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Wenn der Briefträger nicht kommt
Aufseher attackieren Deutsche Post

Viele Bürger haben den Eindruck, dass die Briefträger montags kaum noch Post bringen.
Viele Bürger haben den Eindruck, dass die Briefträger montags kaum noch Post bringen. FOTO: dpa / Oliver Berg
Berlin. Zunehmend beschweren sich Bürger bei der Bundesnetzagentur über die Deutsche Post. Sie klagen über Mängel bei der Briefzustellung. Von Hagen Strauss

Immer mehr Beschwerden verärgerter Bürger, immer seltener werden die Briefkästen gelehrt – die Bundesnetzagentur geht hart mit den Leistungen der Deutschen Post  ins Gericht. Man betrachte die Entwicklung „mit zunehmender Besorgnis“, heißt es in einem unserer Redaktion vorliegenden Bericht der Aufsichtsbehörde.


So seien im vergangenen Jahr 6100 schriftliche Beschwerden bei der Bundesnetzagentur eingegangen – 50 Prozent mehr als im Vorjahr. „Über die Hälfte der Beschwerden betrifft dabei die Briefbeförderung und -zustellung durch die Deutsche Post AG.“ Das sei einerseits ein Indiz für die anhaltenden Probleme, die das Unternehmen habe. Andererseits handele es sich wohl nur um die „Spitze des Eisbergs“.

In dem internen Papier werden als Beispiel die massiven Zustellprobleme in Berlin aufgeführt. Im letzten Oktober kam es in einigen Bezirken über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen zu einem völligen Ausfall der Postverteilung. Betroffen davon waren seinerzeit 14 500 Haushalte. Auch aus anderen Regionen Deutschlands gebe es Klagen über „anhaltende Mängel“, so die Bundesnetzagentur. Sanktionsmöglichkeiten „für temporäre Qualitätsmängel“ sehe das Postrecht zwar nicht vor. Man werde den Beschwerden aber nachgehen und darauf drängen, dass „die werktägliche Zustellung flächendeckend weiterhin sichergestellt ist“.



Eine deutliche „Qualitätsverschlechterung für die Verbraucher“ sieht die Agentur auch bei der Leerung der Briefkästen. Von den rund 110 000 würden 56 Prozent nur noch am Vormittag statt mehrfach am Tag geleert. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als in den Vorjahren. Auch sehe die „Post-Universaldienstleistungsverordnung“ eine bedarfsgerechte Sonn- und Feiertagsleerung vor, die aber zunehmend abgebaut werde. „Dies dürfte mitursächlich sein für das gefühlte Ausbleiben der Briefzustellung an Montagen“, heißt es in dem Bericht.

Ein Sprecher des Post-Konzerns räumte auf Nachfrage ein, dass Unregelmäßigkeiten nicht gänzlich auszuschließen seien. Aber 94 Prozent der täglich 59 Millionen Briefe erreichten ihre Empfänger bereits am nächsten Werktag. Womöglich hänge die Zunahme der Beschwerden auch damit zusammen, dass die Bundesnetzagentur vermehrt als Beschwerdestelle angesehen werde, vermutet der Sprecher. Zugleich müssten Leerungszeiten regelmäßig an das geänderte Einlieferungsverhalten der Kunden angepasst werden. Dies stehe in Einklang mit der Post-Universaldienstleistungsverordnung, „wonach die Leerungen der Briefkästen an den Bedürfnissen des Wirtschaftslebens zu orientieren sind“.

Die Grünen forderten das Unternehmen hingegen zum Handeln auf. Verbraucherexperte Oliver Krischer erklärte: „Die Verbraucher dürfen nicht die Dummen sein, wenn sie wichtige Briefe verschicken.“ Auch die Bundesregierung müsse dem Unternehmen Dampf machen. „Die Post hat beim Briefverkehr immer noch einen öffentlichen Auftrag, und da darf es keinen Zweifel geben, dass sie den verlässlich erfüllt“, sagte Krischer.