| 21:08 Uhr

Ausscheiden aus der EU
Saar-Autobranche sorgt sich wegen Brexit

Das Ford-werk Saarlouis baut viele Autos für britische Kunden. Durch den Brexit drohen Einbußen.
Das Ford-werk Saarlouis baut viele Autos für britische Kunden. Durch den Brexit drohen Einbußen. FOTO: rup
Saarbrücken. Ford und ZF wären im Saarland durch einen harten Brexit besonders betroffen. Die Unternehmen bereiten sich auf alle Eventualitäten vor. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Das Vereinigte Königreich ist einer der wichtigsten Handelspartner des Saarlandes. Mit einem Volumen von 2,275 Milliarden Euro an Ausfuhren ist es der zweitgrößte Exportmarkt nach Frankreich, bei den Importen landet Großbritannien mit 912 Millionen Euro auf Platz drei hinter Spanien und Frankreich – so die Zahlen für das vergangene Jahr.


Verständlich, dass saarländische Unternehmen mit Spannung die Entwicklungen auf der anderen Seite des Kanals beobachten. Denn es bleibt weiterhin vollkommen offen, ob Großbritannien nun wirklich am 29. März kommenden Jahres die Europäische Union verlassen wird, und auch, ob es trotz Brexit noch eine Übergangsfrist bis Ende 2020 mit einem gemeinsamen Markt geben wird. Möglich auch, dass Großbritannien ganz ohne Abkommen, in einem harten Brexit, aus der Gemeinschaft ausscheidet.

Im Saarland sind es zwei Unternehmen, die besonders betroffen wären: Ford und der Getriebe-Hersteller ZF. „Ein harter Brexit wäre für uns eine schlechte Entwicklung“, sagt Markus Thal. Intern herrsche die Annahme vor, dass dann auch weniger Autos nach England verkauft würden, sagt der Betriebsratsvorsitzende des Ford-Werks in Saarlouis. Entsprechend vorsichtig werde nun auch die Produktion geplant.



Eine ZF-Sprecherin betont angesichts der Entwicklung in Großbritannien, dass sich ein freier Warenaustausch stets als Vorteil für die wirtschaftliche Entwicklung erwiesen habe. In den Beziehungen zu Großbritannien würden aktuell mehrere Szenarien und ihre möglichen Auswirkungen geprüft – auch für den Fall eines harten Brexit, wie die Sprecherin betonte. Allerdings gelte: „Für konkrete Ableitungen ist es noch zu früh, zumal noch offen ist, wie sich unsere Kunden entscheiden werden, das heißt, ob sie die Produktion in Großbritannien belassen oder andere Wege gehen.“

Vor allem die Autoindustrie würde von einem harten Brexit betroffen werden. Denn sie macht bei dem Exportvolumen des Saarlandes nach einer Aufstellung der Industrie und Handelskammer (IHK) den Löwenanteil aus. Autos stehen mit 52,26 Prozent für den größten Teil der Exporte auf die Insel. Direkt danach folgen Fahrzeugteile mit einem Anteil von 32,8 Prozent. Unternehmen aus dieser Branche müssten dann mit erheblichen Einschränkungen im Warenverkehr rechnen. Sei es mit höherem Aufwand für die Zollabfertigung, sei es mit längeren Lieferzeiten.

Die saarländische Landesbank Saar-LB, bei der die Finanzen vieler großer Saar-Unternehmen gebündelt sind, sieht auch bei einem „harten Brexit“ keine wesentlichen Folgen auf das eigene Geschäft. Allerdings könne es für Kunden, die intensiven Handel mit Großbritannien betreiben, im Einzelfall Auswirkungen geben. „Wir denken, dass sich nicht nur im deutsch-französischen Austausch das europäische Modell bewährt hat“, sagt Saar-LB-Chef Thomas Bretzger. „In diesem Zusammenhang ist der Brexit sicher kein gutes Signal.“

Dass es auch nach einem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU weiter Handel und Geschäftsbeziehungen zwischen saarländischen Unternehmen und der britischen Wirtschaft geben wird, ist unstrittig. Offen bleibt, welche Auswirkungen der Brexit auf die Saar-Wirtschaft haben wird. Joachim Malter, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der saarländischen Unternehmensverbände, ist grundsätzlich optimistisch für die hiesige Wirtschaft: „Der Brexit an sich wird für das Land insgesamt von untergeordneter Bedeutung sein, aber in einzelnen Unternehmen können seine Effekte schon eine besondere Rolle spielen.“