| 21:04 Uhr

Neuer Taktfahrplan bei der Bahn geplant
Deutschland-Takt der Bahn soll kommen

Die Bahn will ab 2030 einen festen Deutschland-Takt einführen, der die Fernverbindungen verlässlicher macht.
Die Bahn will ab 2030 einen festen Deutschland-Takt einführen, der die Fernverbindungen verlässlicher macht. FOTO: dpa / Daniel Reinhardt
Berlin/Saarbrücken. Bundesverkehrsministerium will Fernzüge zu festen Zeiten fahren lassen und so lange Umsteigezeiten verringern. dpa/ts

Für Bahnreisende in ganz Deutschland soll in den nächsten Jahren ein grundlegend neues System mit besser abgestimmten Umsteige-Verbindungen aufgebaut werden. „Der Deutschland-Takt macht das Bahnfahren pünktlicher, schneller und die Anschlüsse direkter und verlässlicher“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gestern in Berlin. Das bedeute für die Kunden in Zukunft kürzere Aufenthalte an Bahnhöfen und kürzere Fahrzeiten. Die Bundesregierung strebt an, die bereits seit Jahren diskutierte engere Verzahnung von Nahverkehrs- und Fernzugangeboten bis zum Jahr 2030 umzusetzen.


Konkret sehen die Pläne vor, dass auf Hauptachsen alle 30 Minuten ein Zug fährt. Dies geht aus dem  neuen Entwurf für einen Zielfahrplan des Deutschland-Takts hervor. Das Bundeswirtschaftsministerium verspricht sich von dem neuen Konzept, dass sich durch besser abgestimmte Anschlüsse und Streckenausbauten Reisezeiten verkürzen. Im Entwurf ist das Beispiel zwischen Stuttgart und Hamburg berechnet Demnach soll sich die Fahrzeit mit Hilfe des Deutschland-Taktes künftig von derzeit noch fünf Stunden und zehn Minuten auf künftig nur noch viereinhalb Stunden verkürzen. Fahrten zwischen Berlin und Düsseldorf dauern  statt  vier Stunden und vierzehn Minuten nur noch rund dreieinhalb Stunden. Grundlage für den neuen Deutschland-Taktfahrplan ist, dass an wichtigen Knotenpunkten Züge ungefähr zeitgleich eintreffen und kurz darauf wieder abfahren.

In der Branche wir der Deutschland-Takt unterschiedlich bewertet. Die Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt das Modell. Branchenexperte Georg Kolbe sagte gestern der Deutschen Presseagentur, davon könne der Fahrgast profitieren. Die „Reisekette“ könne sehr zügig und verbraucherfreundlich werden. Die Einführung sei aber ein langfristiges Thema, es müsse Infrastruktur geplant und gebaut werden. Ein Deutschland-Takt könne vielleicht in zehn, 15 oder 20 Jahren funktionieren, wenn er heute auf den Weg gebracht wird. „Dafür braucht man viel Geld und einen langen Atem.“



Der private Verkehrsanbieter Flixmobility sieht dagegen das Fahrplan-Modell skeptisch. „Das ist ein politischer Fahrplan“, sagte Geschäftsführer André Schwämmlein. „Es ist nicht  krisenentscheidend, ob jemand nach einer ICE Fahrt zum Beispiel in München den Anschluss nach Rosenheim bekommt.“ Viel wichtiger sei es, die Hauptstrecken auszubauen. „Wir haben ein riesiges Problem bei der Bahn-Infrastruktur und bei der Kapazität des Netzes. Es gibt zu viele Engpässe. Die Infrastruktur muss ausgebaut werden.“ Entscheidend sei, attraktive Angebote für die Passagiere zu schaffen. Das gehe nur über mehr Wettbewerb. Flixmobility ist vor allem durch seine Fernbusmarke Flixbus bekannt, bietet aber unter dem Namen Flixtrain auf einzelnen Strecken auch Zugverbindungen an.

Saarländische Bahnnutzer im Fernverkehr werden voraussichtlich nicht in den Genuss der Verbesserungen kommen. Da es sich beim bundesweiten Fahrplan um ein riesiges Netz an Verbindungen handelt, die jeweils miteinander koordiniert werden müssen, kommt der Deutschland-Takt aller Voraussicht nach nur auf den Hauptstrecken zum Einsatz. Linien wie die von Saarbrücken nach Mannheim werden von der Bahn wie Zubringer behandelt, die Reisende zu den ICE-Fernverbindungen nach Mannheim transportieren. Von dort verläuft eine Hauptachse nach Nord- und Süddeutschland. Schon bisher ist es der Bahn nicht gelungen, die Umsteigezeiten der Saar-Verbindungen zu den ICE-Anschlusszügen so zu gestalten, dass mehr Zeit zum Umsteigen in Mannheim ist. Dies geschah mit dem Hinweis, die Fahrzeiten auf den Hauptachsen hätten in der Planung Vorrang.