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Nano-Spezialist
Aktionäre bestätigen Nanogate-Wachstumskurs

Nanogate-Vorstandsvorsitzender Ralf Zastrau.
Nanogate-Vorstandsvorsitzender Ralf Zastrau. FOTO: Iris Maurer
Saarbrücken. (jwo) So einfach können Hauptversammlungen sein. Gerade einmal drei Stunden dauerte das Aktionärstreffen von Nanogate – und sämtliche Beschlussvorschläge wurden abgesegnet. Einzig ein Tagesordnungspunkt, ein neues Aktienoptionsprogramm, erfuhr eine leichte Änderung. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Vor allem ging es bei den Beschlüssen um Formalien: Die Neuwahl der amtierenden Aufsichtsratsmitglieder ebenso wie den Beschluss über die Dividende. Genau die allerdings führte zu einer Diskussion mit den Aktionärsvertreter Marvin Müller-Blom von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die elf Cent pro Aktie, die das Unternehmen ausschüttet, schienen dem Aktionärsanwalt doch zu mager. Gerade einmal zehn Prozent des Bilanzgewinnes macht die Ausschüttung aus. 30 bis 40 Prozent seien akzeptabel gewesen, merkte Müller-Blom an.


Doch Ralf Zastrau, Vorstandsvorsitzender des Nano-Spezialisten aus Saarbrücken, betonte, dass Nanogate noch längst nicht den Entwicklungsgrad erreicht habe, um hohe Dividenden zu zahlen. Noch sei es Zeit, die Gewinne im Unternehmen zu halten, um die Wachstumsstrategie des Unternehmens zu finanzieren.

Die hatte Zastrau bereits in seiner Rede ausführlich skizziert. Zwei Punkte stechen als Hauptaspekte hervor: international stärker Fuß fassen und neue Märkte erschließen. Seit Jahren wächst Nanogate konsequent, legt beim Umsatz regelmäßig gut zweistellig zu. Dieses Wachstum geschieht auch durch strategische Zukäufe, die dem Nanospezialisten nicht nur eine vollständige Wertschöpfungskette sichern sondern auch neue Geschäftsfelder.



Der Fokus des Unternehmens liegt dabei auf beschichteten Kunststoffen, die unter zwei Produktmarken vertrieben werden. N-Glaze und N-Metals. N-Glaze sind vor allem durchsichtige Kunststoffe, die beispielsweise in Autoscheinwerfern, als Windschutzscheiben oder bei Designer-Uhren verbaut werden. Unter dem Markendach N-Metals stellt Nanogate beschichtete Kunststoffe in Metall-Optik her.

Kennzeichnend für diese Produkte sind ihre durch die High-Tech-Verfahren bedingten Eigenschaften: hohe Oberflächenfestigkeit gehört ebenso dazu wie wasser- oder schmutzabweisende Oberflächen. Und durch die Integration von Leiterbahnen lassen sich die Oberfläche auch noch als innovative Bedienelemente gestalten.

Einsatzmöglichkeiten und große Wachstumschancen sieht Zastrau für diese Materialien, die schon jetzt sehr breit in der Autoindustrie eingesetzt werden, auch in E-Fahrzeugen und bei autonomen Fahrzeugen. Für E-Mobile empfehlen sich die Kunststoffe schon wegen des geringeren Gewichts und wegen der preiswerteren Herstellung. Für autonom fahrende Autos wiederum empfehlen sich Chromersatz-Materialien, die durchlässig für Radarstrahlen sind. Mit ihnen können beispielsweise Sensoren verkleidet werden.

Doch nicht nur im Automotive-Bereich sind die Kunststoffe in Metall-Optik zu verwenden: Noch einen Tag vor der Hauptversammlung hat Nanogate den Großauftrag eines US-Küchengeräteherstellers in Höhe von rund 100 Millionen Euro verkündet. Der will Kunststoffe in Edelstahl-Optik in seinen Produkten einsetzen. Es ist der größte Auftrag der Unternehmensgeschichte.

Der Expansion spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Für 2018 erwartet Zastrau einen Umsatz von 220 Millionen Euro nach 186 Millionen im vergangenen Jahr. Der Gewinn (Ebitda) soll von 21,5 Millionen Euro auf 24 Millionen Euro steigen. Langfristig werde das Unternehmen aber auch eine höhere Dividende zahlen, sagt Zastrau.

Änderungen gab es einzig bei dem geplanten Aktienoptionsprogramm des Unternehmens. Die Vertreter des Tochterunternehmens Jay Industries, das einen signifikanten Anteil an Nanogate hält, setzten mit Unterstützung des Vorstands und Aufsichtsrats verschärfte Konditionen für die Optionen durch. Das diene dazu, die Gesellschaft noch stärker zu Höchstleistungen anzuspornen, sagte deren Anwalt Dominik von Zehmen.