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Trickserei beim Zahlen von Essen und Kaffee
Betrug mit Kantinen-Karten bei ZF

Eine Geldkarten-Affäre sorgt bei ZF in Saarbrücken für Unruhe.
Eine Geldkarten-Affäre sorgt bei ZF in Saarbrücken für Unruhe. FOTO: Daniela Hussong
Saarbrücken. An saarländischen Standorten des Autozulieferers ist beim Zahlen von Essen und Kaffee getrickst worden. Von Michael Jungmann
Michael Jungmann

Bei dem Getriebehersteller ZF, mit mehr als 8400 Mitarbeitern an vier Standorten (Saarbrücken, Güdingen, Gersweiler und Neunkirchen) größter Industrie-Arbeitgeber im Saarland, sind teils gravierende Unregelmäßigkeiten mit Katinen-Karten aufgeflogen. Dabei handelt es sich offenbar um Betriebsausweise, die über eine Zusatzfunktion an Kassenautomaten mit Geldbeträgen aufgeladen werden können, um damit in der Kantine sowie an Kaffee- und Verpflegungsautomaten bargeldlos zu bezahlen. Wie es heißt, sollen auch Karten, die Gäste gegen Pfand am Automaten erhalten, für gezielte Manipulationen genutzt worden sein.


ZF-Pressesprecherin Karin Markenstein bestätigte entsprechende Informationen unserer Zeitung auf Anfrage. Diese Unregelmäßigkeiten seien bereits vor Wochen aufgefallen. Das Unternehmen habe interne Konsequenzen gezogen. Markenstein betont: „ZF ist kein Schaden entstanden.“ Die Automaten werden demnach von einem Dienstleister betrieben und abgerechnet, der die Kantinenessen mit dem Unternehmen verrechnet.

Im Zusammenhang mit den Vorfällen hat sich ZF am Standort Saarbrücken bereits von mehreren Mitarbeitern getrennt. In einem Fall wurde angeblich eine fristlose Kündigung ausgesprochen, mit drei oder vier weiteren Mitarbeitern wurden Aufhebungsverträge abgeschlossen. Darunter soll auch ein bisheriges Betriebsratsmitglied sein, das in einer Kommune im Regionalverband kommunalpolitisch aktiv ist.



Bei dem Dienstleister, der bei ZF im Saarland rund 150 Automaten betreibt und bestückt, handelt es sich um die Dallmayr Automaten-Service GmbH mit Sitz in Merzig, eine Tochterfirma des Münchener Kaffeeunternehmen Dallmayr. Wolfgang Schwarzenberger, Geschäftsführer der GmbH, erklärte zu der sogenannten Kartenaffäre: „Wir werden wegen der laufenden polizeilichen Ermittlungen derzeit dazu keine Stellungnahme abgeben.“

Betrugsermittler des Saarbrücker Kriminaldienstes sind seit Wochen eingeschaltet. Nach Informationen unserer Zeitung hat ZF den Beamten mehrere sichergestellte Karten zur Verfügung gestellt, die jetzt intensiv auf betrügerische Machenschaften ausgewertet werden. Bei Vernehmungen soll wiederholt der Name eines gefeuerten Mitarbeiters mit Adresse im benachbarten Lothringen gefallen sein.

Auch bei der Dallmayr GmbH in Merzig laufen die internen Auswertungen und Recherchen offenbar auf Hochtouren. Etwa 300♦000 Transaktionen pro Monat müssen auf Auffälligkeiten hin gesichtet werden. Was Zeit kostet.

Nach dem bisherigen Stand der Dinge steht wohl fest: Auf mehreren Karten wurde Guthaben von außen, also nicht über die regulären Kassenautomaten aufgeladen. Die Höhe des Schadens kann bislang noch nicht beziffert werden. In diesem Zusammenhang schießen Spekulationen ins Kraut, wenn etwa sechsstellige Summen gehandelt werden. Die Ermittler können derzeit wohl wenige Fälle mit einem Schaden unter 1000 Euro rekonstruieren. Die Auswertung ist aber erst am Anfang.

Über die Arbeitsweise und das Vorgehen der Betrüger war bislang nur zu erfahren, dass vermutlich die Geldkarten über im Internet erhältliche Lesegeräte ausgelesen wurden. Die Guthaben seien dann mit einer speziellen Software überschrieben worden. Ein konstruiertes Beispiel dazu: Der Kartenbesitzer oder Lieferant legt dem „Kollegen“ mit der Spezialsoftware 20 Euro auf den Tisch und der erhöht das Kartenguthaben auf vielleicht 50 Euro.