unattraktiv. "Ich wäre froh, wenn wir für 30 bis 40 Filialen Supermarktbetreiber finden könnten", sagte Haub kürzlich der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Das Verkaufsverfahren für die Geschäfte in Berlin und München soll wahrscheinlich Anfang 2017 starten.

Eigentlich wollte Haub Kaiser's Tengelmann an Edeka verkaufen. Mit einer Ministererlaubnis schien dies trotz des Vetos des Bundeskartellamts möglich. Doch seit einer Eilentscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf auf Antrag der Handelskonzerne Rewe, Markant und Norma liegt die Übernahme auf Eis. Da die Handelskonzerne sich nicht einigen konnten, hat Haub mit der Zerschlagung begonnen.

Die s könnte für den Unternehmenschef aber lukrativer sein als der Komplettverkauf, glaubt Joachim Stumpf, Geschäftsführer der Handelsberatung BBE: "Gerade bei den attraktiven Märkten dürfte es ein Wettbieten geben, das die Preise in die Höhe treibt." Denn die Übernahme der Filialen könne den Wettbewerbern vor allem in Berlin und München Expansionserfolge bringen, die sonst in Jahrzehnten nicht zu erreichen seien. "Da werden hohe Preise aufgerufen werden", ist Branchenkenner Stumpf überzeugt. Nicht nur für Rewe oder Edeka seien Filialen interessant, sondern auch für kleinere Handelsketten wie Tegut oder Feneberg sowie für Bio-Supermärkte und auch große Drogeriemarkt ketten.