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Gesundheitswirtschaft im Saarland
Arbeitskammer sieht falsche Förderung im Gesundheitsmarkt

Die Arbeitskammer sieht im „zweiten Gesundheitsmarkt“, der unter anderem privat finanzierte Wellnessangebote wie Massagen umfasst, bisher zu wenig Potenzial für Förderung.
Die Arbeitskammer sieht im „zweiten Gesundheitsmarkt“, der unter anderem privat finanzierte Wellnessangebote wie Massagen umfasst, bisher zu wenig Potenzial für Förderung. FOTO: Rolf Vennenbernd / dpa
Saabrücken. Koalition legt Fokus auf einen Bereich, der nur einen kleinen Teil der Branche abdeckt. Von Teresa Bauer

Mehr als 85 000 Beschäftigte in über 4000 Betrieben. Die Gesundheitswirtschaft ist „der stärkste Job-Motor“ im Saarland, so lautet die Bilanz einer von der Arbeitskammer des Saarlandes in Auftrag gegebenen Studie des Saarbrücker Iso-Institus. Die Arbeitskammer sieht dennoch Handlungsbedarf bei der wirtschaftspolitischen Förderungen der einzelnen Bereiche, wie deren Vorstandsvorsitzender Jörg Casper sagt.


Denn die aktuelle Koalitionsvereinbarung sieht vor, dass „auf die Förderung des zweiten Gesundheitsmarktes, insbesondere des Gesundheitstourismus, gesetzt wird“, stellt Casper fest. Dieser sogenannte zweite Gesundheitsmarkt umfasst medizinische Produkte und Dienstleistungen, die nicht durch gesetzliche oder private Krankenversicherungen finanziert werden. Doch dieser Markt stelle laut der Studie „im Saarland nur acht Prozent der Arbeitsplätze in der Gesundheitswirtschaft“, kritisiert die Arbeitskammer. 2016 waren nur 6000 Personen in diesem Teilbereich beschäftigt, 1,2 Prozent der saarländischen Wirtschaft. Zwar wachse der Markt schnell, aber auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Außerdem seien die Hälfte der Beschäftigten als Minijobber tätig. Bevor eine Förderung erfolge, gelte es, Potenziale realistisch einzuschätzen, die Beschäftigungsqualität zu prüfen und die Arbeitnehmer zu beteiligen, sagt Casper.

Größeren Förderungsbedarf, damit die Gesundheitswirtschaft weiterhin Wachstumsmotor bleibt, sieht die Arbeitskammer im klassischen Gesundheitswesen, denn drei Viertel der 85 000 Beschäftigten arbeitet in diesem Bereich. 22 000 Beschäftige gibt es in der Betreuung und Pflege älterer Menschen, rund 22 000 arbeiten in der stationären medizinischen Versorgung, und in der ambulanten medizinischen Versorgung rund 17 000. Damit mache dieser Markt den Kern der Gesundheitswirtschaft aus. Kritisch merkt die Arbeitskammer hier an, dass der Anteil der Teilzeitbeschäftigung mit 36 Prozent deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft (26 Prozent) liegt. Unterschiedlich starke Organisationsgrade hätten außerdem zur Folge, dass nur in „jedem fünften Betrieb ein „Gremium der Mitbestimmung“ vorhanden ist. Auch würden belastende Arbeitsbedingungen, beispielsweise durch nicht erfüllte Personalschlüssel, die Berufszweige zusehends unattraktiv machen.

Darin sieht Casper die „Herausforderung aller Akteure, damit die wirtschaftliche Bedeutung der Branche zukünftig weiter wächst“.