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Bafin will Verkauf von Zockerpapieren stoppen

Frankfurt. Bislang ging die Wette mit sogenannten Bonitätsanleihen meist auf. Doch nun will die Bankenaufsicht den Verkauf des beliebten Finanzprodukts an Privatkunden verbieten. Markus Grabitz

Die Zinsen sind im Keller. Da sehnt sich der Sparer nach einer Anlage, die wenigstens etwas Rendite abwirft. Genau so ein Produkt haben die Vertriebsexperten der Finanzindustrie mit den sogenannten Bonitätsanleihen kreiert. Sie wurden eigens für Privatanleger gestrickt. Sparer reißen sie dem Marktführer in diesem Bereich, der baden-württembergischen Landesbank LBBW, und ihrer Konkurrenz förmlich aus den Händen. Wenn alles gut geht, kommt das eingesetzte Kapital nach der vereinbarten Laufzeit zurück, und die Verzinsung stimmt auch noch. Wenn nicht, drohen dem Verbraucher aber hohe Verluste. Bis hin zum Totalausfall seines Kapitals.


Die Bankenaufsicht Bafin will jetzt die Notbremse ziehen. Erstmals seitdem sie mit dem Kleinanlegerschutzgesetz dazu die Möglichkeit hat, will sie den weiteren Verkauf von Bonitätsanleihen an Privatanleger verbieten. Sie hält das Risiko, das der Privatanleger eingeht, für zu hoch. Strukturierte Produkte, die sich auf Kreditrisiken beziehen, könnten für institutionelle Anleger sinnvoll sein, so lautet das Fazit der Bafin. "In die Hände von Privatkunden gehören sie aus unserer Sicht aber nicht", sagt Bafin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele.

Bis September führt die Behörde noch eine schriftliche Anhörung durch, an der sich die Finanzindustrie und Verbraucher beteiligen können. Alle rechnen damit, dass dann als Nächstes das Verbot verhängt wird. Einen Marktanteil von 45 Prozent hat die LBBW. Laut Branchenverband waren hierzulande Ende Mai 6,3 Milliarden Euro in Bonitätsanleihen investiert.

Das Besondere bei den Bonitätsanleihen besteht darin, dass der Anleger eine Wette darauf abschließt, dass das Unternehmen, das sein Geld bekommt, zahlungsfähig bleibt. Zurückgezahlt wird, wenn, wie es im Slang der Branche heißt, "kein Kreditereignis" eintritt. "Kreditereignis" meint aber nicht nur die Pleite, sondern kann auch greifen, wenn das Unternehmen seinen Verbindlichkeiten nicht nachkommt. Wenn man so will, gewährt der Anleger dem Unternehmen mit der Bonitätsanleihe so etwas wie eine Kreditausfallversicherung.

Die Bafin ist überzeugt, dass Anleger ihre Entscheidung weitgehend im Status des Unwissens fällen: "Privatkunden können dies in der Regel nicht bewerten." Sie könnten nicht wissen, schreibt die Bafin, wie hoch die Ausfallwahrscheinlichkeit ist und "ob die Übernahme des Kreditrisikos durch die Höhe des Zinsversprechens adäquat vergütet wird".



Der Anleger hat sogar gleich zwei Mal das Insolvenzrisiko: bei dem Unternehmen, das sein Kapital bekommt, und bei der Bank, die den Deal abwickelt. Bislang sind zwar erst zweimal Anleger geschädigt worden, und zwar im Zusammenhang mit der Lehman-Pleite und seinerzeit vor allem von Volks- und Raiffeisenbanken vertriebenen "Cobold"-Anleihen.

Die Bafin macht "Anlegerschutzbedenken" noch aus einem zweiten Grund geltend: Bereits "die Produktbezeichnung Bonitätsanleihe ist irreführend". Anders als der Name es nahelege, handele es sich nicht um Anleihen im klassischen Sinne: Der Anleger sei eben nicht Geber der Anleihe, sondern übernehme vielmehr die Rolle eines Versicherungsgebers. Diese "Rollenverwirrung" lasse das Finanzprodukt in den Augen von Laien "fälschlicherweise als Zinspapier erscheinen", so die Bafin weiter. Die Aufsicht geht davon aus, dass die Finanzindustrie es regelrecht auf Kleinanleger abgesehen hat. Banken würden diese Wertpapiere "gezielt für den Absatz an Privatkunden produzieren". Die Aufklärung über die Risiken sei vernachlässigt worden. Das Vorgehen der Bafin stößt bei der LBBW auf Unverständnis. "Gegenwärtig können wir die Begründung der Maßnahme nicht ohne Weiteres nachvollziehen", sagte ein LBBW-Sprecher.

Meinung:

Gier frisst Angst auf

Von SZ-Korrespondent Markus Grabitz

Bislang ist es mit Investitionen in Bonitätsanleihen fast immer gut gegangen. Wenn es aber einmal richtig kracht und Kleinanleger ihren Spargroschen verlieren, wird der Aufschrei groß sein. Im Grunde ist es das alte Spiel: Gier frisst Angst auf. Weil den Sparer die Mager-Zinsen auf dem Konto nerven, ist er bereit, Risiken einzugehen, die bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals gehen. Zocken mit der Bonität von Unternehmen ist aber nur etwas für Spezialisten. Da sollte sich der Privatanleger enthalten. Die Bankenaufsicht Bafin liegt damit richtig, Bonitätsanleihen mit dem Bannstrahl zu belegen. Es ist sinnvoll, den Verbraucher vor sich selbst schützen.