| 21:09 Uhr

Flüchtlinge als Gründer
Syrische Spezialitäten als Geschäftsmodell

Die Syrerin Basma Kaldi hat in ihrer Heimat ursprünglich Jura studiert. Nun hat sie sich mit einem Catering-Unternehmen für syrische Spezialitäten selbstständig gemacht.
Die Syrerin Basma Kaldi hat in ihrer Heimat ursprünglich Jura studiert. Nun hat sie sich mit einem Catering-Unternehmen für syrische Spezialitäten selbstständig gemacht. FOTO: Rich Serra
Saarbrücken. Im Rahmen der Initiative Perspektive Neustart haben Flüchtlinge eigene Unternehmen gegründet. Darunter Basma Kaldis Orient Catering Saar. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Die Syrerin Basma Kaldi (53) hat viele Talente. In Damaskus hat sie Jura studiert, musste dann aber 1997 aus dem Land fliehen, weil sie sich an der Universität politisch gegen das Regime engagiert hatte. In Deutschland hat sie dann unterschiedlichste Dinge in Angriff genommen, von der Tagesmutter bis hin zur Bürokauffrau hat sie verschiedene Beschäftigungen ausgeübt, um sich und ihre Kinder durchzubringen. Das Talent, mit dem sie nun ihr eigenes Unternehmen aufbaut, hatte sie ursprünglich als eine Selbstverständlichkeit angesehen. „In Syrien müssen alle Mädchen kochen lernen. Aber offensichtlich bin ich eine gute Köchin“, sagt sie. Kaldis Essen, das zeigte sich bei diversen Feiern, schmeckte den Besuchern immer besonders gut. Aus ihrem Talent wurde erst eine Geschäftsidee, dann ein Unternehmen: Orient Catering Saar.


Die Idee für ihr Unternehmen hatte Kaldi bereits vor Jahren. Während sie anfangs noch von Zuhause aus gekocht und ein Nebengewerbe angemeldet hat, wurde Orient Catering Saar dann im Rahmen der Initiative „Perspektive Neustart“ des IQ-Netzwerks Saar professionalisiert. Im Projekt werden Flüchtlinge bei der Unternehmensgründung beraten. Eine erste Projektrunde ist vor wenigen Wochen abgelaufen, eine weitere ist in Planung.

Ein Jahr lang haben die IQ-Berater zehn Gründer mit erfolgversprechenden Geschäftsideen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet und unterstützt. Auch Kaldi sagt rückblickend, dass sie ohne die Hilfe des Netzwerks den Unternehmensstart nicht geschafft hätte. „Die Berater haben uns so betreut, wie eine Mutter ihre Kinder begleitet und fördert“, sagt sie. Wichtig seien vor allem die betriebswirtschaftlichen Schulungen und die Hilfe bei der Aufstellung eines Business-Plans gewesen.



Noch kann Kaldi von ihrem Unternehmen nicht leben. Als auskömmliche Grundlage braucht sie Stammkunden, wie beispielsweise Krankenhäuser, Kitas, Unternehmen oder Verbände, die sie regelmäßig buchen. Doch der Grundstein ist gelegt, sie wird für unterschiedlichste Veranstaltungen angefragt: „Mal ist es eine private Hochzeit, mal auch eine Großveranstaltung“, sagt sie. Die größte Herausforderung bisher war ein Buffet der Stadt Saarbrücken mit 850 Teilnehmern. Um die Kundenbasis auszuweiten, will sie jetzt noch aktiver für ihren Catering-Service werben.

Obwohl Kaldi weder ein Auto noch einen Führerschein hat und sie bisher auch noch als Einzelunternehmerin unterwegs ist, bietet sie Catering im gesamten Saarland an. Funktionieren kann das nur, weil flexible Helfer und ihre Familie sie bei Bedarf unterstützen. Und längst kocht sie auch nicht mehr in ihrer heimischen Wohnung. Aktuell nutzt sie eine professionelle Küche bei einem Integrations-Verein in Saarbrücken.

Noch sind das Provisorien, doch der nächste Schritt steht bereits an: Sie will sich eine eigene Küche mieten, in der sie unabhängiger arbeiten kann. Um das zu finanzieren, ist sie aktuell auf Investorensuche. Denn alles Geld, das Orient Catering bisher verdient hat, steckt nun in der Ausrüstung. „Ich habe ohne finanzielle Möglichkeiten heraus gegründet“, sagt sie und lobt dabei auch die große Unterstützungsbereitschaft des Jobcenters. Jetzt hofft sie angesichts der Erfolgsperspektive auch Finanzpartner für ein Engagement begeistern zu können. Wenn sie das Geld für Küche und Auto zusammenbekomme, stünde das Unternehmen auf sicheren Beinen.

Dass sie mit ihrem Catering auf dem richtigen Weg ist, zeigen ihr die vielen positiven Rückmeldungen und der Verlauf des Gründungsjahres: „Natürlich gibt es bei den Buchungen Schwankungen je nach Saison. Aber ich hatte in der gesamten Zeit nur einen Monat ohne Buchungen. Und es werden immer mehr“, sagt Kaldi. Vor allem seien es aber deutsche Kunden, die ihr Catering ordern. „Syrische Frauen kochen eben selbst.“