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Berufsbildungszentrum Sulzbach
Kollege Roboter kommt in die Schule

Schulleiter Josef Paul und Lehrer Manfred Kölzer (v. l.) erläutern der Schülerin Viktoria Schwabauer die Funktionsweise und Steuerungsmöglichkeiten des Roboterarms. Foto: Iris: Maurer
Schulleiter Josef Paul und Lehrer Manfred Kölzer (v. l.) erläutern der Schülerin Viktoria Schwabauer die Funktionsweise und Steuerungsmöglichkeiten des Roboterarms. Foto: Iris: Maurer FOTO: Iris Maria Maurer
Sulzbach. Am Berufsbildungszentrum Sulzbach lernen die Schüler, welche Anforderungen sie in der künftigen Produktionswelt von Industrie 4.0 erwarten.  Geplant wird mittelfristig der Aufbau einer computerunterstützten Mini-Fertigungsstrecke.

Das Berufsbildungszentrum (BBZ) Sulzbach ist die erste Berufsschule im Saarland, die sich im Unterricht mit den Herausforderungen beschäftigt, die die Vernetzung und die digitalen Produktionsabläufe in den Fabriken der Zukunft mit sich bringen. Zusammengefasst wird diese Entwicklung häufig unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“.



„Mein Kollege Manfred Kölzer hatte vor knapp zwei Jahren diese Idee und hat dann seine Vorstellungen mit großem Engagement nach vorne gebracht“, erzählt Schulleiter Josef Paul. Inzwischen beschäftigen sich die Mechatronik-Azubis zwei Stunden pro Unterrichtswoche mit Themen rund um „Industrie 4.0“. Im kommenden Schuljahr sollen die Industriemechaniker hinzu kommen und sich im ersten Ausbildungsjahr vier Stunden mit Datennetzen oder dem „Kollegen Roboter als Assistent in der Fertigung auseinandersetzen“, sagt Lehrer Markus Kontz. Im dritten Lehrjahr sollen es dann acht Stunden sein.

In einer der Unterrichtseinheiten sollen die jungen Leute beispielsweise herausfinden, wie sich die Produktionsprozesse in ihren Ausbildungs-Betrieben bereits verändert haben. Außerdem sollen sie lernen, welche technischen Module eingesetzt werden können, um die Produktion, die über ein IT-Netzwerk gesteuert wird, umzusetzen. Das können unter anderem Sensoren sein, deren Funktionen erläutert werden. Es kann im Unterricht aber auch die RFID-Technologie behandelt werden, die es erlaubt, dass Fertigungs-Maschinen – ausgerüstet mit einem entsprechenden Chip – per Funkwellen miteinander in Kontakt treten, sich gegenseitig erkennen und Daten austauschen. „Das Wissensgebiet ist groß und verändert sich ständig“, sagt Lehrer Oliver Scherf. Der Diplom-Informatiker ist in erster Linie für die Netzwerke und den Datenaustausch zuständig ist, wohingegen sein Kollege Markus Kontz aus dem Maschinenbau kommt und sich um die Abläufe in der Produktion kümmert.

Endziel soll der Aufbau einer so genannten CP-Factory-Anlage sein, also eine kleine Produktionsstrecke, an der die Schüler lernen, wie künftig die einzelnen Arbeitsschritte organisiert werden und wie sie beispielsweise mithilfe mobiler Tablet-Computer verändert und gesteuert werden können. Solche Anlagen konfiguriert beispielsweise die Firma Festo, die auf die Produktion von Automatisierungskomponenten spezialisiert ist und in St. Ingbert seinen weltweit größten Produktionsstandort hat.

Festo hat dem BBZ Sulzbach bereits eine kleine Fertigungseinheit spendiert, wo die Arbeitsweise eines Roboters gezeigt wird. Weitere Kooperationspartner und Sponsoren sind das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Werkzeug- und Vorrichtungsbau-Unternehmen Brabant& Lehnert aus Wadern, der Roboter-Hersteller Kuka sowie der Verband der Metall- und Elektroindustrie (ME) Saar, der 50000 Euro lockermachte. Aus eigenen Mitteln das das BBZ Sulzbach für 150000 Euro die IT-Infrastruktur auf den neuesten Stand gebracht.



Klassische Stundenpläne und traditionelle Lerneinheiten passen nach Ansicht der Lehrer nicht mehr zu „Industrie 4.0“. „Wir müssen alle unsere Komfortzonen verlassen“, meint Scherf. Die Schüler, die mit Computern und Smartphones groß geworden sind, „müssen wir neugierig machen auf die Möglichkeiten, die die neue Technik bietet, und sie zum Querdenken animieren“, sagt er. Das bedeute auch, „dass die alten Berufsmuster sich verändern werden“. Für Kontz „bieten viele Ausbildungsberufe zwar eine solide Basis und sind ausbaufähig und anpassbar“. Aber „neue Berufe wie zum Beispiel der Produktionstechnologe sind unverzichtbar“.