| 20:38 Uhr

Autozulieferer
Keine Bewegung im Streit um Halberg Guss

Rund 600 Beschäftigte der Neuen Halberg Guss waren gestern nach Frankfurt gereist, um zu demonstrieren.
Rund 600 Beschäftigte der Neuen Halberg Guss waren gestern nach Frankfurt gereist, um zu demonstrieren. FOTO: dpa / Arne Dedert
Frankfurt/Saarbrücken. Die Verhandlungen um einen Sozialtarifvertrag bei der Neuen Halberg Guss sind vorerst gescheitert. Offen ist, wie es weitergeht.

Nach vier Wochen Streik und zähen Verhandlungen zeichnet sich beim Autozulieferer Neue Halberg Guss (NHG) weiter keine Lösung des Konflikts ab. Die IG Metall und das Management der Prevent-Tochter konnten sich gestern in Frankfurt auf keinen Sozialtarifvertrag einigen, wie beide Seiten bestätigten. Die Verhandlungen waren von Protesten begleitet worden, an denen rund 600 Beschäftigte aus Saarbrücken und Leipzig teilnahmen.


Streitpunkte waren unter anderem die Abfindungen und Sozialleistungen für Beschäftigte, die entlassen werden sollen. Der Standort Leipzig soll zum Ende kommenden Jahres geschlossen werden. Ein neuer Gesprächstermin wurde laut IG Metall nicht vereinbart, dafür sehen sich die Streitparteien aber bereits heute wieder bei einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Frankfurt. Das Management will den Arbeitskampf für nicht rechtmäßig erklären lassen. Allerdings haben die Arbeitsgerichte in Saarbrücken und Leipzig bereits in vorangegangenen Entscheidungen den Streik für rechtmäßig erklärt.

Das Unternehmen hatte ein neues Angebot vorgelegt. Das Management bot nach eigenen Angaben den zur Entlassung stehenden Mitarbeitern Abfindungen an, wenn der seit vier Wochen andauernde Streik umgehend beendet werde. Auch sollte eine Transferagentur eingerichtet werden. Die verbleibenden Beschäftigten im Saarbrücker Stammwerk sollten bis zum Ende des kommenden Jahres vor Kündigungen geschützt werden und zu den Regelungen des IG-Metall-Flächentarifvertrags mit der 35-Stunden-Woche zurückkehren können, teilte das Unternehmen mit.

Die IG Metall sprach von einer Verschlechterung der bisherigen Offerte. Die Geschäftsführung habe sich nicht einen Millimeter nach vorn bewegt, sondern zurück, erklärte Verhandlungsführer Uwe Schütz. Das Verhalten der Arbeitgeber „ist mir nur schwer zu erklären“, sagte Patrick Selzer, 2. Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Saarbrücken und Mitglied der Verhandlungskomission. Die Verhandlung habe „das Klima zwischen Management und IG Metall weiter belastet: Es scheinen ausschließlich wir zu sein, die eine schnelle Lösung des Konflikts anstreben, die Arbeitgeberseite hat dazu nichts beigetragen“, so Selzer weiter. Ein Sprecher der NHG erklärte sein Bedauern über das Scheitern.

Bei den Abfindungen hat NHG nach eigenen Angaben am Donnerstag einen Faktor von 0,4 Bruttogehältern pro Jahr der Betriebsangehörigkeit angeboten. Laut IG Metall war in früheren Gesprächen von einem Faktor 0,6 die Rede. Die Gewerkschaft will bislang 3,5 Bruttogehälter.



Der Hersteller von Motorblöcken und Antriebswellen gehört zur Prevent-Gruppe, die sich vor allem mit VW erbittert um Lieferkonditionen gestritten und Aufträge verloren hat. Das Management will das NHG-Werk Leipzig mit 700 Beschäftigten Ende 2019 schließen. Im Stammwerk Saarbrücken mit 1500 Beschäftigten wurde zuletzt ein Abbau von 300 Jobs erwogen. Die Beschäftigten streiken seit dem 14. Juni für einen Sozialtarifplan. NHG-Geschäftsführer Alexander Gerstung forderte ein Ende des Streiks, um nicht weitere Aufträge zu verlieren. In den vergangenen Tagen hätten mehrere Kunden angekündigt, die für die Produktion notwendigen Werkzeuge aus den NHG-Werken abzuziehen. „Entscheidend ist jetzt, unverzüglich den Betrieb wieder aufzunehmen und unsere langjährigen Kunden wieder zu beliefern. Nur so können wir die Arbeitsplätze sichern“, erklärte Gerstung,

(low)