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Grüne Woche
Bayerns Agrarminister sieht bei Bürgern Scheinheiligkeit

Berlin/Saarbrücken. Zum Start der Internationalen Grüne Woche in Berlin wird der Ruf nach mehr Tier- und Umweltschutz in der Landwirtschaft lauter – auch die Macht der Verbraucher rückt in den Blick. So sieht Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (CSU) auch Defizite bei den Verbrauchern. „Ich habe den Eindruck, es ist sogar teilweise Scheinheiligkeit dabei, wenn man auf der einen Seite hohe Standards einfordert von unseren Bauern, aber dennoch nicht bereit ist, die höheren Produktionskosten auch zu honorieren“, sagte Brunner.

Mehrere Verbände protestierten  gegen Riesenställe und forderten schärfere gesetzliche Regeln. Die Umweltorganisation Greenpeace verlangte: „Wir brauchen eine ökologische Agrarwende, mit der Tiere besser gehalten und in der weniger Gülle und Antibiotika eingesetzt werden.“ Bauern sollten auf das umstrittene Unkrautgift Glyphosat und bienengefährdende Pestizide verzichten. Am Funkturm auf dem Messegelände befestigten Kletterer der Organisation am Morgen ein Transparent mit der Aufschrift „Lasst die Sau raus“, um für eine bessere Tierhaltung zu demonstrieren.



Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) sagte beim Eröffnungsrundgang der Messe: „Landwirtschaft gehört in die Mitte der Gesellschaft.“ Bei der Ernährungssicherung trage sie „größte Verantwortung“. Im Zentrum der Diskussionen stünden Tierwohl und Ackerbau, auch mit geringerem Einsatz von Unkrautvernichtern.

Bei der 83. Auflage der Messe präsentieren sich bis zum 28. Januar 1660 Aussteller aus 66 Ländern. Partnerland ist in diesem Jahr Bulgarien. Erwartet werden 400 000 Besucher.

Am Rand der Grünen Woche trafen sich die Agarminister des Bundes und der Länder mit dem EU-Agrarkommissar Phil Hogan. Der saarländische Landwirtschaftsminister Reinhold Jost (SPD) appellierte an den Kommissar, den angekündigten Bürokratie-Abbau auch in die Tat umzusetzen: „Es kann nicht sein, dass wir für einen Euro Förderung 50 Cent Verwaltungskosten und mehr haben“, sagte Jost. Für die künftigen EU-Programme wünscht er sich nach Angaben des Ministeriums zudem mehr Vertrauen der Kommission in die Kontrollsysteme der Mitgliedsstaaten.