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Bauwirtschaft
Bau-Boom kommt im Saarland kaum an

Die Zahl der Beschäftigten in der saarländischen Bauindustrie ist laut AGV Bau leicht gestiegen.
Die Zahl der Beschäftigten in der saarländischen Bauindustrie ist laut AGV Bau leicht gestiegen. FOTO: Wolfram Kastl/dpa / dpa
Saarbrücken. Die Bauindustrie in Deutschland brummt. Im Saarland bleibt das Wachstum aber weit hinter dem Bundesdurchschnitt zurück. Der Arbeitgeberverband AGV Bau Saar sieht sich trotzdem hohen Tarifforderungen der Gewerkschaft konfrontiert. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Die saarländische Bauindustrie hinkt bei der Anzahl der Beschäftigten, beim Umsatz und beim Auftragseingang hinter der bundesdeutschen Entwicklung hinterher. Das sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Bauwirtschaft (AGV Bau Saar), Claus Weyers, gegenüber unserer Zeitung. So ist die Anzahl der Mitarbeiter in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres um 0,9 Prozent auf rund 5060 angestiegen. Im Bund erreichte diese Rate ein Plus von sechs Prozent. Bundesweit waren Ende November etwa 442 000 Frauen und Männer am Bau beschäftigt. Der Umsatz erhöhte sich bei den Saar-Firmen von Januar bis November um 0,5 Prozent auf etwa 745 Millionen Euro. Im Bund kletterten die Erlöse in dieser Zeit um 9,3 Prozent auf 69,2 Milliarden Euro. Beim Auftragseingang konnte die saarländische Bauindustrie mit dem Bund gleichziehen. Der Wert der Aufträge zog jeweils um 5,1 Prozent an. Im Saarland lag er bei knapp 823 Millionen Euro, bundesweit bei 65,7 Milliarden Euro.



AGV Bau: Kommunen vergeben kaum Aufträge im Tiefbau

Allerdings werden in dieser Statistik nur Unternehmen erfasst, die 20 und mehr Beschäftigte haben. Die kleineren Firmen mit weniger als 20 Mitarbeitern seien im Saarland allerdings in der Überzahl. Dazu zählen Weyers zufolge viele Ausbaugewerke wie Fliesenleger, Stuckateure, Maler oder Dachdecker. Seiner Beobachtung nach würden sich diese Branchen positiv entwickeln. „Die meisten haben gut zu tun, eine Auslastung von 100 Prozent registrieren wir aber nicht“, sagte der Verbands­chef. Schwach ausgelastet sei der Tiefbau. Hier mache sich bemerkbar, dass die saarländischen Kommunen als wichtigster Auftraggeber für Tiefbau-Unternehmen wegen ihrer angespannten Kassenlage kaum Aufträge vergeben.

Zu wenig qualifiziertes Personal

Claus Weyers, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Bauwirtschaft im Saarland
Claus Weyers, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Bauwirtschaft im Saarland FOTO: AGV Bau


„Insgesamt sind wir aber mit der Entwicklung der saarländischen Bauwirtschaft zufrieden“, sagt Weyers. „Obwohl wir nicht die bundesweiten Wachstumsraten erreichen, geht es auch bei uns konstant nach oben.“ Ein Hemmnis sei der zunehmende Mangel an qualifiziertem Personal, „obwohl die Branche gut zahlt und wir sichere Arbeitsplätze anbieten“.

Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Geld

Die Branche steht auch vor einer Tarifrunde. Die Bauindustrie hat inzwischen ihre Strategie für die bevorstehenden Verhandlungen ausgearbeitet. Die beiden Tarifparteien treffen sich zu einem ersten Schlagabtausch am kommenden Mittwoch in Wiesbaden. Die Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) fordert sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwölf Monate. Darüber hinaus will die Gewerkschaft ein 13. Monatsgehalt für die gesamte Branche durchsetzen. Derzeit werden 55 Prozent eines Gehalts beziehungsweise mindestens 780 Euro bezahlt. Weiterhin will die IG BAU erreichen, dass die gesamte Wegezeit als Arbeitszeit vergütet werden soll.

Streit um Vergütung der Wegezeiten

Vor allem diese Forderung lehnen die Arbeitgeber einhellig ab. Dies würde dazu führen, dass die Entgeltkosten „spürbar ansteigen werden“, kritisiert der Chef des AGV Bau Saar. Die saarländischen Firmen würden immer häufiger Aufträge außerhalb des Landes annehmen – bis hin in die Rhein-Main-Region. Ihre Arbeitnehmer wollten allerdings häufig abends bei ihren Familien sein. Dafür seien sie bereit, lange Wege in Kauf zu nehmen. „Wenn diese Zeit zu 100 Prozent vergütet wird, gefährdet dies die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen“, ist Weyers überzeugt. Viele konkurrierende Firmen würden bereits mit Subunternehmern arbeiten. Deren Mitarbeiter, die häufig aus Osteuropa kommen, seien in der Nähe der Baustellen untergebracht. Ihnen würden zwar Auslöse-Spesen gezahlt, doch diese würden die Arbeitgeber weniger kosten – auch wenn den Beschäftigten der Mindestlohn nach dem Endsendegesetz gezahlt wird. Dieser liegt derzeit bei 14,95 Euro für Facharbeiter und bei 11,75 Euro für Ungelernte. Der Branchensekretär Saar der IG BAU, Markus Andler, verteidigte die Forderungen der Gewerkschaft. Die Unternehmen würden gut verdienen. Daher sei eine Entgelt-Anhebung von sechs Prozent berechtigt. Auch das volle 13. Monatsgehalt sei gerechtfertigt. Bei den Fahrzeiten müsse ebenfalls eine Regelung getroffen werden.